ISO 23857 Schweißqualität für Kran-Stahlkonstruktionen

Normenübersicht: ISO 23857 „Krane – Schweißtechnische Anforderungen an Stahlkonstruktionen“ ist eine spezielle Schweißnorm, die 2022 vom ISO/TC 96 veröffentlicht wurde und ISO 7363 ablöst. Die Norm führt ein auf ISO 5817 basierendes Bewertungsgruppensystem für Schweißnahtqualität ein (Stufen B/C/D), definiert zulässige Fehlerarten und Größengrenzwerte für Schweißnähte unterschiedlicher Beanspruchungsklassen und ergänzt spezifische Anforderungen an das Schweißen von hochfesten Stählen (Streckgrenze ≥ 460 MPa).

Normenübersicht

Stahlkonstruktionen von Kranen entwickeln sich zunehmend in Richtung Hochfestigkeit und Leichtbauweise – Stähle der Güten Q460, Q550 und sogar Q690 werden bereits umfassend in den Auslegerstrukturen großer Portalkrane und Raupenkrane eingesetzt. Hochfeste Stähle weisen einen hohen Kohlenstoffäquivalentwert und eine ausgeprägte Kaltrissneigung auf, was deutlich höhere Anforderungen an die Schweißverfahren stellt. ISO 23857 ergänzt gegenüber der bisherigen ISO 7363 ein eigenes Kapitel zum Schweißen hochfester Stähle und verfeinert die Bewertungsmethodik für Schweißnahtqualitätsstufen – sie ist damit die aktuellste und umfassendste internationale Norm für das Schweißen von Kran-Stahlkonstruktionen.

Bewertungsgruppen für Schweißnähte (Stufen B/C/D)

ISO 23857 verweist auf ISO 5817 – Bewertungsgruppen für Schmelzschweißverbindungen und legt für Schweißnähte in Kran-Stahlkonstruktionen die drei Bewertungsgruppen B, C und D fest. Gruppe B (streng) gilt für Stumpfnähte am zugbeanspruchten Flansch des Hauptträgers sowie für Verbindungsnähte am Kopfträger, die Ermüdungslasten ausgesetzt sind – zulässig ist hier ein einzelner Porendurchmesser von ≤ 1,5 mm; Risse, mangelhafte Durchschweißung und Bindefehler sind nicht zulässig. Gruppe C (mittel) gilt für Stumpfnähte am Stegblech des Hauptträgers und für Auflagernähte – zulässig sind Oberflächenporen ≤ 2 mm und Einbrandkerben bis 0,5 mm Tiefe. Gruppe D (allgemein) gilt für Schweißnähte an nicht tragenden Konstruktionen wie Laufstegkonsolen – zulässig sind Einbrandkerben ≤ 1 mm und einzelne Poren ≤ 3 mm.

Gegenüber der bisherigen ISO 7363 wurden die Abnahmestufen von „A/B/C“ auf „B/C/D“ umgestellt, wodurch der Mindestabnahmestandard deutlich angehoben wurde – Fehler, die nach der alten Norm in Stufe C noch zulässig waren, werden in der neuen Fassung nicht mehr akzeptiert.

Spezifische Anforderungen an das Schweißen hochfester Stähle

ISO 23857 enthält ein neues Kapitel mit spezifischen Anforderungen an das Schweißen hochfester Stähle mit einer Streckgrenze ≥ 460 MPa. Der Kohlenstoffäquivalentwert CEV wird nach der IIW-Formel berechnet: CEV = C + Mn/6 + (Cr + Mo + V)/5 + (Ni + Cu)/15. Bei CEV ≥ 0,43 % ist vor dem Schweißen auf 100–150 °C vorzuwärmen, die Zwischenlagentemperatur ist zwischen 150 und 200 °C zu halten, und nach dem Schweißen ist das Bauteil bei 200–250 °C für 2 Stunden zu tempern und anschließend langsam abzukühlen, um Kaltrisse zu vermeiden.

Grundsätze der Schweißzusatzwerkstoffauswahl: ① Festeigkeitsmäßige Anpassung – die Streckgrenze des Schweißguts darf die Mindeststreckgrenze des Grundwerkstoffs nicht unterschreiten; für Stahl der Güte Q550 wird beispielsweise ein Schweißdraht mit einer Streckgrenze ≥ 550 MPa verwendet (AWS ER110S-1 oder ISO G 62 4 M21 Mn3NiCrMo). ② Niedriger Wasserstoffgehalt – der Diffusionswasserstoffgehalt darf 5 mL/100 g nicht überschreiten (Verwendung vakuumverpackter, niedrigwasserstoffhaltiger Zusatzwerkstoffe; Restmenge innerhalb von 4 Stunden nach Öffnen aufbrauchen). ③ Zähigkeitsmäßige Anpassung – Kerbschlagarbeit ≥ 47 J bei −20 °C, um den Anforderungen an Betriebsbedingungen von Kranen im Freien bei niedrigen Temperaturen gerecht zu werden.

Verschärfte Anforderungen an die Schweißverfahrensprüfung (WPQR)

ISO 23857 verlangt für die Schweißverfahrensprüfung hochfester Stähle zusätzliche Prüfungen: ① Härteprüfung – die maximale Härte in der Wärmeeinflusszone (WEZ) darf HV 350 nicht überschreiten (gemäß ISO 9015-1); eine zu hohe Härte deutet auf Kaltrissneigung und Gefügeversprödung hin. ② Zugversuch an Kreuzstoßverbindungen – zur Erkennung der Empfindlichkeit gegenüber Lamellenrissen; für T-Stöße mit einer Dicke ≥ 20 mm ist diese Prüfung verpflichtend. ③ CTOD-Bruchzähigkeitsprüfung – für Schweißnähte an Kran-Stahlkonstruktionen im Brücken- und Kernkraftbereich ist ein Prüfbericht mit einem CTOD-Wert ≥ 0,15 mm (−20 °C) vorzulegen.

Gültigkeitsbereich der Verfahrensprüfung: Die Dickenbereiche des Grundwerkstoffs richten sich nach ISO 15614-1. Bei einer Probeblechdicke t ≤ 25 mm deckt die Qualifizierung einen Bereich von 0,75 t bis 1,5 t ab. Eine Absenkung der Vorwärmtemperatur um mehr als 25 °C erfordert eine erneute Qualifizierung (strenger als die in ISO 7363 festgelegten 50 °C) – ein Beleg für die Empfindlichkeit hochfester Stähle gegenüber dem Temperaturfenster.

Technischer Fortschritt bei der zerstörungsfreien Prüfung

ISO 23857 empfiehlt für die zerstörungsfreie Prüfung durchgeschweißter Nähte an hochfesten Stählen den Einsatz der Phased-Array-Ultraschallprüfung (PAUT) anstelle der herkömmlichen Einkristall-Prüfkopftechnik. Vorteile von PAUT: Durch die sektorielle Abtastung unter mehreren Winkeln wird eine zweidimensionale Abbildung des Nahtquerschnitts erzielt, wodurch auch kleine, in unterschiedlichen Richtungen orientierte Fehler erkannt werden können. Die Erkennungsempfindlichkeit ist gegenüber der konventionellen UT um etwa 6 dB erhöht. Die Prüfergebnisse lassen sich digital speichern und dreidimensional rekonstruieren, was die Rückverfolgbarkeit und Trendanalyse erleichtert.

Für kritische Schweißnähte mit einer Blechdicke ≥ 60 mm schreibt ISO 23857 eine zweistufige Ultraschallprüfung vor: Die erste Prüfung erfolgt als Zwischenprüfung bei 50 % der Blechdicke (zur frühzeitigen Erkennung von Wurzelfehlern, um aufwendige Nacharbeit nach dem vollständigen Schweißen zu vermeiden); die zweite Prüfung wird als Endprüfung 48 Stunden nach Abschluss der Schweißarbeiten durchgeführt (zur Erfassung von Latenzrissen). Für beide Prüfungen sind formelle Prüfberichte zu erstellen.

StahlgüteStreckgrenze(MPa)CEVGrenzwertVorwärmtemperatur(℃)Schweißzusatzabstimmung
Q355B (≈S355JR)345≤0.43NeinVorwärmungER50-6
Q460460≥0.43100~150ER80S-G
Q550550≥0.48120~180ER110S-1

Häufige Fragen

F: ISO 23857 oder ISO 7363 – welche Norm gilt aktuell?

A: ISO 23857:2022 ersetzt ISO 7363:1986. Für neue Exportprojekte ist ISO 23857 maßgeblich. Läuft ein Altvertrag noch unter ausdrücklicher Bezugnahme auf ISO 7363, gilt die vertraglich vereinbarte Fassung. Die überarbeitete Ausgabe 2022 der chinesischen Norm GB 50661 (Schweißtechnik für Stahlkonstruktionen) hat einzelne Abnahmekriterien bereits an ISO 23857 angeglichen – die technischen Anforderungen konvergieren. Kelude Schwerindustrie fertigt die Stahlbau-Schweißnähte seiner Exportkrane bereits nach ISO 23857, Klasse B.

F: Welche Fehler treten beim Schweißen von hochfestem Stahl am häufigsten auf?

A: Kaltrisse (wasserstoffinduzierte Latenzrisse) sind das größte Risiko beim Schweißen hochfester Stähle. Vorbeugemaßnahmen: ① Wasserstoffquelle kontrollieren – niedrigwasserstoffhaltige Schweißzusätze verwenden, Öl, Rost und Feuchtigkeit an der Fugenfläche entfernen, vor dem Schweißen durch Vorwärmung entgasen; ② Abkühlgeschwindigkeit steuern – nach dem Schweißen isolieren und langsam abkühlen lassen, Zwangsbelüftung unter 200 °C ist verboten; ③ rechtzeitige Wasserstoffentgasung nach dem Schweißen – Bauteil unmittelbar nach dem Schweißen auf 250 °C erwärmen und 2–4 Stunden halten; ④ UT-Kontrolle nach 48 Stunden – Latenzrisse treten typischerweise 24–48 Stunden nach dem Schweißen auf, eine sofortige Erkennung kann Risse übersehen.

F: Warum neigen Stumpfnähte am Stegblech zu Fehlern?

A: Die Stumpfnaht am Stegblech ist beim Hauptträger die fehleranfälligste Verbindung. Gründe: ① Hohe Einspannung in Blechdickenrichtung – die Schrumpfspannung kann sich in Dickenrichtung nicht abbauen, was zu Lamellenrissen führen kann; ② Stegbleche sind mit 6–12 mm typischerweise dünnwandig – bei falscher Wärmeeinbringung drohen Durchbrand oder übermäßiger Schweißverzug. Prozesslösung: Schutzgasschweißen mit Feindraht (Φ1,2 mm) CO₂, Wärmeeinbringung auf 0,8–1,5 kJ/mm begrenzen; Fugenwinkel der Stumpfnaht 50°–60°, Steghöhe 1–2 mm; bei T-Stößen auf der Flanschseite zunächst eine Übergangslage auf die Stegblechfase auftragen, dann die Naht vollständig füllen.

F: Welche Zertifizierungen sind für den Export von Kranen in die EU erforderlich?

A: Für Stahlkonstruktionen von Kranen im EU-Export sind in der Regel drei Nachweise erforderlich: ① Zertifizierung nach ISO 3834 – Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen, Teil 2 (umfassende Qualitätsanforderungen), gleichwertig mit EN ISO 3834-2; ② Ausführung nach EN 1090-2 (Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken) in Ausführungsstufe EXC3 (entspricht ISO 23857, Klasse B); ③ CE-Kennzeichnung mit Konformitätserklärung nach EN 1090-1. Alle drei Nachweise sind verpflichtend: Der Betrieb benötigt die Systemzertifizierung nach ISO 3834-2, das Produkt die CE-Kennzeichnung nach EN 1090. Kelude Schwerindustrie verfügt über die Zertifizierung nach ISO 3834-2 (Zertifikatsnummer online bei SGS prüfbar).

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