ISO 4309:2017 Drahtseil-Aussonderkriterien für Krane

ISO 4309:2017 „Krane – Drahtseile – Wartung und Aussonderung“ ist die zentrale Norm für das Sicherheitsmanagement von Kran-Drahtseilen. Sie legt die Anforderungen an die tägliche Prüfung, regelmäßige Inspektion, Wartung sowie die Aussonderkriterien fest und deckt das Management über den gesamten Lebenszyklus von Drahtseilen in allen Kranarten ab.


Prüfarten und Inspektionsintervalle für Drahtseile

ISO 4309:2017 unterscheidet vier Prüfstufen: Die tägliche Prüfung erfolgt vor jeder Schicht durch das Bedienpersonal – dabei wird das gesamte Seil visuell auf äußere Schäden, Drahtbrüche, Verschleiß und ungewöhnliche Verformungen kontrolliert. Die regelmäßige Inspektion wird monatlich von geschultem Prüfpersonal durchgeführt – hierbei werden der Seildurchmesser mit einem Messschieber erfasst und mit einem Prüfgerät innere Drahtbrüche sowie Korrosion detektiert. Die umfassende Inspektion erfolgt jährlich durch einen zertifizierten Prüfer und beinhaltet zusätzlich die elektromagnetische Prüfung (EMT) als Gesamtbewertung. Darüber hinaus ist eine Sonderinspektion nach der Montage, nach einer Generalüberholung oder nach einem Überlastvorfall vorgeschrieben.

Besondere Aufmerksamkeit gilt folgenden Bereichen: dem Seilabschnitt im Kontakt mit der Seilrille (höchste Biegeermüdung und stärkster Verschleiß), der Befestigungsstelle an der Trommel (Spannungskonzentration an der Seilbefestigung) sowie dem Auflagebereich an der Ausgleichs-Seilrolle (Zone mit Biegeumkehr). Diese Stellen sollten am Seil markiert werden, um bei jeder Inspektion eine präzise Positionierung zu gewährleisten. Bei der täglichen Prüfung festgestellte Drahtbrüche, Korrosion und Verformungen sind im Prüfprotokoll zu dokumentieren; bei Überschreitung der Grenzwerte ist das Seil sofort außer Betrieb zu nehmen. Die Norm verlangt außerdem, dass der Betreiber ein Seilregister führt.


Schematische Darstellung der Normauslegung


Aussonderkriterien für Kran-Drahtseile

Die Norm definiert präzise Aussonderkriterien: Bei der Anzahl der Drahtbrüche gilt – über eine Schlaglänge (ca. 6- bis 7-facher Seildurchmesser) hinweg muss ein Kreuzschlagdrahtseil ausgesondert werden, wenn die Anzahl der Drahtbrüche 10 % der Gesamtdrahtzahl überschreitet; bei Gleichschlag liegt der Grenzwert bei 5 %. Drahtbrüche im Bereich der Seilrille und der Trommelrillen sind besonders kritisch – hier zählt jeder sichtbare Drahtbruch doppelt. Konzentrieren sich innerhalb eines lokalen Bereichs (innerhalb 1/3 des Seilumfangs) mindestens 3 Drahtbrüche, ist das Seil unter wöchentliche Überwachung zu stellen; bei 6 Drahtbrüchen ist es zwingend auszusondern.

Bei der Durchmesserverringerung gilt: Hat der tatsächliche Seildurchmesser infolge von Verschleiß oder Korrosion den Nenndurchmesser um mehr als 7 % unterschritten (gemessen im Bereich der Seilrille), ist das Seil auszusondern. Bei Verschleiß der Außendrähte führt eine Abnutzungstiefe von mehr als 40 % des Drahtdurchmessers zur Aussonderung. Bei Korrosion ist das Seil auszusondern, sobald deutliche Lochfraß- oder Rostabblätterungserscheinungen auftreten – unabhängig davon, ob gleichzeitig Drahtbrüche vorliegen. Jede Verformung wie Schlaufenbildung, Kinken, Quetschungen, Korb- oder Vogelkäfigbildung sowie freiliegender Seilkern erfordert die sofortige Außerbetriebnahme. Auch bei thermischer Schädigung – etwa durch Lichtbogeneinwirkung oder offene Flamme – ist der betroffene Seilabschnitt unverzüglich auszusondern.

Drahtbrüche – Kreuzschlag
>10 %
Drahtbrüche – Gleichschlag
>5 %
Durchmesserreduzierung
>7 %
Verschleißtiefe
>40 %
Inspektionsstufe
Stufe 3
Aufbewahrung
Lebenszyklus
VerschrottungskriteriumBeurteilungskriterienErkennungMethodePrüfintervall
sichtbarDrahtbruchwechselseitig>10%/gleichläufig>5%Sichtprüfung/Lupemonatlich
DurchmesserVerschleiß>7%NenndurchmesserMessschiebermonatlich
AußenlageVerschleiß>40%StahldrahtDurchmesserMessschieber/Sichtprüfungmonatlich
KorrosionNarbenbildung/KorrosionAbblätterungSichtprüfung/EMTvierteljährlich
VerformungSchlaufenbildung/Knotenbildung/QuetschungSichtprüfungpro Schicht
HitzeschadenLichtbogen/BrandeinwirkungSichtprüfungsofort

Wartung und Schmierung von Drahtseilen

Die Wartung des Drahtseils steht in direktem Zusammenhang mit seiner Lebensdauer. Das Schmierintervall richtet sich nach der Einsatzumgebung: In normaler Innenraumumgebung monatlich, bei staubgeschütztem Einsatz wöchentlich, im Freien bzw. in Meeresnähe alle zwei Wochen. Vor dem Schmieren sind Schmutz und alte Fettreste von der Seiloberfläche zu entfernen – hierfür sind spezielle Reinigungsmittel zu verwenden, keinesfalls Lösungsmittel wie Benzin. Das Schmiermittel muss dem vom Seilhersteller empfohlenen Typ entsprechen und wird im Tropf- oder Sprühverfahren gleichmäßig aufgetragen, sodass es in die Zwischenräume zwischen Litzen und Drähten eindringt.

Beim Schmieren ist darauf zu achten, dass kein Schmiermittel auf die Reibflächen der Bremse tropft – dies würde ein Durchrutschen der Bremse verursachen – und auch nicht auf die Schleifleitung bzw. Stromschiene gelangt, da dies die Stromübertragung beeinträchtigt. Die Lagerung des Drahtseils erfolgt in einem trockenen, gut belüfteten Lagerraum, geschützt vor korrosiven Substanzen. Bei längerer Lagerung ist das Seil alle 3 Monate neu zu schmieren. Beim Einbau ist darauf zu achten, dass das Seil nicht verdreht oder beschädigt wird und korrekt über Rollen und Trommel geführt wird. Die von Kelude empfohlenen Schmierintervalle und Schmierstofftypen sind im Produkthandbuch ausführlich dokumentiert.


Prüfaufzeichnungen und Rückverfolgbarkeit

Die vollständige Dokumentation der Seilprüfungen ist ein zentraler Bestandteil des Sicherheitsmanagements. Für jedes Drahtseil ist ein eigenes Wartungsunterlagen-Archiv anzulegen, das folgende Angaben enthält: Seilnummer, Typ und Spezifikation, Hersteller, Montagedatum sowie Anfangsdurchmesser und -länge. Jeder Prüfeintrag umfasst: Prüfdatum, Prüfer, Anzahl und Position der Drahtbrüche, Durchmessermessung, Einstufung des Verschleiß- und Korrosionsgrads, empfohlene Maßnahmen sowie das nächste Prüfdatum. Die Aufbewahrungsfrist der Aufzeichnungen erstreckt sich über die gesamte Lebensdauer des Seils – von der Montage bis zur Außerbetriebnahme.

Die Norm empfiehlt für kritische Drahtseile die Einführung einer RFID-basierten elektronischen Kennzeichnung. Der RFID-Tag wird am Seilende integriert und speichert sowohl die Basisdaten des Seils als auch sämtliche Prüfaufzeichnungen, wodurch eine digitale Rückverfolgbarkeit über den gesamten Lebenszyklus gewährleistet wird. Kelude bietet Kranbetreibern Unterstützung bei der Drahtseilauswahl, Montageanleitung sowie Schulungsdienst für die Prüfung an. Darüber hinaus wird die elektromagnetische Prüfung (EMT) von Drahtseilen gemäß ISO 4309:2017 angeboten.

AufzeichnungsartInhaltFrequenzAufbewahrungsfrist
MontageprotokollKennnummer/Typ/Datumbei MontageVerschrottung+6Monate
Tägliche PrüfungDrahtbruch/Verschleiß/Zustandpro SchichtMonatsübersicht
Wiederkehrende PrüfungDurchmesser/DrahtbruchStatistikmonatlich3Jahr
SchmierungDokumentationDatum/SchmierungMitteljedes MalLebensdauer
VerschrottungsnachweisUrsache/Datumbei Verschrottungdauerhaft

Häufige Fragen zur Drahtseilprüfung

F: Welche Prüfstufen sieht die ISO 4309:2017 für die Drahtseilinspektion vor?

A: Unterschieden werden die tägliche Prüfung (durch das Bedienpersonal vor jeder Schicht), die wiederkehrende Prüfung (monatlich durch Fachpersonal), die umfassende Inspektion (jährlich durch zertifizierte Prüfer, einschließlich elektromagnetischer Prüfung) sowie die Sonderinspektion (nach Montage, Generalüberholung oder Schadensfall). Umfang und Tiefe der einzelnen Prüfungen steigern sich stufenweise.

F: Ab welcher Durchmesserreduzierung muss ein Drahtseil ausgemustert werden?

A: Ein Drahtseil ist auszumustern, wenn die Durchmesserreduzierung mehr als 7 % des Nenndurchmessers beträgt (maßgeblich ist die Messung im Bereich der Seilrille). Auch ein Verschleiß der äußeren Drähte von mehr als 40 % des Drahtdurchmessers führt zur Ausmusterung. Zusätzlich sind Drahtbruch, Korrosion und Verformung in die Gesamtbewertung einzubeziehen.

F: Wie wird das Schmierintervall für Drahtseile festgelegt?

A: In Innenräumen ist eine monatliche Schmierung erforderlich, bei staubgeschütztem Einsatz wöchentlich und im Freien bzw. in Meeresnähe alle zwei Wochen. Vor dem Schmieren ist altes Fett zu entfernen. Es ist ein spezielles Drahtseilfett zu verwenden, das tropf- oder sprühweise gleichmäßig aufgetragen wird. Kelude bietet geeignete Schmierstoffe sowie technische Anleitung an.

F: Wie lange müssen Aufzeichnungen über Drahtseile aufbewahrt werden?

A: Mindestens sechs Monate über das Ende der Nutzungsdauer hinaus, also von der Montage bis zur Ausmusterung. Montageprotokoll und Ausmusterungsdokumentation sollten dauerhaft aufbewahrt werden. Empfohlen wird die Verwaltung der Lebenszyklusdaten eines Drahtseils über RFID-Etiketten. Die elektromagnetische Prüfung (EMT) gilt als zuverlässigste Methode zur Erkennung innerer Schäden.

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