Eigenspannungen in Schweißnähten reduzieren: Wärmebehandlung

📋 Kernzusammenfassung

Nach dem Schweißen einer Stahlkonstruktion bleibt eine unsichtbare Kraft in der Schweißnaht zurück – die Schweißeigenspannung. Sie entsteht durch das behinderte Schrumpfen der Schweißnaht beim Abkühlen und bleibt zunächst unauffällig. Überlagert sie sich jedoch mit der Betriebsspannung beim Anschlagen, kann sie die Struktur zum Reißen bringen. Das Ziel der Wärmebehandlung zur Spannungsarmglühung ist es, diese Eigenspannung durch kontrolliertes Erwärmen und langsames Abkühlen abzubauen. Dieser Artikel erläutert, woher Eigenspannungen kommen und wie man sie gezielt reduziert.

📌 Kernlogik

Beim Schweißen werden Spannungen in der Struktur „eingeschlossen“, durch die Wärmebehandlung werden sie wieder „gelöst“.

Erwärmen auf Rekristallisationstemperatur, Halten der Temperatur und langsames Abkühlen – so werden die Eigenspannungen abgebaut.

Ist ein Hauptträger fertig geschweißt, wirkt die Naht glatt und die Struktur stabil. Doch in der Schweißnaht steckt eine unsichtbare Kraft – die Schweißeigenspannung.

Diese Kraft entsteht folgendermaßen: Beim Schweißen wird die Nahtzone auf hohe Temperatur erhitzt und schmilzt. Beim Abkühlen möchte das Schweißgut schrumpfen, doch der umgebende Grundwerkstoff hält dagegen – die Spannung wird in der Naht „eingeschlossen“. Diese Eigenspannung bleibt zunächst unauffällig, doch sobald sie sich mit der Betriebsspannung beim Anschlagen überlagert, kann sie die Struktur zum Reißen bringen.

Die Wärmebehandlung zur Spannungsarmglühen hat genau das Ziel: die eingeschlossene Spannung zu lösen. Im Folgenden wird die dahinterstehende Logik erläutert.

Ursprung der Schweißeigenspannung: behindertes Schrumpfen beim Abkühlen

Die Ursache der Eigenspannung liegt in der thermischen Ausdehnung und Kontraktion beim Schweißen.

Während des Schweißens wird die Nahtzone auf hohe Temperatur erhitzt; das Metall dehnt sich aus. Der umgebende, kältere Grundwerkstoff behindert diese Ausdehnung – das Schweißgut wird „gestaucht“.

Beim Abkühlen möchte das Schweißgut schrumpfen, doch der Grundwerkstoff hält erneut dagegen – das Schweißgut wird „gedehnt“. Diese Dehnung hinterlässt eine Zugspannung in der Naht: die Eigenspannung.

Die Höhe der Eigenspannung hängt vom Schweißverfahren, dem Einspannungsgrad und dem Werkstoff ab. Je stärker die Einspannung und je schneller die Abkühlung, desto höher die Eigenspannung. Die Norm ISO 23857 zu den Schweißqualitätsanforderungen für Kranstahlbau definiert entsprechende Anforderungen an die Qualitätskontrolle beim Schweißen.

Kran-Wärmebehandlung: Diagramm der sechs Elemente zur Spannungsarmglühung

Warum Eigenspannung gefährlich ist: Überlagerung mit Betriebsspannung

Die Gefahr der Eigenspannung liegt in ihrer Überlagerung mit der Betriebsspannung.

Beim Anschlagen mit dem Kran wird der Hauptträger auf Biegung beansprucht – das ist die Betriebsspannung. Ist in der Schweißnaht zusätzlich eine Eigenspannung vorhanden, überlagern sich beide Spannungen an derselben Stelle. Die lokale Spannung kann dann die Streckgrenze des Werkstoffs überschreiten.

Die Folge ist vorzeitige Ermüdung der Struktur und frühzeitige Rissbildung in der Schweißnaht. Viele Schweißrisse an Kränen haben ihren Ausgangspunkt genau an Stellen mit hoher Spannungskonzentration durch Eigenspannung.

Die Spannungsarmglühung ist daher kein optionaler Prozessschritt, sondern beseitigt die „innere Belastung“ der Struktur. So trägt die Betriebsspannung allein – ohne Überlagerung und ohne Überschreitung der zulässigen Grenzen. Kelude Schwerindustrie setzt die Spannungsarmglühung bei kritischen Schweißnähten als verbindlichen Prozessschritt ein.

Vorgehen beim Spannungsarmglühen: Erwärmen, Halten, langsames Kühlen

Die Wärmebehandlung zur Spannungsarmglühung folgt drei Schritten: Erwärmen, Halten, langsames Kühlen.

Beim Erwärmen wird das Bauteil auf eine definierte Temperatur gebracht, üblicherweise nahe der Rekristallisationstemperatur des Metalls. Bei dieser Temperatur relaxieren die inneren Spannungen im Werkstoff.

Beim Halten wird die Temperatur über einen bestimmten Zeitraum konstant gehalten, damit sich die Spannungen vollständig abbauen können.

Das langsame Kühlen verhindert den Aufbau neuer thermischer Spannungen. Eine zu schnelle Abkühlung würde neue Eigenspannungen erzeugen. Daher muss die Abkühlung nach der Spannungsarmglühung kontrolliert und langsam erfolgen.

Nach Abschluss dieser drei Schritte ist die Eigenspannung deutlich reduziert. Kelude Schwerindustrie legt Temperatur, Haltezeit und Abkühlgeschwindigkeit abhängig von Werkstoff und Wanddicke des Schweißbauteils fest. Die Norm DIN 15018 zur Krandimensionierungsnorm definiert Anforderungen an die Spannungsarmglühung.

Verfahren der Spannungsarmglühung: Ganzteil, lokal, Vibration

Für die Spannungsarmglühung stehen drei gängige Verfahren zur Verfügung.

Beim thermischen Spannungsarmglühen im Ganzen wird das gesamte Strukturbauteil in einem Ofen gleichmäßig erwärmt und langsam abgekühlt. Dieses Verfahren liefert die besten Ergebnisse, ist jedoch durch die Ofenabmessungen begrenzt – große Bauteile passen nicht hinein.

Bei der lokalen Wärmebehandlung wird nur der Bereich der Schweißnaht erwärmt und langsam abgekühlt. Dazu kommen Heizbänder oder Induktionserwärmung zum Einsatz. Dieses Verfahren eignet sich für große Bauteile, die nicht in den Ofen passen. Entscheidend ist die präzise Kontrolle des beheizten Bereichs und des Temperaturgradienten.

Beim Vibrationsspannungsarmglühen wird die Struktur über einen Erreger in Schwingung versetzt, wodurch die Spannungen durch mechanische Energie abgebaut werden. Dieses Verfahren benötigt keine Erwärmung und eignet sich für große Strukturen, ist jedoch weniger gründlich als das thermische Spannungsarmglühen.

Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach den Konstruktionsmaßen und den Spannungsanforderungen. Kelude Schwerindustrie führt die Spannungsarmglühung an kritischen Schweißnähten gemäß Spezifikation durch; bei großen Bauteilen kommen die lokale Wärmebehandlung oder das Vibrationsspannungsarmglühen zum Einsatz.

Häufige Fehler bei der Spannungsarmglühung

Der erste Fehler: erforderliche Spannungsarmglühung wird weggelassen. Kritische Schweißnähte, dicke Bleche und stark eingespannte Schweißverbindungen weisen hohe Eigenspannungen auf – ohne Spannungsarmglühung bleiben verborgene Schwachstellen zurück. Welche Schweißnähte behandelt werden müssen, ist in der Spezifikation festgelegt.

Der zweite Fehler: falsche Prozessparameter. Ist die Temperatur zu niedrig, die Haltezeit zu kurz oder die Abkühlung zu schnell, werden die Spannungen nicht vollständig abgebaut – die Behandlung bleibt wirkungslos. Temperatur, Zeit und Abkühlgeschwindigkeit müssen der Spezifikation entsprechen.

Der dritte Fehler: Spannungsarmglühung ohne anschließende Inspektion. Ob die Behandlung tatsächlich erfolgreich war, lässt sich nur durch eine Prüfung feststellen. Kelude Schwerindustrie führt nach der Spannungsarmglühung einen Spannungstest durch oder überprüft die Prozessdokumentation, um sicherzustellen, dass die Eigenspannung tatsächlich reduziert wurde.

Vergleich der drei Spannungsarmglühverfahren

← Tabelle seitlich wischen →
Verfahren Prinzip Wirkung Anwendung
GesamtspannungsarmglühenGesamterwärmung mit langsamer AbkühlungOptimalOfengängige Kleinteile
LokalWärmebehandlungSchweißnahtLokale ErwärmungGut geeignetLokale Behandlung großer BauteileSchweißnaht
VibrationsspannungsarmglühenVibrationEigenspannungsabbauSpannungMittelGroßStruktur

Schnellreferenz der Normenklauseln zur Wärmebehandlung und Spannungsarmglühen

← Tabelle seitlich wischen →
Norm Vertragskernpunkte Beziehung zur Spannungsarmglühung
ISO 23857SchweißqualitätsanforderungenSpannungsarmglühverfahrenAnforderungen
Norm DIN 15018KrandimensionierungsnormSpannungsarmglühbehandlungAnforderungen
GB/T 28264 — Sicherheitsüberwachungs- und ManagementsystemSicherheitsüberwachungDokumentationsnachweisNachweis der Spannungsarmglühdokumentation

Häufige Fragen zum Spannungsarmglühen

F: Welche Schweißnähte müssen spannungsarmgeglüht werden?

A: Dickwandige Schweißnähte, stark eingespannte Nähte und tragende Schweißnähte müssen spannungsarmgeglüht werden. Je dicker das Stahlblech und je stärker die Einspannung beim Schweißen, desto höher die Eigenspannung und desto dringender die Notwendigkeit einer Wärmebehandlung. Die tragenden Schweißnähte des Hauptträgers sowie Schweißnähte an kritischen Knoten müssen in der Regel spannungsarmgeglüht werden. Welche Nähte behandelt werden, richtet sich nach der Schweißspezifikation und den Konstruktionsanforderungen.

F: Was ist besser: Vibrationsspannungsarmglühen oder thermisches Spannungsarmglühen?

A: Das thermische Spannungsarmglühen (vollständig oder partiell) ist gründlicher und baut Eigenspannungen deutlich besser ab – es ist die erste Wahl. Das Vibrationsspannungsarmglühen eignet sich für große Konstruktionen, die nicht in den Ofen passen; es ist praktisch und kostengünstig, aber weniger effektiv als das thermische Verfahren. Entscheidend ist: thermisches Spannungsarmglühen für beste Ergebnisse, Vibrationsspannungsarmglühen für Flexibilität – die Auswahl erfolgt anhand der Konstruktionsmaße und der Spannungsanforderungen.

F: Wie lässt sich nach dem Spannungsarmglühen bestätigen, dass die Spannung tatsächlich abgebaut wurde?

A: Über Prozessdokumentation und Spannungstest. Temperatur, Haltezeit und Kühlgeschwindigkeit werden gemäß Prozessvorgabe dokumentiert, um die Einhaltung des Verfahrens sicherzustellen. An kritischen Stellen kann zusätzlich ein Spannungstest durchgeführt werden, um die tatsächliche Eigenspannung zu messen. Entscheidend ist die Kombination aus Prozessprüfung und Messung an kritischen Stellen – so wird bestätigt, dass die Spannung real abgebaut wurde und nicht nur pro forma behandelt wurde.

Das Spannungsarmglühen dient der Schweißqualität. Einen umfassenden Überblick bietet der Leitfaden zu Schweißverfahren und Schweißnahtqualität für Kran-Hauptträger (inkl. GB/T 5117).

Eigenspannungen in Schweißnähten sind unsichtbare innere Schäden. Kelude Schwerindustrie baut diese Spannungen mit dem Dreischritt-Verfahren aus Erwärmen, Halten und langsames Kühlen ab – so werden die inneren Verspannungen gelöst und die Struktur bleibt leistungsfähig, ohne von inneren Spannungen belastet zu werden.

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