Pendeldämpfung beim Brückenkran: Elektronisch vs. mechanisch

Einleitung: Das Pendeln der Last beim Kranbetrieb ist ein klassisches Regelungsproblem, das die Industrielogistik seit Jahrzehnten beschäftigt. Von den frühen mechanischen Pendeldämpfungssystemen (starre Führungsstangen / gekreuzte Drahtseile) bis hin zur heutigen elektronischen Pendeldämpfung (Input Shaping / geschlossener Regelkreis) hat die Antipendeltechnik einen Paradigmenwechsel von der „harten Begrenzung“ zur „weichen Regelung“ vollzogen. Dieser Artikel beleuchtet die physikalischen Grundlagen des Pendelmodells, kombiniert mit den praktischen Erfahrungen aus der elektrischen Inbetriebnahme von Brückenkranen der Kelude Schwerindustrie, und vergleicht systematisch die Prinzipien, Leistungsmerkmale und die technische Umsetzung beider Technologieansätze – als Entscheidungshilfe für die Auswahl.

Regelkreisdiagramm der Kran-Pendeldämpfung

Lastpendeln beim Brückenkran: Ein klassisches Unteraktuierungsproblem

Beim Brückenkran hängt die Last während der Horizontalbewegung über ein Drahtseil unter der Laufkatze. Die Kombination aus Katzfahren und Lastpendeln bildet ein typisches unteraktuiertes System: In horizontaler Richtung gibt es nur eine einzige Stellgröße (die Antriebskraft der Laufkatze), gleichzeitig müssen jedoch zwei Freiheitsgrade geregelt werden – die Position der Laufkatze und der Pendelwinkel der Last.

Wenn die Drahtseillänge deutlich größer als die Abmessungen der Last ist, lässt sich die Last vereinfacht als mathematisches Pendel modellieren. Die linearisierte Bewegungsgleichung lautet:

L·θ̈ + g·θ = −ẍ

Dabei ist L die wirksame Seillänge (m), θ der Pendelwinkel (rad), g die Erdbeschleunigung und x die horizontale Position der Laufkatze. Diese Gleichung offenbart ein wesentliches Merkmal: Die Beschleunigung der Laufkatze ẍ ist die direkte Anregungsquelle für das Lastpendeln. Eine kontrollierte Änderungsrate der Beschleunigung (Jerk) ermöglicht es, die Pendelamplitude aktiv zu beeinflussen.

Gemäß den Anforderungen der Norm DIN 15018 – Kernanforderungen an die Kranbau-Konstruktion an die Laufruhe des Fahrwerks muss bei der Auslegung des Katzfahrwerks und des Kranfahrwerks von Brückenkranen die Beschleunigungsänderung (Jerk) begrenzt werden, was indirekt auch die Anforderungen an die Pendeldämpfung der Last betrifft. Die Norm gibt jedoch nur qualitative Hinweise und definiert keine konkreten Leistungskennwerte für die Pendeldämpfung – genau hier setzt die elektronische Pendeldämpfungstechnik an.

Wichtige Parameter der Pendelphysik

ParameterFormelzeichenEinheitBeschreibung
Wirksame SeillängeLmAbstand vom Aufhängepunkt bis zum Lastschwerpunkt
PendelwinkelθradAuslenkung der Last aus der Vertikalen
Katzbeschleunigungm/s²Horizontale Beschleunigung der Laufkatze
Jerk (Beschleunigungsänderung)da/dtm/s³Änderungsrate der Beschleunigung
ParameterSymboltypischer WertEinfluss
DrahtseilLängeL6~18mLPeriodeTlangsameres Pendelabklingen
PendelperiodeT=2π√(L/g)4.9~8.5sL=12mbeiT≈6.9s
maximaler Ausschlagwinkelθmax3°~15°im Not-Halt erreichbar15°
Dämpfungsgradζ0.003~0.01extrem niedrig——natürliche Abklingzeit benötigt30~60s
Restausschlagwinkel(Ziel)θres≤0.5°manuell zulässigPositionierungAbweichung

Steuerkette: Input-Shaping-Technologie

Input Shaping ist der älteste und ausgereifteste Ansatz der elektronischen Pendeldämpfung. Die Kernidee ist denkbar einfach: Das ursprüngliche Geschwindigkeitskommando wird per Faltung in mehrere Teilimpulse zerlegt, sodass die durch den ersten Impuls angeregte Schwingung durch die „gegenläufige Schwingung“ der Folgeimpulse exakt kompensiert wird. Da keine Sensoren erforderlich sind, handelt es sich um eine steuerungstechnische Vorsteuerung ohne Rückkopplung.

ZV-Shaper (Zero Vibration) – der grundlegende Input-Shaper, bestehend aus zwei Impulsen. Der erste Impuls mit der Amplitude A₁=0,5 wird zum Zeitpunkt t=0 ausgegeben; der zweite Impuls mit A₂=0,5 folgt um eine halbe Schwingungsperiode (T/2) verzögert. Die von beiden Impulsen angeregten Schwingungen sind gleich groß und gegenphasig und löschen sich dadurch vollständig aus. ZV stellt höchste Anforderungen an die Modellgenauigkeit der Schwingungsperiode – bei Frequenzfehlern über 5 % nimmt die Restoszillation deutlich zu.

ZVD-Shaper (Zero Vibration and Derivative) – erweitert ZV um eine höhere Robustheit gegenüber Frequenzfehlern. Er besteht aus drei Impulsen und fügt die Nebenbedingung „Ableitung Null“ hinzu. ZVD hält die Restoszillation bei Frequenzfehlern von bis zu ±15 % unter 5 %, erkauft sich dies jedoch mit einer um etwa eine halbe Periode längeren Befehlsdauer gegenüber ZV.

EI-Shaper (Extra-Insensitive) – erhöht die Toleranz gegenüber Frequenzfehlern weiter. Er erlaubt eine geringe Restoszillation (<5 %) in einem definierten Frequenzbereich, um eine breitere Robustheitsbandbreite zu erreichen. Der EI-Shaper hält die Restoszillation im Frequenzfehlerbereich von ±20 % unter 5 % und eignet sich besonders für Anwendungen mit stark variierender Seillänge (z. B. L=6~18 m entsprechend einer Frequenzänderung von ±42 %).

ZV (Zero Vibration)
Zwei-Impuls-Shaper, keine Restoszillation. Hohe Anforderungen an die Genauigkeit der Seillänge; bei Frequenzfehlern >5 % fällt die Leistung stark ab. Geeignet für Spezialkrane mit fester Hubhöhe.
Basisvariante
ZVD (Zero Vibration + Ableitung Null)
Drei-Impuls-Shaper mit hoher Robustheit gegenüber Frequenzfehlern. Restoszillation <5 % im Bereich ±15 %. Befehlsdauer ca. 0,5 T länger als bei ZV.
Standardvariante
EI (Extra-Insensitive)
Erweitert die Frequenztoleranz gegenüber ZVD weiter. Restoszillation <5 % im Bereich ±20 %, ideal für allgemeine Brückenkrane mit stark variierender Seillänge.
Breite Anpassung

Regelkreis: Echtzeit-Feedback per Vision und Laser

Die natürliche Grenze der Steuerkette beim Input Shaping liegt darin: Äußere Störungen bleiben unberücksichtigt (Windlast, Schienenunebenheiten, exzentrische Lastaufnahme usw.). Sobald eine Störung eine zusätzliche Schwingung anregt, „weiß“ der Shaper nichts davon. Der Regelkreis löst dieses Problem grundlegend, indem er den Schwingungswinkel in Echtzeit erfasst und die Abweichung im Regelkreis kompensiert.

3.1 Erfassung des Schwingungswinkels

Vision-basierter Ansatz (Industriekamera + IR-Beleuchtung) – Unter der Laufkatze wird eine Industriekamera (Auflösung 1280×1024, Bildrate ≥30fps) montiert, die die Bewegungsbahn der Last oder einer Markierung am Haken aufzeichnet. Über Bildverarbeitungsalgorithmen (Kantenerkennung + Schwerpunkt-Tracking) wird der Schwingungswinkel in Echtzeit berechnet, mit einer Genauigkeit von ±0,1°. Der Vorteil des Vision-Ansatzes liegt in der berührungslosen Messung ohne mechanischen Verschleiß; nachteilig ist die Empfindlichkeit gegenüber Staub und Beleuchtung – daher ist der Einsatz mit IR-Beleuchtung (850nm) und Staubschutz erforderlich.

Laser-Entfernungsmessung – Am Katzfahrwerkrahmen werden 2~3 Laser-Wegsensoren (z. B. SICK OD-Serie oder KEYENCE IL-Serie) montiert, die die horizontale Abweichung des Drahtseils messen. Über geometrische Umrechnung wird daraus der Schwingungswinkel ermittelt. Die Genauigkeit erreicht ±0,05°, die Ansprechfrequenz ≥100 Hz, und die Messung ist unabhängig von Umgebungslicht. Nachteilig sind die hohen Anforderungen an die Montageausrichtung und die höheren Kosten (Einzelsensor ca. 3.000~8.000 CNY).

IMU-Trägheitslösung – Montage einer MEMS-Trägheitsmesseinheit (Beschleunigungssensor + Gyroskop) an der Hakenflaschenrolle; die Positionsdaten werden drahtlos (Zigbee/LoRa) an die Laufkatze übertragen. Genauigkeit ±0,5°, geringste Kosten (Einzelmodul <500 ¥), jedoch müssen Batterieversorgung und Zuverlässigkeit der drahtlosen Kommunikation gelöst werden.

3.2 Regelkreisstrategie

Die Regelarchitektur der geschlossenen Pendeldämpfung basiert typischerweise auf kaskadierter PID-Regelung oder Zustandsregelung (LQR). Die kaskadierte PID-Regelung überzeugt durch klare Struktur und intuitive Inbetriebnahme: Der äußere Regelkreis ist der Pendelwinkel-PID-Regler (Eingang = Sollwinkel 0° – Istwinkel, Ausgang = Geschwindigkeitskorrektur), der innere Regelkreis ist der Drehzahlregelkreis. Die LQR-Zustandsregelung ermöglicht theoretisch eine optimale Regelung – sie erfüllt sowohl „Positionierung der Laufkatze“ als auch „Pendelwinkel gegen Null“ bei minimalem Energieaufwand.

Kaskadierte PID-Regelung
Äußerer Pendelwinkel-Regelkreis + innerer Drehzahlregelkreis, stufenweise Inbetriebnahme. Physikalisch klare Parameter, leicht verständlich für Inbetriebnehmer. Restpendelung <0,3°, Beruhigungszeit ca. 1,5T.
Bevorzugt in der Praxis
LQR-Optimalregelung
Basiert auf der Theorie der linearen quadratischen Optimalregelung und findet die optimale Balance zwischen Energieverbrauch und Konvergenzgeschwindigkeit. Erfordert ein präzises Zustandsraummodell; höhere Einstiegshürde bei der Inbetriebnahme.
Hohe Leistung
Vorsteuerung + Rückkopplung
Input-Shaping (Vorsteuerung) eliminiert zunächst die durch Sollwertänderungen angeregten Schwingungen; der geschlossene Regelkreis korrigiert anschließend Störabweichungen. Bietet sowohl schnelles Ansprechen als auch gute Störfestigkeit – derzeit die optimale Lösung.
Optimale Lösung

Mechanische Pendeldämpfung: Physikalische Begrenzung als robuste Lösung

Die mechanische Pendeldämpfung begrenzt die Bewegungsfreiheit der Last durch zusätzliche physikalische Zwangsbedingungen – die traditionellste und direkteste Methode. Die wichtigsten Bauformen sind:

Kreuzende Drahtseilführung (Cross-reeving) – Die Hubseile werden von der Trommel über mehrere versetzt angeordnete Rollen geführt, wodurch ein kreuzender Seilverlauf entsteht und der Freiheitsgrad der Pendelbewegung effektiv reduziert wird. Die Wirkung ist direkt, jedoch erhöht sich der Seilverschleiß: Die Anzahl der Rollen steigt um 2–4, die Biegewechsel des Drahtseils verdoppeln sich. Geeignet für Krane bis 10 t.

Starre Führungsstange (Rigid Guide Mast) – Zwischen Anschlagmittel und Laufkatze wird eine teleskopierbare starre Führungsstange (ähnlich einem Gabelstapler-Hubmast) montiert, die den Freiheitsgrad von „flexiblem Pendeln“ in „starre Führung“ umwandelt. Beste Pendeldämpfung (Restpendelung <0,2°), jedoch hohes Eigengewicht (Führungsstange + Führungsmechanik ≈ 15–25 % der Last), was die Nutzlast entsprechend reduziert. Typische Anwendung: Starrführungs-Systeme an Containerbrücken.

Dämpfungselemente (Hydraulisch/Reibung) – Hydraulische oder Reibungsdämpfer werden am Drahtseil oder Anschlagmittel angebracht und wandeln die Schwingungsenergie in Wärme um. Die Wirkung ist begrenzt (Verkürzung der Ausschwingzeit um ca. 40 %) und erfordert regelmäßige Wartung. Geeignet für den Umbau älterer Krane mit geringeren Anforderungen an die Pendeldämpfung.

Elektronische vs. mechanische Pendeldämpfung: Systemvergleich

Kelude Industriekrane

Kelude ist ein führender Hersteller von Industriekranen in China. Das Unternehmen bietet ein breites Spektrum an Hebezeuglösungen für anspruchsvolle Anwendungen in der Fertigung, im Anlagenbau und in der Logistik. Das Produktprogramm umfasst Brückenkrane, Portalkrane, Auslegerkrane sowie Elektroseilzüge und wurde speziell für den kontinuierlichen Industrieeinsatz konzipiert.

Brückenkrane: Zuverlässige Lastaufnahme für den Dauerbetrieb

Die Brückenkrane von Kelude sind für hohe Tragfähigkeiten und große Spannweiten ausgelegt. Sie eignen sich besonders für Fertigungshallen, Lager- und Montagebereiche. Die Krane sind als Ein- und Zweiträgerausführung verfügbar und werden nach den geltenden DIN- und EN-Normen gefertigt. Eine präzise Steuerung ermöglicht ein sicheres und effizientes Handling Ihrer Lasten.

Portalkrane: Flexible Lösungen für den Außenbereich

Für den Einsatz im Freien, auf Umschlagplätzen oder in Werkshöfen bietet Kelude robuste Portalkrane. Diese sind wahlweise mit Spurkranz- oder kranunabhängigen Fahrwerken ausgestattet. Die Konstruktion ist auf eine hohe Standfestigkeit und eine lange Lebensdauer ausgelegt – auch unter widrigen Witterungsbedingungen.

Elektroseilzüge: Präzision und Sicherheit für jede Anwendung

Die Elektroseilzüge von Kelude zeichnen sich durch eine kompakte Bauweise und eine hohe Hubgeschwindigkeit aus. Sie sind mit einem zuverlässigen Lastdruckabbremssystem ausgestattet und bieten eine hohe Positioniergenauigkeit. Die Züge sind für den Einsatz an Brücken- und Portalkranen optimiert und erfüllen die Anforderungen der Maschinenrichtlinie.

Technische Daten und Ausstattungsmerkmale im Überblick

Die Krane und Züge von Kelude sind optional mit modernen Assistenzsystemen wie Lastanzeige, Übertemperaturschutz und einer sanften Anfahr- und Stoppsteuerung (Sanftanlauf) erhältlich. Die Steuerung erfolgt wahlweise über ein hängendes Steuergehäuse oder eine Funkfernsteuerung. Alle Komponenten sind für eine einfache Wartung ausgelegt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F:
Welche Tragfähigkeiten sind bei den Brückenkranen von Kelude möglich?A: Die Brückenkrane sind in verschiedenen Tragfähigkeitsklassen bis zu 50 t und mehr erhältlich. Die genaue Auslegung erfolgt projektbezogen nach Ihren Anforderungen.

A: F:
Sind die Krane von Kelude für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen geeignet?A: Ja, auf Anfrage sind die Krane und Züge in explosionsgeschützter Ausführung (Ex-Schutz) gemäß den einschlägigen Richtlinien lieferbar.

A: F:
Welche Steuerungsoptionen werden angeboten?A: Die Steuerung erfolgt wahlweise über ein hängendes Steuergehäuse, eine Funkfernsteuerung oder eine optionale Anbindung an Ihre übergeordnete Steuerungstechnik.

VergleichskriteriumelektronischPendeldämpfung(Eingangsformung+geschlossener Regelkreis)MaschinenPendeldämpfung(starre Führungsstange/Kreuzseil)
PendeldämpfungPrinzipSteuerungLaufkatzehinzufügenGeschwindigkeit,Pendelkompensationphysikalische Zwangsbedingungen erhöhen,Pendelfreiheitsgrade begrenzen
Restpendeln≤0.3°(geschlossener Regelkreis),≤1°(offener Regelkreis)0.2°~1.5°(starre Führungsstangeoptimal)
AnsprechverhaltenGeschwindigkeit1~2Pendelperioden(5~15s)Echtzeit-Zwangsbedingungen(verzögerungsfrei)
erhöhenEigengewicht~0kg(rein softwarebasiert/Sensor<2kg)Führungsstange begrenzt Lastpendeln15%~25%
DrahtseilVerschleißohne zusätzlichVerschleißKreuzseil erhöhtRolleAnzahlVerschleißverschärfen
anwendbare Tragfähigkeitgesamter Bereich(1t~500t)starre Führungsstange≤40t,Kreuzseil≤10t
Störfestigkeit gegen äußere Einflüssegeschlossener Regelkreis robust gegen Störungen(Wind/Schieneuneben)physikalische Zwangsbedingungen stets wirksam(unbeeinflusst von Störungen)
Inbetriebnahme-Komplexitätnatürliche Abklingzeit benötigtParameterSelbstabgleich+SensorKalibrierungMaschinenMontageWellenausrichtungsofort(benötigt jedoch Bauraum)
WartungsanforderungSensorregelmäßige Reinigung/Kalibrierung(vierteljährlich)FührungsstangeSchmierung/Ölwechsel des Dämpfers(monatlich)
UmbauKostenFrequenzumrichterFirmwareAufrüstung/hinzufügenSensorstrukturell erforderlichUmbau,erhöhenRolle/Führungsstange
typische AnwendungenintelligentBrückenkran,AutomatisierungLager,PräzisionMontageKaikranContainer-Spreader,StahlwerkGreifer (Klemme)Hub

Pendeldämpfung und Frequenzumrichter-Integration

A: Moderne Kran-Frequenzumrichter (z. B. Siemens S120, ABB ACS880, Danfoss VACON NXP) verfügen standardmäßig über integrierte Pendeldämpfungsmodule. Es gibt zwei Implementierungsansätze:

Variante 1: Offene Pendeldämpfung im Frequenzumrichter (Parametrierung)

Über die Umrichterparameter wird die Seillänge L (Parameter Pxxxx) eingegeben. Die Firmware des Umrichters berechnet daraus automatisch die Pendelperiode T und wendet vor der Geschwindigkeitssollwertausgabe einen Input-Shaper-Filter (üblicherweise EI-Typ) an. Typischer Parametrierungsablauf: Seillänge eingeben → Pendeldämpfungsintensität wählen (0–100 %, beeinflusst die Sollwertglättung) → Jerk-Begrenzung für Beschleunigung/Verzögerung festlegen → Testlauf zur Verifizierung. Vorteil: Kein externer Regler erforderlich. Nachteil: L ist ein fester Wert; bei Änderung der Seillänge muss der Parameter neu gesetzt werden.

Variante 2: Geschlossene Pendeldämpfung mit PLC + Frequenzumrichter (Sensor-Feedback)

Die SPS (z. B. Siemens S7-1500 oder Codesys-Soft-SPS) liest Daten von Pendelwinkelsensoren (Kamera/Laser/IMU), führt einen geschlossenen Pendeldämpfungsalgorithmus aus (Kaskaden-PID oder MPC-Modellprädiktive Regelung) und übermittelt den korrigierten Geschwindigkeitssollwert in Echtzeit über PROFINET/EtherCAT an den Umrichter. Dieses Konzept bietet die höchste Leistungsfähigkeit, ist jedoch auch am komplexesten in der Systemintegration – die SPS benötigt eine ausreichende Zykluszeit (empfohlen ≤ 10 ms).

Wichtige Aspekte der technischen Umsetzung

Sensorpositionierung – Bei visuellen Systemen sollte die Kamera mittig am Boden des Katzfahrwerkrahmens montiert werden, mit senkrecht nach unten gerichteter optischer Achse. Das Sichtfeld muss die Lastmarkierung abdecken (oder zwei Kameras für Stereovision zur Vermeidung von toten Winkeln). Lasersensoren müssen so ausgerichtet sein, dass der Laserstrahl das Drahtseil senkrecht kreuzt und nicht durch den Rollenblock verdeckt wird.

Automatische Parameterermittlung – Die Seillänge L kann in Echtzeit über den Hub-Encoder ermittelt werden (Hubhöhe × Lastvielfaches des Rollenblocks = effektive Seillänge) und die Modellparameter des Pendelwinkels werden automatisch aktualisiert. Bei visuellen Systemen kann zusätzlich die Größenänderung der Last im Bild zur Bestimmung der Seillänge herangezogen werden. Der Hauptvorteil der automatischen Parametrierung: Die Einrichtzeit für die Pendeldämpfung reduziert sich von „manueller Abstimmung (2–4 Stunden)“ auf „automatische Kalibrierung (5–10 Minuten)“.

Kalibrierung für mehrere Lastfälle – Die Modellparameter der Pendeldämpfung können zwischen Leerlast und Volllast um 15 %–30 % abweichen (hauptsächlich aufgrund der elastischen Dehnung des Drahtseils und der veränderten Massenträgheit der Last). Für eine konsistente Dämpfungswirkung über den gesamten Lastbereich wird empfohlen, mindestens drei Lastfälle (Leerlast / Teillast / Volllast) zu kalibrieren und eine abschnittsweise lineare Interpolation zu verwenden.

Sicherheitsredundanz – Das geschlossene Pendeldämpfungssystem muss über eine Strategie zur Sensorausfall-Sicherheit verfügen. Wenn das Signal des Pendelwinkelsensors länger als 200 ms ausfällt, sollte die Steuerung automatisch in den offenen Input-Shaper-Modus wechseln und die maximale Fahrgeschwindigkeit auf 60 % des Nennwerts begrenzen – anstatt die Pendeldämpfung vollständig zu deaktivieren und die Last unkontrolliert pendeln zu lassen.

Häufig gestellte Fragen

F: Können mechanische und elektronische Pendeldämpfung gleichzeitig eingesetzt werden?

A: Ja, der kombinierte Einsatz ist effektiver als jede Einzellösung. Die Kreuzdrahtseil-Verspannung bietet eine „Basis-Sicherheit“ (kein starkes Pendeln selbst bei Ausfall der Steuerung), während die elektronische Pendeldämpfung die Restpendelung von 1°–2° auf unter 0,3° reduziert. Die Regelbandbreiten kollidieren nicht – die mechanische Begrenzung wirkt im Hochfrequenzbereich (Millisekunden), die elektronische Regelung im mittleren und niedrigen Frequenzbereich (Sekunden).

F: Wie reagiert der Input-Shaper auf Änderungen der Seillänge?

A: Wenn sich die Seillänge L ändert, ändert sich auch die Pendelperiode T=2π√(L/g) – basiert die Verzögerungszeit des Shapers weiterhin auf dem alten T-Wert, verschlechtert sich die Dämpfungswirkung. Lösungen: ① Der Hub-Encoder misst L in Echtzeit und aktualisiert die Shaper-Parameter online (adaptiver Input-Shaper); ② Verwendung eines EI-Shapers (robust gegenüber T-Abweichungen von ±20 %), um den Seillängenbereich abzudecken; ③ Aufteilung des gesamten Seillängenbereichs in 3–5 Intervalle mit Umschaltung der Shaper-Parameter je nach Intervall.

F: Welche besonderen Anforderungen stellt die elektronische Pendeldämpfung an den Frequenzumrichter?

A: Die Kernanforderungen sind ein hochdynamischer Drehzahlregelkreis (Bandbreite ≥ 50 Hz) und eine schnelle Kommunikationsschnittstelle (PROFINET IRT/EtherCAT, Zykluszeit ≤ 2 ms). Standard-Umrichter mit skalarer Steuerung (V/F) erfüllen die erforderliche Regelbandbreite für die geschlossene Pendeldämpfung nicht, da ihnen die hochpräzise Drehmoment-/Drehzahlregelung fehlt. Ein Frequenzumrichter mit Vektorregelung (mit Encoder-Feedback) ist die Mindestanforderung – praktisch erfüllen heutige kranspezifische Umrichter diese Anforderung ab Werk.

F: Wie groß ist der Einfluss der Pendeldämpfung auf die Produktionseffizienz?

A: Der Effizienzgewinn durch Pendeldämpfung liegt hauptsächlich in der Reduzierung der „Wartezeit auf Pendelabklingen“. Ohne Pendeldämpfung muss der Bediener nach Erreichen der Zielposition auf das Abklingen der Pendelbewegung warten (10–30 s). Zusammen mit der manuellen Feinpositionierung kann der Anteil der „unproduktiven Wartezeit“ am gesamten Hubzyklus 20 %–35 % betragen. Mit elektronischer Pendeldämpfung beträgt der Restpendelwinkel bei Erreichen der Zielposition < 0,5°, sodass der Bediener die Last direkt ablassen kann – der einzelne Hubzyklus verkürzt sich um 15 %–25 %. Bei einer Werkhalle mit 200 Hubvorgängen pro Tag ergibt sich eine jährliche Zeitersparnis von ≈ 300 Stunden.

Normative Grundlage: DIN 15018 Krane – Bemessung und Konstruktion, Kapitel 8 Fahrwerk | FEM 1.001 Krane – Terminologie | Technische Abteilung

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