ATEX oder IECEx? Explosionsschutzklassen für Offshore-Plattformkrane

Die explosionsgeschützte Auslegung von Offshore-Plattformkranen umfasst die beiden Zertifizierungssysteme ATEX (EU) und IECEx (international). Die Gefahrenbereiche werden in Zone 0/1/2 (Gas) und Zone 20/21/22 (Staub) unterteilt. Explosionsgeschützte Betriebsmittel sind je nach Gefahrenbereichsklasse in den Schutzarten Ex d (druckfeste Kapselung), Ex e (erhöhte Sicherheit) oder Ex p (Überdruckkapselung) auszuführen. Die Überdruckkapselung ist die optimale Lösung für das elektrische Steuerungssystem großer Krane.

Sicherheitsauslegung Ankerwinde

Offshore-Öl- und Gasplattformen gehören zu den anspruchsvollsten industriellen Einsatzbereichen für Krane hinsichtlich des Explosionsschutzes. In Bohr-, Ölaufbereitungs- und Bohrlochkopfbereichen sind Methan, Propan, Schwefelwasserstoff und andere brennbare Gase vorhanden. Bereits ein winziger Funke elektrischer Geräte kann eine katastrophale Explosion auslösen – der Untersuchungsbericht zur Piper-Alpha-Katastrophe in der Nordsee von 1988 (167 Todesopfer) nennt Konstruktionsfehler im Explosionsschutz ausdrücklich als kritisches Glied in der Unfallkette. Die explosionsgeschützte Auslegung von Offshore-Plattformkranen muss zwei Ziele gleichzeitig erfüllen: zum einen das Entzünden der umgebenden explosionsfähigen Gasatmosphäre durch elektrische Betriebsmittel verhindern, zum anderen im Falle eines bereits eingetretenen Lecks im Notsituation weiterhin sicher betrieben werden können, um die Personenevakuierung und die Notabschaltung durchzuführen.

Die Diskussion der Gefahrenbereichseinteilung und Geräteauswahl basiert auf der Normenreihe IEC 60079 sowie der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU. Die Tragwerkskonstruktion des Krans folgt den Sicherheitsanforderungen der DIN 15018.

ATEX vs. IECEx – die zwei Zertifizierungssysteme im Vergleich

ATEX (ATmosphères EXplosibles) ist die europäische Explosionsschutzrichtlinie (Richtlinie 2014/34/EU) und in der EU sowie in Regionen mit anerkannter CE-Zertifizierung verbindlich. IECEx (IEC System for Certification to Standards Relating to Equipment for Use in Explosive Atmospheres) ist das globale Explosionsschutz-Zertifizierungssystem der Internationalen Elektrotechnischen Kommission und wird außerhalb der EU – etwa im asiatisch-pazifischen Raum, im Nahen Osten und in Südamerika – breit angewendet. Die technischen Normen beider Systeme (IEC-60079-Reihe) sind weitgehend harmonisiert; die wesentlichen Unterschiede liegen im Zertifizierungsverfahren und in der Marktaufsicht.

ZertifizierungDimensionATEX(EU)IECEx(International)
RechtsstatusEU-Richtlinie,VerbindlichkeitInternationalNorm,Vertragliche Vereinbarung
GeltungsbereichEU/EEA/CEAnerkannte LänderGlobal(Asien-Pazifik/Naher Osten/Südamerika)
Technisches AngebotZulassungEN 60079Baureihe(GleichwertigIEC)IEC 60079Baureihe
ZertifizierungModulEUBauartInspektion+WerksqualitätssicherungBauartInspektion+Werksqualitätssicherung+Pro StückInspektion
ZertifizierungStelleEUnotifizierte Stelle(NB)IECEx-ZertifizierungStelle(ExCB)
ZertifikatsanerkennungIECExZertifikat nicht ersetzbarATEXATEXZertifikat teilweise anerkannt
GerätekennzeichnungEx II 2G Ex db IIB T4 GbEx db IIB T4 Gb
Qualitätssicherungsprüfungnotifizierte StelleJährliche PrüfungExCBPro18Monatsprüfung

Explosionsschutz-Zonen an Offshore-Plattformen – Einteilung nach Zone 0/1/2 und Zone 20/21/22

Die Gefahrenzonen auf Offshore-Plattformen werden gemäß IEC 60079-10-1 (Gase) und IEC 60079-10-2 (Stäube) klassifiziert. Gasatmosphären werden in Zone 0 (explosionsfähige Atmosphäre liegt dauerhaft vor, >1.000 h/Jahr), Zone 1 (kann im Normalbetrieb auftreten, 10–1.000 h/Jahr) und Zone 2 (im Normalbetrieb nicht oder nur kurzzeitig vorhanden, <10 h/Jahr) unterteilt. Der Arbeitsbereich von Offshore-Plattformkranen wird üblicherweise als Zone 1 oder Zone 2 eingestuft – der Bohrloch- und Bohranlagenbereich gilt als Zone 1 (Schutzart Ex db oder Ex eb erforderlich), während Wohn- und Versorgungsbereiche als Zone 2 eingestuft werden (Schutzart Ex ec zulässig).

Die maßgebliche Grundlage für die Zoneneinteilung in Zone 1/2 ist die Leckagequellenanalyse (Gas Dispersion Analysis) – mittels CFD-Software (Computational Fluid Dynamics, z. B. FLACS oder KFX) wird die Ausbreitung brennbarer Gase nach einer Freisetzung aus potenziellen Leckagequellen (Flansche, Ventile, Probenahmestellen) simuliert. In Verbindung mit der statistischen Verteilung von Windgeschwindigkeit und -richtung wird die Wahrscheinlichkeit und Dauer des Auftretens explosionsfähiger Atmosphäre in den jeweiligen Bereichen bestimmt. Offshore-Plattformkrane sind in der Regel am Plattformrand (Abstand zur Leckagequelle >10 m) und auf der Luvseite installiert. Durch die CFD-Analyse kann nachgewiesen werden, dass der Arbeitsbereich als Zone 2 einzustufen ist – dies reduziert die Explosionsschutzkosten für elektrische Betriebsmittel erheblich (in Zone 2 sind Geräte der Schutzart Ex ec mit erhöhter Sicherheit zulässig; die Kosten betragen etwa 40–60 % derjenigen für Ex-d-Geräte in Druckfester Kapselung für Zone 1).

Explosionsschutzkonzepte für Kran-Steuerungssysteme – Vergleich dreier Zündschutzarten

Druckfeste Kapselung Ex d (Flameproof) – Elektrische Betriebsmittel werden in einem robusten, druckfesten Gehäuse installiert (in der Regel Grau- oder Stahlguss, Wandstärke ≥10 mm). Das Gehäuse hält dem inneren Explosionsdruck stand, ohne beschädigt zu werden, und kühlt die austretenden Flammen über die Spaltflächen (Spaltbreite <0,2 mm, Spaltlänge ≥13 mm) so weit ab, dass eine Zündung der umgebenden Atmosphäre ausgeschlossen ist. Vorteile: keine externe Spülluftversorgung erforderlich, einfache Wartung. Nachteile: hohes Gehäusegewicht (das Ex-d-Gehäuse eines 200-kW-Frequenzumrichters kann 800–1.200 kg erreichen), eingeschränkte Wärmeableitung (Leistungsreduzierung um 30–50 % erforderlich), hohe Kosten (etwa das 3- bis 5-Fache herkömmlicher Geräte). Geeignet für kleine Steuerkästen und Sensoren.

Erhöhte Sicherheit Ex e (Increased Safety) – Durch vergrößerte Isolationsabstände (Kriechstrecke ≥10 mm, Luftstrecke ≥8 mm), erhöhte Schutzart (≥IP54) und begrenzte Temperaturerhöhung (10 K unter derjenigen herkömmlicher Geräte) wird sichergestellt, dass im Normalbetrieb keine Funken oder gefährlichen Übertemperaturen entstehen. Vorteile: geringere Kosten (ca. 60–70 % gegenüber Ex d), geringes Gewicht, gute Wärmeableitung. Nachteile: nur geeignet für Betriebsmittel, die im Normalbetrieb keine Funken erzeugen (z. B. Anschlussdosen, Klemmenleisten, Kurzschlussläufermotoren); nicht einsetzbar für Frequenzumrichter, SPS, Schütze und andere Geräte mit Schaltelementen. In Zone 1 ist Ex eb (hohe Zuverlässigkeit) erforderlich, in Zone 2 ist Ex ec zulässig.

Überdruckkapselung Ex p (Pressurized) – In einen dicht verschlossenen Schaltschrank wird kontinuierlich sauberes Schutzgas (Druckluft oder Inertgas) eingeleitet, um einen Überdruck von mindestens 50 Pa gegenüber der Umgebung aufrechtzuerhalten und das Eindringen explosionsfähiger Atmosphäre zu verhindern. Das Schutzgas muss gefiltert (Entfernung von Ölnebel und Partikeln, Konformität mit ISO 8573-1 Klasse 2), getrocknet (Taupunkt mindestens 10 °C unter Umgebungstemperatur) und hinsichtlich des Durchflusses überwacht werden. Der wesentliche Vorteil des Ex-p-Konzepts liegt darin, dass im Schaltschrank beliebige Standard-Industriebetriebsmittel (Frequenzumrichter, SPS, HMI, Relais usw.) installiert werden können, ohne dass jedes Einzelgerät eine eigene Explosionsschutz-Zertifizierung benötigt – der gesamte Schaltschrank fungiert als explosionsgeschütztes Gehäuse. Ein weiterer konstruktiver Vorteil des Ex-p-Konzepts ist die Wartungsfreundlichkeit: Bei Inspektions- oder Reparaturarbeiten an den Schaltschrankkomponenten (z. B. Austausch von Leistungsmodulen im Frequenzumrichter, Fehlersuche in der SPS) muss der Wartungstechniker keine schweren Ex-d-Abdeckplatten demontieren (eine einseitige Abdeckplatte kann 50–80 kg wiegen und erfordert 2–3 Personen). Stattdessen genügt ein Tastendruck auf „Wartungsmodus" am HMI – das System führt automatisch einen standardisierten Ablauf aus Spülung, Druckentlastung und Türfreigabe durch. Der gesamte Vorgang dauert etwa 3–5 Minuten, und die Schaltschranktür kann anschließend von einer einzelnen Person innerhalb von 30 Sekunden geöffnet werden. Dies ist in der salzhaltigen, feuchten Umgebung einer Offshore-Plattform von besonderer Bedeutung, da Ex-d-Spaltflächen nach dem Öffnen innerhalb von 30 Minuten wieder montiert werden müssen – andernfalls kann die Ablagerung von Salznebel die geforderte Spaltbreite beeinträchtigen. Das Ex-p-Konzept steigert Effizienz und Sicherheit von Wartungsarbeiten um ein Vielfaches. Dies ist die optimale Lösung für große elektrische Kran-Steuerungssysteme (Gesamtleistung >100 kW, mehr als 5 Schaltschränke).

Konstruktionsrichtlinien für Überdruck-Belüftungssysteme (Ex p)

Der konstruktive Kern eines Ex-p-Belüftungssystems ist die Gewährleistung einer „fünfstufigen Sicherheitslogik": ①Vorspülphase: Vor dem Einschalten der elektrischen Betriebsmittel wird der Schaltschrank mit einem Schutzgasvolumenstrom von mindestens dem 5-fachen Schrankvolumen gespült (die Spüldauer wird aus Schrankvolumen ÷ Spülvolumenstrom berechnet, mindestens 5-facher Luftwechsel), um eventuell vorhandene brennbare Gase auf unter 25 % der unteren Explosionsgrenze (UEG) zu verdünnen. Spülvolumenstrom und Druck werden über Blenden-Durchflussmesser und Differenzdrucksensoren erfasst; die Daten werden an eine Sicherheits-SPS übertragen. ②Druckaufbauphase: Nach Abschluss der Spülung wird das Einlassventil auf den Haltedurchfluss (ca. 1- bis 2-faches Leckagevolumen des Schranks) reduziert, um den Innendruck im Bereich von 50–200 Pa zu halten. ③Normalbetrieb: Der Differenzdrucksensor überwacht kontinuierlich die Druckdifferenz zwischen Schrankinnenraum und Umgebung. Bei Unterschreiten von 25 Pa wird ein Alarm ausgelöst (Hinweis auf Dichtungs- oder Versorgungsleitungsprüfung); bei Unterschreiten von 10 Pa wird nach einer Verzögerungszeit von 3 Sekunden die Hauptstromversorgung im Schrank automatisch abgeschaltet – dies ist die letzte Schutzbarriere. ④Druckentlastung: An der Schrankoberseite ist ein explosionsgeschütztes Druckentlastungsventil (Einstelldruck 300–500 Pa) installiert, um eine Beschädigung der Dichtungen durch Überdruck bei Störungen der Gasversorgung zu verhindern. ⑤Notabschaltung: Bei Auslösung des Plattform-ESD-Systems (Emergency Shutdown) empfängt die Ex-p-Steuerung ein potenzialfreies Signal, unterbricht sofort die Stromversorgung im Schrank und schließt das Magnetventil der Gaszufuhr (Trennung des Schrankinnenraums von der explosionsfähigen Außenatmosphäre).

Ex pSystemBauteilTechnische AnforderungenMarke/TypReferenz
SchutzgasquelleDruckluft ISO-Klasse 8573-1 Class 2Plattform-Gemeinschaftsversorgung oder separatDruckluftkompressor 7~10bar
Filter-Druckregelventil-Einheit5μmVorfilter+0.01μmFeinfilter+AktivkohleSMC AFBaureihe / Norgren Olympian
Blenden-DurchflussmesserMessbereich0~500L/min ±2%FSKobold DON / Endress+Hauser
DifferenzdrucktransmitterMessbereich0~500Pa ±1PaSetra 264 / Dwyer 616KD
SicherheitPLCSIL 2, Abtastzyklus<20msHIMA HIMax / Siemens S7-1500F
explosionsgeschütztDruckentlastungsventilEinstellung300Pa, Durchfluss≥2×GasversorgungFike / Elfab Sonderanfertigung
Explosionsschutzklasse Zone 1
Ga/Gb Ex db oder Ex eb
Explosionsschutzklasse Zone 2
Gc Ex ec oder Ex nA
Ex p Überdruckkapselung
ΔP≥50Pa 5-fache Spülung
Ex d Druckfeste Kapselung
Wandstärke≥10mm Spalt<0,2mm
Safety-PLC Reaktionszeit
<20ms SIL 2
Zertifizierungsdauer Ex-Schutz
ATEX: 8–16 Wochen IECEx: 6–12 Wochen

Kabel und Verdrahtung: Das unterschätzte Glied in der Ex-Schutzkette

Bei der explosionsgeschützten Konstruktion von Offshore-Plattformkranen werden die Kabelauswahl und die Verdrahtungsmethode häufig vernachlässigt – Statistiken zeigen jedoch, dass etwa 35 % der Ausfälle im Explosionsschutz auf eine unsachgemäße Installation der Kabeleinführungen (Cable Glands) zurückzuführen sind. Alle Kabel, die in Ex d- oder Ex e-Schränke geführt werden, müssen über zertifizierte, explosionsgeschützte Kabeleinführungen verlegt werden (Ex d muss die Anforderungen an druckfeste Kapselungen gemäß EN 60079-1 erfüllen, Ex e die Abdichtungsanforderungen gemäß EN 60079-7). Die Toleranz zwischen dem Kabelaußendurchmesser und dem Innendurchmesser des Dichtrings der Einführungsvorrichtung muss exakt passen – zu locker führt zu Undichtigkeiten, zu fest beschädigt den Kabelmantel. Die Schirmung bzw. der Bewehrungsdraht von Panzerkabeln muss an der Einführungsstelle zuverlässig geerdet werden (Erdungswiderstand < 4 Ω). Bei ungepanzerten Kabeln, die in einen Ex d-Schrank geführt werden, ist eine Mindestlänge von 3 m innerhalb der druckfesten Kapselung vor der Reihenklemme einzuhalten.

Alle Kabel müssen in schiffsbaulicher Ausführung, flammwidrig, halogenfrei und raucharm sein (FR-LSZH, Norm IEC 60092-359), mit einer Nennspannung von 0,6/1 kV und einem Arbeitstemperaturbereich von -40 °C bis +90 °C. Sie müssen die Bündelbrandprüfung nach IEC 60332-3-22 bestehen. Für die Motoranschlussleitungen vom Frequenzumrichter sind Kabel mit symmetrischem Schirmaufbau (3+3 Adern, Schirmabdeckung ≥ 85 %) zu verwenden, um die elektromagnetische Abstrahlung hochfrequenter Oberwellen zu unterdrücken und Störungen der Plattformkommunikationssysteme zu vermeiden.

Darüber hinaus ist der Unterschied zwischen der Komponentenzertifizierung und der Systemzertifizierung für explosionsgeschützte Geräte von besonderer Bedeutung. Ein Kran ist ein System, das zahlreiche explosionsgeschützte elektrische Bauteile umfasst (Motoren, Frequenzumrichter, Sensoren, Anschlusskästen, Leuchten, Melder). Es genügt nicht, dass nur die einzelnen Komponenten über ATEX/IECEx-Zertifikate verfügen. Die Klassifikationsgesellschaft wird vom Hersteller eine Konformitätserklärung für das Gesamtsystem verlangen, die von einer benannten Stelle ausgestellt wurde. Diese bestätigt, dass auch die Verbindungen zwischen den Komponenten (Kabel, Einführungsvorrichtungen, Potenzialausgleich) den Explosionsschutzanforderungen entsprechen.

Häufige Fragen zum Explosionsschutz

F: Ist die Explosionsschutzklasse für Offshore-Plattformkrane Zone 1 oder Zone 2? Wer legt das fest?

A: Das wird durch die Gefahrenbereichseinteilung (Hazardous Area Classification Drawing) des Projekts bestimmt. Diese Zeichnung wird von einem vom Projekt beauftragten Sicherheitsberatungsunternehmen (z. B. DNV GL, Lloyd's Register oder Bureau Veritas) auf Basis von CFD-Gasausbreitungsanalysen erstellt und nach Genehmigung durch den Plattformbetreiber und die Klassifikationsgesellschaft als Konstruktionsgrundlage verwendet. Über 90 % der Einbauorte für Krane auf Offshore-Plattformen können als Zone 2 nachgewiesen werden. Wenn die CFD-Analyse die Möglichkeit einer Zone-1-Einstufung nicht vollständig ausschließen kann (z. B. bei einem Abstand von < 10 m zur Bohrlochzone in Lee), muss die Konstruktion nach Zone 1 erfolgen.

F: Was ist auf einer Offshore-Plattform praktischer: ein Ex p-Abzugsschrank oder ein Ex d-Ex-Schutzschrank?

A: Für große elektrische Steuerungssysteme von Kranen (mit Frequenzumrichtern, SPS, HMI, EA-Modulen usw., typischerweise 5 bis 15 Schaltschränke) ist die Ex p-Überdruckbelüftung die praktikablere Lösung. Sie benötigt nur 1 bis 2 große Schränke (geschweißt und abgedichtet aus Kohlenstoffstahl oder Edelstahlblech) plus ein Druckluftversorgungssystem. Im Schrank kann handelsübliche Industrietechnik verbaut werden. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 40 % bis 60 % einer Lösung, bei der alle Schränke als Ex d-Druckfeste Kapselung ausgeführt sind. Zudem ist die Wärmeableitung besser und die Wartung einfacher (vor dem Öffnen der Schranktür muss nur der Druck abgelassen und die Spannung abgeschaltet werden, ohne schwere Druckfeste Deckel demontieren zu müssen). Für kleine, verteilte EA-Feldverteiler und Sensoren ist die Ex d-Druckfeste Kapselung wirtschaftlicher und praktischer. Empfohlene Lösung: Hauptschaltschrank mit Ex p, Feldgeräte und Anschlusskästen mit Ex d oder Ex e.

F: Sind ATEX- und IECEx-Zertifikate gegenseitig anerkannt? Was ist bei Export in die EU und in den Nahen Osten zu wählen?

A: Eine vollständige gegenseitige Anerkennung besteht nicht. Das ATEX-Zertifikat ist im EU-Recht nicht durch ein IECEx-Zertifikat ersetzbar (eine EU-Baumusterprüfbescheinigung ist zwingend erforderlich). Das IECEx-Zertifikat wird jedoch im Nahen Osten (z. B. bei ADNOC-, Saudi Aramco- oder QatarEnergy-Projekten) weitgehend akzeptiert, einige Betreiber verlangen es sogar ausdrücklich. Wenn der Kran sowohl in die EU als auch in den Nahen Osten geliefert werden soll, empfiehlt es sich, beide Zertifizierungen durchzuführen. Da die technischen Normen beider Systeme weitgehend harmonisiert sind (beide basieren auf der IEC-60079-Reihe), sind die Kosten (ca. 30 % bis 40 % Aufschlag) und die Dauer (ca. 12 bis 16 Wochen) für eine gleichzeitige ATEX- und IECEx-Zertifizierung deutlich geringer als zwei getrennte Verfahren.

F: Was passiert, wenn die Druckluftversorgung für das Ex p-System ausfällt? Wie ist die Sicherheitslogik?

A: Erkennt der Differenzdruckmessumformer einen Abfall des Schrankinnendrucks unter 25 Pa, löst die Sicherheits-SPS sofort einen akustischen und optischen Alarm aus (HMI-Anzeige „Schrankdruckverlust"). Das Bedienpersonal hat 15 Minuten Zeit, die Ursache zu ermitteln (typische Ursachen: Leckage in der Druckluftleitung, Ausfall des Druckluftkompressors, nicht vollständig geschlossene Schranktür). Fällt der Druck weiter unter 10 Pa, gibt die Sicherheits-SPS nach einer Verzögerung von 3 Sekunden ein potenzialfreies Signal aus, um den Hauptleistungsschalter der Schrankstromversorgung über den Unterspannungsauslöser abzuschalten und gleichzeitig das Magnetventil der Druckluftversorgung zu schließen – die elektrischen Betriebsmittel im Schrank werden vollständig spannungsfrei geschaltet und in einen sicheren Zustand versetzt. Der gesamte Prozess ist unabhängig von externer Kommunikation oder Bedienereingriff; die Sicherheits-SPS arbeitet eigenständig und erfüllt die Anforderungen der Sicherheits-Integritätsklasse SIL 2.

Kelude Schwerindustrie bietet für das explosionsgeschützte System von Offshore-Plattformkranen eine schlüsselfertige Projektplanung mit ATEX/IECEx-Doppelzertifizierung an – von der Gefahrenbereichseinteilung über die Auswahl der Explosionsschutzart bis hin zur Druckbelüftungsanlage. Detaillierte technische Lösungen erhalten Sie vom Engineering-Team.

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