Schiffskran Zertifizierung: CCS, DNV & ABS im Vergleich

Schiffskrane dürfen erst nach der Klasse- oder Zulassungsprüfung durch eine Klassifikationsgesellschaft an Bord eingesetzt werden. Die weltweit führenden Klassifikationsgesellschaften – CCS (China), DNV (Norwegen), ABS (USA), LR (Großbritannien) und BV (Frankreich) – ähneln sich in ihren Zertifizierungsabläufen grundsätzlich, unterscheiden sich jedoch erheblich in der Tiefe der Konstruktionsprüfung, den Anforderungen an die Materialrückverfolgbarkeit und dem Stichprobenumfang bei der zerstörungsfreien Prüfung (NDT). Diese Unterschiede wirken sich direkt auf die Zertifizierungsdauer und -kosten aus.

Auswahl von Offshore-Kranen

Die Zertifizierung durch eine Klassifikationsgesellschaft ist für Hersteller von Schiffskranen die erste Hürde für den Markteintritt in die Schifffahrts- und Offshore-Branche. Ein Kran ohne Klassenzertifikat gleicht einem Auto ohne CCC-Zertifizierung – egal wie fortschrittlich die Technik oder wie attraktiv der Preis ist, weder Reedereien noch Werften würden das Risiko eingehen, ein solches Gerät einzusetzen, da unzertifizierte Ausrüstung dazu führt, dass das gesamte Schiff die Klassenprüfung nicht besteht und kein Sicherheitszertifikat ausgestellt werden kann.

Die vergleichende Analyse der Zertifizierungsabläufe basiert auf den aktuellen Klassenvorschriften der jeweiligen Klassifikationsgesellschaften sowie den einheitlichen Anforderungen der IACS-UR-Serie. Als zugrunde liegende Konstruktionsnorm für die Krane dient die Norm DIN 15018.

Für chinesische Kranhersteller – insbesondere solche, die vom Land- in den Offshore-Bereich wechseln – ist der Zertifizierungsprozess der Klassifikationsgesellschaften jedoch oft die größte Wissenslücke: „Welche Klassifikationsgesellschaft soll man wählen?", „Ist CCS leichter zu bestehen als DNV?", „Wie viel kostet die Zertifizierung und wie lange dauert sie?" Dieser Artikel vergleicht systematisch die Zertifizierungsanforderungen der fünf großen Klassifikationsgesellschaften auf Basis der langjährigen praktischen Erfahrung von Kelude Schwerindustrie mit Schiffskranprojekten.

Marktanteile und Anwendungsszenarien der fünf großen Klassifikationsgesellschaften im globalen Schiffsmarkt

Die Wahl der Klassifikationsgesellschaft wird nicht einseitig vom Kranhersteller getroffen – die endgültige Entscheidung liegt beim Reeder, der die Klassifikationsgesellschaft im Schiffsbauvertrag festlegt (oder auf Vorschlag der Werft mit Zustimmung des Reeders). Dennoch hilft es Herstellern, die Marktverteilung der einzelnen Klassifikationsgesellschaften zu kennen, um ihre Zertifizierungsstrategie frühzeitig zu planen. DNV hält einen Anteil von rund 35 % am globalen Markt für Offshore-Plattformen und FPSOs (insbesondere in der Nordsee und vor Westafrika) und ist die bevorzugte Klassifikationsgesellschaft für Offshore-Plattformkrane. ABS ist im Golf von Mexiko, in Brasilien und im südostasiatischen Offshore-Markt ebenfalls stark vertreten. CCS ist die gesetzliche Klassifikationsgesellschaft für Schiffe unter chinesischer Flagge und deckt 100 % der Küsten- und Binnenschiffe in China ab. LR hat traditionell großen Einfluss in Großbritannien, Indien und im Nahen Osten. BV ist im französischen Westafrika und im Mittelmeer-Kreuzfahrtmarkt führend.

KlassifikationsgesellschaftWeltmarktanteilOffshore-KernregionenKranrelevantSpezifikationZertifizierungSchwierigkeitsgrad
DNV~18%Nordsee/Westafrika/Brasilien FPSODNV-ST-0378 strengste
ABS (britische Norm)~15%Golf von Mexiko/Südostasien/BrasilienABS (britische Norm) Lifting Guide
CCS~10%chinesische Flagge/Küstenhandel/Küstenfahrt《Klassifikation von StahlseeschiffenSpezifikation》
LR~12%Großbritannien/Indien/Naher OstenLR Lifting Code
BV~11%Frankreich/Westafrika/KreuzfahrtschiffBV NR 526

Zertifizierungsablauf im Überblick – von der Konstruktionsprüfung bis zur Zertifikatsausstellung

Obwohl die spezifischen Anforderungen der einzelnen Klassifikationsgesellschaften variieren, lässt sich der Zertifizierungsprozess in fünf Phasen gliedern. Phase 1: Konstruktionsprüfung (Design Review) – Der Hersteller reicht bei der Klassifikationsgesellschaft die vollständigen Konstruktionszeichnungen und Berechnungsunterlagen des Krans ein (einschließlich Übersichtszeichnung, Stahlkonstruktionspläne, Antriebsmechanikpläne, Hydraulikschaltplan, Stromlaufplan, Anordnung der Sicherheitseinrichtungen, Hauptkomponentenliste und technische Spezifikationen). Die Prüfingenieure der Klassifikationsgesellschaft kontrollieren Punkt für Punkt, ob die Konstruktion den Normanforderungen entspricht (z. B. prüft DNV die Netzdichte und Randbedingungen der FEM-Analyse der Stahlkonstruktion, CCS prüft die zulässigen Werkstoffspannungen und Sicherheitsfaktoren) und erstellen einen Kommentarbericht (Comment Sheet). Der Hersteller beantwortet die Kommentare und überarbeitet die Zeichnungen, bis alle Punkte geschlossen (Closed) sind.

Phase 2: Werkszulassung/Werkstoffzertifizierung (Factory Approval/Material Certification) – Die Klasseninspektoren besuchen das Fertigungswerk, um das Qualitätsmanagementsystem zu prüfen (in der Regel ist eine Zertifizierung nach ISO 9001 erforderlich; einige Klassifikationsgesellschaften wie DNV verlangen zusätzlich eine ISO 3834 – Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen), die Schmelzennachverfolgbarkeit der Rohmaterialien (Stahlblech, Schmiedeteile, Gussteile) sowie die EN-10204-3.1/3.2-Zertifikate zu auditieren, und die Schweißverfahrensprüfung (WPS/PQR) sowie die Schweißerqualifikationsprüfung (WPQ) zu bezeugen. Phase 3: Fertigungsüberwachung (Fabrication Surveillance) – Die Inspektoren besuchen das Werk regelmäßig (in der Regel 1–2 Mal pro Woche), um die kritischen Fertigungsschritte zu kontrollieren: Zuschnitt der Hauptstahlbleche, Schweißnahtvorbereitung, Vorwärmung (≥100 °C bei Blechdicke >30 mm), Dokumentation der Schweißparameter, Wärmenachbehandlung (PWHT, falls erforderlich) sowie zerstörungsfreie Schweißnahtprüfung (UT/MT/PT). Der Stichprobenumfang der zerstörungsfreien Prüfung ist der Bereich mit den größten Unterschieden zwischen den Klassifikationsgesellschaften – CCS verlangt in der Regel eine UT-Stichprobenprüfung von 20 %–30 % der kritischen Schweißnähte, während DNV und ABS 30 %–50 % fordern.

Typprüfung und Werksabnahmeprüfung – die wesentlichen Unterschiede zwischen den Klassifikationsgesellschaften

Phase 4: Typprüfung (Type Test) – Dies ist der kritischste Punkt der Zertifizierung und gleichzeitig der Bereich mit den größten Anforderungsunterschieden zwischen den Klassifikationsgesellschaften. Alle Klassifikationsgesellschaften verlangen eine Statische Belastungsprüfung (1,25-fache SWL, 10 min Haltezeit) und eine Dynamische Belastungsprüfung (1,1-fache SWL, vollständiger Bewegungszyklus mit Heben/Senken/Drehen/Wippen ≥3 Mal). Die Unterschiede liegen jedoch in folgenden Punkten:

PrüfungProjektCCSAnforderungDNVAnforderungABS (britische Norm)Anforderung
Statische Belastungsprüfung1.25×SWL 10min1.25×SWL 10min1.25×SWL 10min
Dynamische Belastungsprüfung1.1×SWL Vollhub1.1×SWL Vollhub1.1×SWL Vollhub
ÜberlastschutzPrüfung1.1×SWLAuslösung1.1×SWLAuslösung,tatsächlichen Wert bei Auslösung dokumentierenLast1.1×SWLAuslösung
BremsePrüfungLastSchweben5minkein AbsinkenLastSchweben10min,Absinkweg messen≤50mmLastSchweben5minkein Absinken
SicherheitseinrichtungFunktionstestjede Sicherheitsfunktion2Maljede Sicherheitsfunktion5Mal+FMEAVerifizierungjede Sicherheitsfunktion2Mal
NotbetätigungPrüfungHandpumpeeinmalige BetätigungHandpumpe3Mal+HydrospeicherFreigabe2MalHandpumpeeinmalige Betätigung

Phase 5: Zertifizierung und jährliche Inspektion. Nach bestandener Erstzertifizierung stellt die Klassifikationsgesellschaft ein Vollzertifikat mit einer Gültigkeitsdauer von 5 Jahren aus. Zur Aufrechterhaltung der Gültigkeit ist jedoch eine jährliche Inspektion erforderlich. Diese dauert in der Regel einen Tag (bei an Bord befindlichem Kran) und umfasst: Funktionstest der Bedienung, Prüfung der Sicherheitseinrichtungen, Sichtprüfung der Drahtseile, Messung des Bremsspiels sowie visuelle Strukturprüfung. Werden bei der Jahresinspektion Fehler festgestellt (z. B. Drahtseil hat die Ablegereife erreicht, Sicherheitseinrichtung versagt), stellt der Klassifikationsgutachter eine Condition of Class (CoC)-Mängelliste aus. Der Eigner muss die Mängel innerhalb einer festgelegten Frist (in der Regel 30–90 Tage) beheben und eine Nachprüfung beantragen, andernfalls droht die Aussetzung des Zertifikats.

Zertifizierungsdauer und Kostenschätzung

Der Zertifizierungsprozess umfasst fünf Phasen: Zeichnungsprüfung, Werksinspektion, Fertigungsüberwachung, Typprüfung und Zertifikatsausstellung. Vom Abschluss des Inspektionsvertrags bis zur Ausstellung des Vollzertifikats vergehen in der Regel 4–8 Monate. Die CCS weist mit 4–5 Monaten die kürzeste Dauer auf (Prüfingenieure und Gutachter sind chinesischer Nationalität, was die Kommunikation effizient macht). DNV und ABS benötigen in der Regel 6–8 Monate (bedingt durch ausländische Prüfingenieure, zweisprachige Zeichnungen in Chinesisch/Englisch sowie Zeitverschiebungen, die die Kommunikation erschweren).

Die Zertifizierungskosten setzen sich wie folgt zusammen (am Beispiel eines 50-t-Schiffskrans): ① Zeichnungsprüfungsgebühr: ¥3–810.000 (abhängig von Anzahl und Komplexität der Zeichnungen); ② Erstprüfungsgebühr für die Werkszulassung: ¥2–510.000 (inkl. Reisekosten); ③ Gebühr für die Fertigungsüberwachung: ¥5–1510.000 (hauptsächlich abhängig vom Standort des Werks und der Prüffrequenz, ca. 2× pro Woche × 3 Monate ≈ 20 Inspektionen × ¥2000–5000/Inspektion); ④ Gebühr für die Typprüfungszeugenschaft: ¥3–810.000 (inkl. Reisekosten des Gutachters und Kosten für das Prüfgegengewicht); ⑤ Zertifikatsgebühr: ¥1–310.000. Die Gesamtkosten belaufen sich auf ca. ¥14–3910.000. Diese Angaben gelten als Schätzung für inländische Werke. Bei Fertigung im Ausland oder bei grenzüberschreitender Inspektion durch ausländische Gutachter können sich die Kosten verdoppeln – maßgeblich ist der jeweilige Inspektionsvertrag.

KostenpositionCCSDNVKostenerläuterung
Zeichnungsprüfung¥3~510.000¥5~810.000abhängig von Anzahl und Komplexität der Zeichnungen
Werkszulassung¥2~310.000¥3~510.000inklusiveQualitätsmanagementsystemPrüfung
FertigungZwischenprüfung¥5~810.000¥8~1510.000abhängig vom Werksstandort undInspektionFrequenz
TypprüfungAbnahme¥3~510.000¥5~810.000inklusive Reisekosten des Klassifikationsingenieurs undGegengewichtKosten
Zertifikatsausstellung¥1~210.000¥2~310.000Klassenzertifikat(5Jahresgültigkeit)
jährlichInspektion(pro Jahr)¥0.5~110.000¥1~210.000pro VorgangInspektion1Tage
DNV-Anteil Offshore
~35 % erste Wahl Nordsee/FPSO
CCS-Schiffe unter chinesischer Flagge
100 % Abdeckung, erste Wahl für nationale Reeder
Gesamtdauer Zertifizierung
CCS: 4–5 Monate, DNV/ABS: 6–8 Monate
NDT-Stichprobenquote
CCS: 20 %–30 %, DNV/ABS: 30 %–50 %
Gesamtkosten Zertifizierung
€ 17.900–49.900, Referenz 50-t-Schiffskran
Gültigkeitsdauer Zertifikat
5 Jahre, mit jährlicher Inspektion

Typische Beanstandungen bei der Klassenzertifizierung und Lösungsstrategien

In langjähriger Praxis bei der Zertifizierung von Schiffskranen treten drei Beanstandungskategorien besonders häufig auf. Wer diese im Voraus kennt, kann die Genehmigungsphase erheblich verkürzen. Die erste Kategorie betrifft unrealistische Randbedingungen in FEM-Analysen: Prüfingenieure weisen regelmäßig darauf hin, dass die Modellrestriktionen nicht der Realität entsprechen (z. B. Vereinfachung der Schraubverbindung der Drehverbindung als starre Einspannung, obwohl eine elastische Lagerung vorliegt). Erforderlich sind dann die Ergänzung einer Federsteifigkeitsberechnung oder der Wechsel zu einer nichtlinearen Kontaktanalyse. Lösungsstrategie: Bereits in der ersten Fassung des FEM-Berichts konservative, aber realistische Randbedingungen annehmen und detailliert begründen. Die zweite Kategorie betrifft Sicherheitsfaktoren für zulässige Werkstoffspannungen, die nicht mit den Klassenvorschriften übereinstimmen. Die zulässigen Spannungswerte für denselben Werkstoff variieren je nach Klassengesellschaft (z. B. 0,67-fache Streckgrenze bei DNV, 0,60-fache bei CCS). Die direkte Einreichung von Werten nach nationaler Norm führt bei DNV zwangsläufig zur Rückweisung. Lösungsstrategie: Auf dem Deckblatt der Berechnung klar vermerken, dass die Berechnung nach DNV-ST-0378 erfolgt, und die Werte einzeln gegen die Normtabellen prüfen. Die dritte Kategorie ist das Fehlen eines FMEA-Berichts (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse). DNV und ABS fordern für sicherheitsrelevante Steuerungssysteme (wie Lastmomentbegrenzer, Bremssteuerung) eine FMEA-Analyse zur Identifikation aller Einzelfehler und deren Folgen. CCS verlangt dies nicht zwingend. Dieser Punkt wird von nationalen Herstellern bei der ersten DNV-Zertifizierung häufig übersehen.

Häufige Fragen zur Klassenzertifizierung

F: Kann ein Kran mit bestehendem CCS-Zertifikat nachträglich ein DNV-Zertifikat erhalten? Müssen alle Prüfungen wiederholt werden?

A: Eine Nachzertifizierung ist möglich, aber kein einfacher Umtausch. DNV akzeptiert einen Teil der bereits von CCS geprüften Zeichnungen (die Schließungsnachweise der CCS-Prüfkommentare sind beizufügen), prüft jedoch kritische Zeichnungen (insbesondere den strukturellen FEM-Bericht und den Hydraulikschaltplan) eigenständig. Die Anforderungen an Netzqualität und Randbedingungen sind bei DNV-Prüfern in der Regel strenger, was die erneute Einreichung einiger Analyseberichte erforderlich machen kann. Bei der Typprüfung kann DNV Ergebnisse teilweise anerkennen, wenn die letzte CCS-Prüfung nicht länger als 12 Monate zurückliegt und der Prüfbericht von einem CCS-Surveyor signiert wurde (z. B. Anerkennung der Lastdaten, aber Wiederholung des Funktionstests der Sicherheitseinrichtungen). Die endgültige Entscheidung liegt beim DNV-Projektleiter. Die Nachzertifizierung dauert in der Regel 3–5 Monate und kostet 50 %–70 % der Erstzertifizierung. Ist der Kran bereits an Bord installiert, kommen zusätzliche Kosten für die Schiffsbesichtigung durch den DNV-Surveyor hinzu.

F: Welche Klassengesellschaft sollte ein Hersteller von Schiffskranen für die erste Zertifizierung wählen?

A: Die Wahl hängt vom Zielmarkt ab. Bei Fokus auf nationale Küsten- und Binnenschifffahrt ist CCS die erste Wahl (kürzeste Dauer, geringste Kosten, keine Sprachbarriere). Bei konkreten Offshore-Projekten im Ausland (z. B. ADNOC im Nahen Osten oder Petronas in Südostasien) wird eine direkte DNV- oder ABS-Zertifizierung empfohlen. Viele internationale Ölgesellschaften (wie Shell, BP, TotalEnergies) schreiben in ihren Beschaffungsspezifikationen ausdrücklich „DNV- oder ABS-Zertifizierung" vor und akzeptieren CCS nicht als Ersatz. Bei ausreichendem Budget ist eine gleichzeitige CCS+DNV-Doppelzertifizierung sinnvoll. Die technischen Standards beider Systeme (basierend auf den IACS-Anforderungen) sind weitgehend harmonisiert. Die zusätzlichen Kosten für die parallele Beantragung betragen etwa 30 %–40 %, die zusätzliche Zeit etwa 2–3 Monate. Dies ist wirtschaftlicher als eine spätere Nachzertifizierung von CCS auf DNV.

F: Was passiert, wenn die jährliche Klasseninspektion abläuft? Kann das Zertifikat wiederhergestellt werden?

A: Eine jährliche Inspektion gilt als gültig, wenn sie innerhalb von 3 Monaten vor oder nach dem Jahrestag (Anniversary Date) durchgeführt wird. Wird dieses Zeitfenster überschritten, verfällt das Zertifikat nicht sofort. Die Klassengesellschaft gewährt eine Nachfrist (in der Regel 30–60 Tage), in der die Inspektion nachgeholt werden kann. Wird auch diese Frist versäumt (d. h. keine Inspektion innerhalb von 5 Monaten nach dem Jahrestag), wird das Zertifikat automatisch suspendiert. Während der Suspendierung darf der Kran nicht weiter betrieben werden, andernfalls droht der Entzug der gesamten Klassenbescheinigung des Schiffes. Zur Wiederherstellung des suspendierten Zertifikats sind die nachgeholte Jahresinspektion sowie eine zusätzliche umfassende Untersuchung (ähnlich einer vereinfachten Sonderprüfung) erforderlich. Die Kosten betragen etwa das 2- bis 3-fache einer regulären Jahresinspektion. Die Suspendierung wird dauerhaft in der Datenbank der Klassengesellschaft vermerkt und kann die technische Due Diligence bei späteren Schiffsverkäufen beeinträchtigen.

F: Ist eine erneute Zertifizierung erforderlich, wenn ein Schiffskran umgebaut oder nachgerüstet wird?

A: Das hängt vom Umfang der Umrüstung ab. Werden lediglich Verschleißteile desselben Typs ersetzt (z. B. Drahtseil, Reibbelag der Bremse, Dichtungen), genügt es, dies im Rahmen der Jahresinspektion dem Klassifikationsgutachter zu melden und zu dokumentieren – eine Neuzertifizierung ist nicht erforderlich. Liegt jedoch einer der folgenden Fälle vor, muss eine „Umbauprüfung“ (Alteration Survey) beantragt werden: ① Austausch des Hubwerks (Typänderung von Motor, Getriebe oder Trommel); ② Änderungen an der Stahlkonstruktion (z. B. Verlängerung des Auslegers, Erhöhung des Gegengewichts, Änderung des Typs der Drehverbindung); ③ Aufrüstung des elektrischen Steuerungssystems (z. B. Umstellung von Relaissteuerung auf SPS-Steuerung, Ergänzung einer Explosionsschutz-Zertifizierung). Die Umbauprüfung läuft ähnlich ab wie ein vereinfachtes Neuzertifizierungsverfahren: Einreichung der Umbauzeichnungen und Berechnungsunterlagen, Prüfung durch den Klassifikationsgutachter, Abnahme der Lastprüfung vor Ort, Aktualisierung des Zertifikats. Die Kosten für eine Umbauprüfung liegen bei ca. 30.000–80.000 EUR, die Dauer bei 4–8 Wochen. Nicht genehmigte Umbauten ohne Zustimmung der Klassifikationsgesellschaft gelten als schwerwiegender Verstoß und führen bei Entdeckung im Rahmen der Hafenstaatkontrolle (PSC) oder interner Prüfungen durch den Eigner unmittelbar zur Aussetzung des Zertifikats.

Kelude Schwerindustrie bietet für Schiffskran-Projekte Zertifizierungsberatung, Zeichnungsprüfung und Inspektionskoordination für alle Klassifikationsgesellschaften (CCS, DNV, ABS, LR, BV) an. Für ein individuelles Angebot wenden Sie sich bitte an unser technisches Team.

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