FEM 9.850 Getriebe-Norm interpretiert

FEM 9.850 „Spezifikation für Getriebe“ ist eine zentrale technische Spezifikation im Kranbereich. Die Norm wurde vom europäischen Kranherstellerverband erarbeitet und dient als verbindliche Bemessungsgrundlage für die Berechnung von Krangetrieben. Sie basiert auf dem Festigkeitsberechnungsverfahren nach ISO 6336 und legt Anforderungen an Zahnradfestigkeit, Lebensdauer des Lagers, Steifigkeit des Gehäuses sowie die thermische Leistungsprüfung fest.

Die Norm bietet Konstrukteuren, Prüfstellen und Anwendern eine einheitliche technische Grundlage. Kelude Schwerindustrie hält die technischen Anforderungen dieser Norm in Produktentwicklung und Fertigungsprozess streng ein und gewährleistet so Konformität und Zuverlässigkeit der Anlagen.


Anwendungsbereich und Einordnung der Norm

FEM 9.850 „Spezifikation für Getriebe“ definiert die technischen Anforderungen und Sicherheitskennwerte für Krankonstruktionen und gilt für alle Arten von Hebezeugen mit einer Nenntragfähigkeit über 0,5 t. Die Norm umfasst nicht nur Konstruktion und Fertigung neuer Anlagen, sondern gibt auch klare technische Anleitung für Inspektion, Wartung und Umbau bestehender Einrichtungen. Als wesentlicher Bestandteil des Normensystems für Krane ist sie mit der Normenreihe EN 13001 – Norm für Kransicherheit sowie ISO 4309 – Norm für die Seilinspektion abgestimmt und bildet gemeinsam mit diesen ein geschlossenes technisches Regelwerk. Die darin festgelegten technischen Kennwerte und Sicherheitsfaktoren liefern Konstrukteuren eine eindeutige Bemessungsgrundlage und bieten Fremdprüfstellen quantifizierbare Beurteilungskriterien für Typprüfung und Werksabnahme.


Schematische Darstellung der Getriebespezifikation


Zentrale technische Kennwerte im Überblick

Gemäß den technischen Vorgaben von FEM 9.850 müssen Konstruktion und Fertigung von Getrieben eine Reihe strenger technischer Anforderungen erfüllen. Die Ermittlung dieser Parameter stützt sich auf umfangreiche Prüfdaten und sicherheitstechnische Grundsätze und deckt den gesamten Prozess von der Materialauswahl bis zur Konstruktion ab. Die in der Norm festgelegten Sicherheitsfaktoren berücksichtigen die Ermüdungslebensdauer und Grenzlastbedingungen von Hebezeugen unter anspruchsvollen Betriebsbedingungen. In der Ingenieurpraxis wählen Konstrukteure geeignete Parameterkombinationen in Abhängigkeit von Triebwerksgruppe, Lastkollektiv und Einsatzumgebung der Anlage. Die folgende Übersicht zeigt die zentralen technischen Kennwerte der Norm:

Sicherheitsfaktor Kontakt (SH)
≥1,25
Sicherheitsfaktor Biegung (SF)
≥1,50
Lebensdauer des Lagers
L10≥5000h
Wirkungsgrad
≥92 % (3-stufig)
Lärmgrenzwert
≤80 dB(A)
Abdichtung des Gehäuses
IP55

Vergleichsanalyse der zentralen technischen Parameter

Die folgende Vergleichstabelle stellt die von FEM 9.850 festgelegten Kernparameter systematisch den allgemeinen Erkenntnissen der Ingenieurpraxis gegenüber. Die angegebenen Werte entsprechen entweder verbindlichen oder empfohlenen Bestimmungen der Norm und sind bei Konstruktion und Auswahl sowie bei der Werksabnahme streng einzuhalten.

Positiontechnische AnforderungenBeschreibung
FlankenkontaktSH≥1.25(Norm ISO-Klasse 6336)inklusiveKv·KA·KHβGesamt-Koeffizient
ZahnfußbiegungSF≥1.50EinsatzhärtenHRC58~63,Eindringtiefe0.3~1.0mm
Lebensdauer des LagersL10h≥5000h(Nenn-)gemäßISO 281 — Dynamische Tragzahlen und nominelle Lebensdauer von WälzlagernBerechnung,90%Zuverlässigkeit
Wirkungsgrad≥92%(Stufe 3)/≥88%(Stufe 4)inkl. Planschverluste,Öltemperatur80℃Messung
Geräusch≤80dB(A)/Abstand1m5Mittelwert aus Messpunkten
GehäuseIP55StaubschutzStrahlwasserdichtAbdichtungAbtriebswelleDoppel-Wellendichtring,Statische Flächenabdichtung

Prüfanforderungen und Prüfintervalle

Die FEM 9.850 legt verbindliche Anforderungen an die Werksabnahme, Typprüfung und regelmäßige Inspektion von Getrieben fest. Die Werksabnahme ist im Herstellerwerk durch die Qualitätssicherungsabteilung für jedes Gerät einzeln durchzuführen. Jedes geprüfte Gerät muss mit einem ausführlichen Prüfbericht und einer Konformitätsbescheinigung dokumentiert sein. Das regelmäßige Prüfintervall für im Einsatz befindliche Anlagen richtet sich nach der Triebwerksgruppe und den Einsatzbedingungen und sollte zwölf Monate nicht überschreiten.

Positiontechnische AnforderungenBeschreibung
SchmierölÖlstand/Ölqualität/Öltemperaturwöchentliche Prüfung,pro500hÖlwechsel
ZahnradVerzahnungTragbild≥60%Zahnbreitehalbjährliche Gehäuseöffnungsprüfung
LagerZustandVibration/Temperatur/Geräuschvierteljährliche Schwingungsmessung,ZugabeGeschwindigkeit≥10m/s²Austausch
Abdichtung-verhaltenAbtriebswelle/Leckage an Dichtflächenmonatliche Prüfung,bei Leckage sofortiger AustauschWellendichtring

Anforderungen an sicheren Betrieb und Management

Bei der Umsetzung der FEM 9.850 nehmen der sichere Betrieb und die tägliche Verwaltung eine zentrale Stellung ein. Die Norm legt besonderen Wert auf die Qualifikation und Schulung des Bedienpersonals: Sämtliche Bediener müssen eine Fachschulung absolvieren und über die entsprechende Qualifikation verfügen, bevor sie eingesetzt werden dürfen. Der Betreiber ist verpflichtet, ein System zur Verwaltung von Geräteakten einzurichten, in dem Montage, Nutzung, Wartung und Prüfung der Anlagen lückenlos dokumentiert werden. Festgestellte Sicherheitsrisiken sind über das in der Norm vorgegebene Korrekturverfahren zu behandeln, damit die Anlagen jederzeit sicher und kontrollierbar bleiben. Darüber hinaus enthält die Norm einschränkende Anforderungen für den Einsatz der Anlagen unter extremen Betriebsbedingungen.

Häufige Fragen

F: Welche Anforderungen stellt FEM 9.850 an den Sicherheitsfaktor der Zahnräder?

A: Die Norm fordert einen Sicherheitsfaktor für die Zahnflankenpressung von SH ≥ 1,25 und für die Zahnfußbiegung von SF ≥ 1,50. Als Zahnradwerkstoff wird einsatzgehärteter legierter Stahl (20CrMnTi oder 17CrNiMo6) empfohlen, mit einer Zahnflankenhärte von HRC 58–63, einer Kernhärte von HRC 35–45 und einer wirksamen Einsatzhärtungstiefe von 0,15–1,0 mm je nach Modul. Die Getriebezahnräder von Kelude werden ausschließlich auf vollautomatischen Einsatzhärteanlagen gefertigt; die Sicherheitsfaktoren für Zahnflankenpressung und Zahnfußbiegung liegen durchweg über den Normvorgaben.

F: Welche Anforderungen gelten für die Lagerauswahl und die Lebensdauerberechnung des Getriebes?

A: Die Norm schreibt eine Nennlebensdauer L10h von mindestens 5.000 Stunden vor (bei Nennlast und 90 % Zuverlässigkeit). Für die Antriebswelle werden Kegelrollenlager oder Schrägkugellager empfohlen, für die Zwischen- und Abtriebswelle Rillenkugellager oder Zylinderrollenlager. Die Lagerluft ist nach Gruppe C3 zu wählen. Die Grenzdrehzahl der Lager der Hochgeschwindigkeitswelle muss mindestens das 1,2-Fache der maximalen Eingangsdrehzahl betragen. Es sind Lager der Marken SKF oder FAG einzusetzen; bei der Berechnung ist der Kaltstarteinfluss bei −20 °C zu berücksichtigen.

F: Welche Anforderungen gelten für Schmierung und Abdichtung des Getriebes?

A: Es wird Spritzschmierung eingesetzt, die Eintauchtiefe beträgt das 2- bis 3-Fache des Moduls. Als Schmieröl wird synthetisches Getriebeöl ISO VG 220 oder 320 empfohlen, mit einem Arbeitstemperaturbereich von −20 °C bis +80 °C. Der Ölstand und die Ölqualität sind wöchentlich zu prüfen, ein Ölwechsel erfolgt alle 500 h. Die Abtriebswelle ist mit einer doppelten Wellendichtring-Abdichtung ausgeführt, die statischen Dichtungsflächen des Gehäuses werden mit Dichtungsmasse abgedichtet. Der Entlüfter erfüllt die Staubschutzklasse IP55.

F: Welche Prüfungen umfasst die Typprüfung des Getriebes ab Werk?

A: Die Typprüfung umfasst den Leerlauftest (je 1 h in beiden Drehrichtungen mit Messung von Geräusch und Übertemperatur), den Wirkungsgradtest (≥ 92 %), den Temperaturtest (2 h unter Volllast, Öltemperatur ≤ 80 °C), den Dichtigkeitstest (Überdruck 0,3 bar / 30 min ohne Leckage) sowie den Geräuschtest (≤ 80 dB(A)). Jedes Getriebe wird vor Auslieferung einem Leerlauftest und einer Dichtigkeitsprüfung unterzogen.


— Spezialisiert auf Konstruktion und Fertigung von Kranen, halten unsere Produkte konsequent das Normensystem FEM 9.850 ein und bieten einen umfassenden Lebenszyklus-Service von der Konzeptplanung über Fertigung und Montage bis hin zu Kundendienst und Wartung. Bei Fragen zur konkreten Anwendung der Norm in unseren Produkten wenden Sie sich gerne an unser technisches Team für die ausführliche technische Dokumentation.

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