Hubwerk-Getriebe: Übersetzungsverhältnis & Auswahlberechnung
Bekannte Bedingungen: Nenntragfähigkeit 16 t, Hubgeschwindigkeit 5 m/min (0,083 m/s), Lastvielfaches m = 4, Trommeldurchmesser D = 500 mm, Motordrehzahl 960 rpm, Wirkungsgrad η = 0,85, Triebwerksgruppe A5.
Gesamtübersetzungsverhältnis bestimmen
Die Trommeldrehzahl ist der zentrale Parameter, der Motor und Drahtseil verbindet:
nTrommel = 60 · v · m / (π · D) = 60 × 0,083 × 4 / (3,14 × 0,5) = 19,1 rpm
Gesamtübersetzungsverhältnis:
igesamt = nMotor / nTrommel = 960 / 19,1 = 50,3 → gewählt i = 50
Es ist nicht sinnvoll, ein Sondergetriebe mit 50,3 zu bestellen – das Standardübersetzungsverhältnis 50 erfüllt die Anforderungen vollständig (Drehzahlabweichung nur 0,6 %, weit unter der zulässigen Toleranz von ±3 %). Die Getriebeeingangswelle ist direkt über eine Zahnkupplung mit dem Motor verbunden; auf Riemen- oder Kettentriebe wird verzichtet (Wirkungsgradverluste und zusätzliche Wartungspunkte entfallen).
Verteilung der drei Übersetzungsstufen nach dem Festigkeitsprinzip
Die Aufteilung des Übersetzungsverhältnisses bei einem dreistufigen Stirnradgetriebe beeinflusst direkt die Tragfähigkeitsverteilung und die Schmierbedingungen der einzelnen Zahnradstufen. Das Prinzip gleicher Festigkeit ist die bevorzugte Ingenieurslösung:
i1 ≈ 1,2 × i2 ≈ 1,4 × i3
Die schnelle Stufe erhält das größte Übersetzungsverhältnis (kleine Zahnräder, hohe Umfangsgeschwindigkeit, erschwerte Schmierfilmbildung – ein niedrigeres Verhältnis reduziert die Gleitgeschwindigkeit an den Zahnflanken), die langsame Stufe das kleinste (große Zahnräder, gute Schmierung, höhere Lastaufnahme). Die Zahnflankenpressung der einzelnen Stufen wird angeglichen, um vorzeitige Ermüdungsversagen einer Stufe zu vermeiden.
Mit i = 50 ergibt sich: i3 = x, i2 = 1,4x, i1 = 1,68x. Gleichung: 1,68x × 1,4x × x = 2,352x³ = 50 → x = 2,77. Gerundet:
| Stufenzahl | Übersetzungsverhältnis | kleinZahnradZähnezahl | GroßzahnradZähnezahl | Schrägungswinkel | Werkstoff/Härte |
|---|---|---|---|---|---|
| Schnelllaufstufe | 5.6 | 19 | 106 | 12° | 20CrMnTi HRC58~62 |
| Mittellaufstufe | 4.0 | 23 | 92 | 10° | 20CrMnTi HRC58~62 |
| Langsamlaufstufe | 3.17 | 30 | 95 | 8° | 20CrMnTi HRC58~62 |
Prüfung des Gesamtübersetzungsverhältnisses: 5,6 × 4,0 × 3,17 = 71,0 – das weicht deutlich von 50 ab. Die Ursache liegt in der „Rundung“: Die einzelnen Übersetzungsverhältnisse lassen sich nicht beliebig kombinieren, da jedes Verhältnis durch die Mindestzähnezahl des Ritzels (≥ 17, um Unterschnitt zu vermeiden) und die Maximalzähnezahl des Großzahnrads (≤ 120, um übermäßige Getriebeabmessungen zu verhindern) begrenzt ist. Korrigierte Ist-Werte: i₁ = 4,5 (Z₁ = 20, Z₂ = 90), i₂ = 3,55 (Z₁ = 20, Z₂ = 71), i₃ = 3,15 (Z₁ = 20, Z₂ = 63). Gesamtübersetzung i = 4,5 × 3,55 × 3,15 = 50,3. Nach der Korrektur sind die einzelnen Übersetzungsverhältnisse annähernd nach dem Kriterium gleicher Festigkeit verteilt.
Achsabstandsermittlung für die Getriebeauslegung
Der Achsabstand ist der bestimmende Parameter für die Außenabmessungen und die Tragfähigkeit des Getriebes. Die technische Näherungsformel lautet:
a ≥ 483 × (u ± 1) × ∛[ KT₁ / (φa · u · σHP²) ]
Am Beispiel der Schnelllaufstufe: u = 4,5, T₁ = 9550 × 22 / 960 = 219 N·m, K = 1,3 (Lastkoeffizient), φa = 0,35 (Zahnbreitenkoeffizient), σHP = 1250 MPa (zulässige Hertzsche Flankenpressung für einsatzgehärteten 20CrMnTi):
a₁ = 483 × 5,5 × ∛[1,3 × 219 / (0,35 × 4,5 × 1250²)] = 186 mm, auf 200 mm gerundet
Analog dazu: a₂ = 260 mm (auf 280 mm gerundet), a₃ = 380 mm (auf 400 mm gerundet). Die stufenweise Zunahme des Achsabstands spiegelt die physikalische Gesetzmäßigkeit der Drehmomentverstärkung über die Getriebestufen wider.
Thermische Leistungsprüfung: Die oft übersehene Auslegungsgrenze
Die bei der Verzahnung und in den Lagern erzeugte Wärme muss sicher abgeführt werden. Andernfalls steigt die Öltemperatur, die Viskosität des Schmieröls sinkt, der Schmierfilm reißt und es kommt zum Zahnflankenverschleiß (Fressen). Das Kriterium für die thermische Leistungsprüfung lautet:
PG ≥ Ps × f₁ × f₂ × f₃
Hierbei ist PG die thermische Grenzleistung laut Getriebekatalog (zulässige Dauerleistung bei bestimmter Ölwannentemperatur und Kühlbedingungen), f₁ der Umgebungstemperaturkoeffizient (1,1 bei 40 °C), f₂ der Lastspielkoeffizient (1,0 bei JC 40 %), f₃ der Kühlungsartkoeffizient (1,0 bei natürlicher Kühlung, 0,7 bei Ventilatorkühlung).
PG ≥ 15,4 × 1,1 × 1,0 × 1,0 = 17,0 kW
Die Prüfung anhand des Katalogs für das Getriebe QJR-D400-50-Ⅲ-C ergibt eine thermische Grenzleistung PG = 22 kW (bei einer Ölwannentemperatur von 85 °C und einer Umgebungstemperatur von 20 °C). Da 22 ≥ 17,0 kW, ist die thermische Prüfung bestanden. Bei einer Umgebungstemperatur von 45 °C (z. B. in einer tropischen Werkstatt) steigt f₁ auf 1,35, wodurch eine thermische Leistung von ≥ 20,8 kW erforderlich wird – 22 kW sind dann immer noch ausreichend, jedoch nahe an der Grenze (Sicherheitsmarge nur 5,5 %). In diesem Fall sollte der Einbau eines Ventilators oder die Wahl einer nächstgrößeren Getriebebaureihe in Betracht gezogen werden.
Festigkeitsnachweis der Abtriebswelle und Lagerlebensdauer
Die Abtriebswelle des Getriebes wird durch das Eigengewicht der Trommel und die Drahtseilkraft auf Biegung beansprucht. Der Festigkeitsnachweis erfolgt als kombinierte Biege- und Torsionsprüfung:
σe = √(M² + 0,75T²) / W ≤ [σ-1]
Die Abtriebswelle des QJR-D400 hat einen Durchmesser von φ110 mm, das Widerstandsmoment gegen Biegung beträgt W = πd³/32 = 130.700 mm³. Die Drahtseilkraft an der Trommel beträgt F = 157 kN, der Hebelarm ≈ 200 mm (Abstand vom Trommellagergehäuse zur Stirnseite der Abtriebswelle), das Biegemoment M = 31,4 kN·m, das Drehmoment T = 9550 × 15,4 / 19,1 = 7.700 N·m. Die Vergleichsspannung σe = 244 MPa ≤ [σ-1] = 275 MPa (zulässige Biegewechselfestigkeit für 40Cr vergütet, HB 250–280), der Festigkeitsnachweis ist erfüllt.
Als Lager der Abtriebswelle wird ein Pendelrollenlager 22220CA/W33 (φ100 × φ180 × 46) eingesetzt, mit einer dynamischen Tragzahl Cr = 365 kN. Die äquivalente dynamische Last beträgt P ≈ Fr = 78,5 kN (übernimmt die Hälfte der Seilkraft). Die Lebensdauer errechnet sich zu L10h = (Cr/P)10/3 × 10⁶ / (60n) = 27.200 h ≥ 25.000 h, womit die geforderte Lebensdauer für Hubwerklager erfüllt ist.
Zusammenfassung der Getriebeauswahl
| Parameter | Wert | Parameter | Wert |
|---|---|---|---|
| Getriebe Typ | QJR-D400-50-Ⅲ-C | Gesamtübersetzungsverhältnis 50 | |
| Übersetzungsverhältnis der Schnelllaufstufe 4,5 (20/90) | Übersetzungsverhältnis der Mittellaufstufe 3,55 (20/71) | ||
| Übersetzungsverhältnis der Langsamlaufstufe 3,15 (20/63) | Achsabstand a1/a2/a3 | 200/280/400mm | |
| ZahnradGenauigkeit | 7Schnelllaufstufe GB/T 10095 | AbtriebswelleDurchmesser | φ110mm |
| thermische Leistung 22 kW (85 °C Ölsumpf) | LagerLebensdauer | ≥27,200h | |
| Schmierungsart Tauchschmierung + N46# Getriebeöl | Einbauart | horizontale Fußmontage |
Drei häufige Fehlerquellen: ① Das Übersetzungsverhältnis wird gerundet, ohne die Gegenprobe zu rechnen – aus 50,3 wird 50, die Drehzahldifferenz von 0,6 % ist völlig unkritisch. Doch wenn die Abweichung bei anderen Parameterkombinationen ±3 % übersteigt, entspricht die Hubgeschwindigkeit nicht mehr der Auslegungsanforderung. ② Es wird nur die Zahnradfestigkeit, nicht aber die thermische Leistung geprüft – bei Triebwerksgruppe A5 ist die thermische Leistung oft das primäre Auslegungskriterium. Insbesondere bei natürlich gekühlten Getrieben in geschlossenen Werkstatthallen ist die Wärmeabfuhr schlecht; überschreitet die Öltemperatur 90 °C, halbiert sich die Lebensdauer des Schmieröls. ③ An der Abtriebswelle wird nur das Drehmoment, nicht aber das Biegemoment geprüft – die durch die Drahtseilzugkraft an der Trommel erzeugte Biegebelastung kann das Vier- bis Fünffache des Drehmoments erreichen. Die Vernachlässigung der kombinierten Biege-Torsions-Berechnung ist eine häufige Ursache für Abtriebswellenbrüche.
Häufige Fragen zur Getriebeauswahl
F: Übersetzungsverhältnis 50 oder 63 wählen?
A: 50 ist die erste Wahl – der tatsächliche Bedarf liegt bei 50,3. Mit 50 liegt man 0,6 % darunter, die Trommel dreht geringfügig schneller, die Hubgeschwindigkeit steigt von 5,0 m/min auf 5,03 m/min – völlig im Toleranzbereich. 63 wäre 26 % zu groß: Die Trommeldrehzahl sinkt auf 15,2 rpm, die Hubgeschwindigkeit auf 4,0 m/min – das Heben wird 20 % langsamer, dafür steigt das Abtriebsdrehmoment um 26 %, und sowohl Getriebe als auch Trommel können eine Baugröße kleiner gewählt werden. Der Wert 63 kommt nur dann in Betracht, wenn die Hubgeschwindigkeit unkritisch ist, aber extrem hohe Lasten bewegt werden müssen – etwa bei Kranen für die Generalüberholung in Kraftwerken.
F: Wann ist eine Zwangsschmierung erforderlich?
A: Zwei Auslöser: ① Die Umfangsgeschwindigkeit am Wälzkreis der Schnelllaufstufe übersteigt 12 m/s – dann kann die Spritzschmierung das Öl nicht mehr zuverlässig in den Eingriffsbereich fördern. ② Die thermische Leistungsprüfung schlägt fehl und eine Vergrößerung des Getriebes ist nicht möglich – eine Zwangsschmierung (Ölpumpe + Kühler) erhöht die thermische Leistung um 40 % bis 60 %. Im vorliegenden Fall beträgt die Umfangsgeschwindigkeit v = πdn/60000 = π × 57 × 960/60000 = 2,86 m/s < 12 m/s – Spritzschmierung ist völlig ausreichend.
F: Gehärtete (HRC58~62) oder weiche Zahnflanken (HB280~350)?
A: Für Kran-Hubwerke sind ausschließlich gehärtete Zahnflanken (20CrMnTi, einsatzgehärtet) zu wählen – die Tragfähigkeit ist das Drei- bis Vierfache weicher Zahnflanken (40Cr, vergütet). Bei gleicher Leistung reduzieren sich Volumen und Gewicht um 40 % bis 50 %. Weiche Zahnflanken sind nur für Hilfsantriebe mit niedriger Drehzahl, geringer Last und seltenem Anlauf geeignet. Der Preis für die gehärtete Variante: 20 % bis 30 % höhere Herstellkosten und keine Reparatur vor Ort – ein abgebrochener Zahn bedeutet Ersatzteil. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet ist die gehärtete Variante jedoch wirtschaftlicher: Lebensdauer ≥ 25.000 h gegenüber ≤ 10.000 h bei weichen Zahnflanken.
F: Wie hoch sind die Montagegenauigkeitsanforderungen bei mehrstufigen Getrieben?
A: Die Koaxialität zwischen Motorwelle und Getriebeeingangswelle muss ≤ 0,05 mm betragen (Prüfung mit Messuhr am Rundlauf der Außenfläche). Zwischen Getriebeabtriebswelle und Trommelwelle gilt ≤ 0,10 mm/1000 mm. Bei der Montage wird der Axialspalt zwischen den Kupplungshälften mit einer 0,02-mm-Fühlerlehre geprüft – über den gesamten Umfang von 360° darf die Spaltdifferenz 0,05 mm nicht überschreiten. Wird die Montagegenauigkeit nicht eingehalten, führt das zu Schrägverschleiß der Kupplung, einseitiger Lagerbelastung und schrägem Zahneingriff – mit erhöhter Geräuschentwicklung und drastisch verkürzter Lebensdauer. Zwei Stunden präzise Ausrichtung bei der Montage sparen später eine aufwendige Generalüberholung.
Normative Grundlage: DIN 15018 Krandesign-Norm, JB/T 8853-2015 Zylinderrad-Getriebe | Technische Abteilung