ISO 9927-6:2016 Prüfverfahren für Auslegerkrane
ISO 9927-6:2016 „Krane – Prüfungen – Teil 6: Prüfverfahren für Auslegerkrane“ ist die spezifische Norm für die Prüfung von Auslegerkranen. Sie legt die Inhalte, Methoden und Bewertungskriterien für die tägliche Prüfung, die wiederkehrende Prüfung, die umfassende Inspektion und die Sonderinspektion von Auslegerkranen, einschließlich Portalunterbau, Mast, Deck und Schwimmkranen, fest.
Inspektionsklassifizierung und tägliche Prüfung
Die Inspektion von Auslegerkranen ist in vier Stufen unterteilt: Die tägliche Prüfung wird vor jeder Schicht vom Bedienpersonal durchgeführt und umfasst die Sichtprüfung des Auslegers, der Wipp- und Hubdrahtseile, der Lastaufnahmemittel sowie der Endschalter und Lastmomentbegrenzer. Zusätzlich werden die Windmesser-Anzeige abgeglichen und der Schmierzustand der Drehverbindungsverzahnung kontrolliert. Der Zeitaufwand beträgt ca. 20–30 Minuten. Die wiederkehrende Prüfung erfolgt monatlich durch das Wartungspersonal und beinhaltet die Magnetpulverprüfung der Schweißnähte der Auslegerstruktur, eine detaillierte Überprüfung aller Antriebe sowie die Schmierung; hierfür ist etwa ein halber bis ganzer Tag einzuplanen. Die umfassende Inspektion wird jährlich von zertifizierten Inspektoren durchgeführt und umfasst zerstörungsfreie Prüfungen, Lastprüfungen sowie eine vollständige Kontrolle der Drehverbindung; der Aufwand beträgt ca. 2–3 Tage. Sonderinspektionen werden nach der Montage, nach einem Umbau, nach einem Unfall oder nach starkem Wind (≥ Stärke 8) bzw. einem Erdbeben durchgeführt und konzentrieren sich auf die eingehende Untersuchung der beschädigten Bereiche. Im Vergleich zu Brücken- und Portalkranen kommen bei Auslegerkranen spezifische Prüfpunkte wie die Stahlkonstruktion des Auslegers, die Drehverbindung und die Windverankerung hinzu.
Schwerpunkte der wiederkehrenden Prüfung
Die Magnetpulverprüfung der Schweißnähte der Auslegerstruktur wird mit einem Rissprüfgerät durchgeführt. Geprüft werden alle tragenden Schweißnähte im Bereich der Auslegerwurzel, der Wippgelenk-Laschen, der Drahtseil-Anschlagösen und der Abschnittsverbindungen des Auslegers. Vor der Prüfung muss die Oberfläche der Schweißnähte bis auf blankes Metall entlackt werden; der Abstand der Magnetpole darf 100 mm nicht überschreiten. Die Verformungsmessung der Auslegerstäbe erfolgt mit einem Theodoliten oder Tachymeter; die seitliche Durchbiegung des Auslegers darf 1/1000 nicht überschreiten. Bei der Prüfung der Drehverbindung wird auf ausreichende Schmierung der Verzahnung, Trockenlauf, Abblätterungen sowie das Anziehdrehmoment der Schrauben geachtet. Dieses muss gemäß Bemessungswert ±5 % nachgezogen werden; radiale und axiale Spiele sind nicht zulässig. Das Wippseil wird über die gesamte Länge an mehreren Stellen im Durchmesser gemessen; der Verschleiß darf 7 % nicht überschreiten. Bei den Bremsen darf die Dicke der Bremsbeläge 50 % der Originalstärke nicht unterschreiten. Die oberen und unteren Endschalter müssen zuverlässig auslösen. Der Verschleiß der Schienenklemmen-Maulbacken darf 0,5 mm nicht überschreiten. Bei der Zugseilprüfung wird die Durchbiegung in der Mitte gemessen; sie darf 2 %–3 % der Länge nicht überschreiten. Kelude Schwerindustrie verfügt über zertifizierte Inspektoren und eine vollständige Ausstattung an Prüfgeräten.
| Prüfstelle | Tägliche Kontrolle | monatliche Inspektion | Jährliche Prüfung | Prüfmittel |
|---|---|---|---|---|
| AuslegerStruktur | Sichtprüfung/Verformung | SchweißnahtMPI | UT+MPI | Rissprüfgerät |
| Wippseil | Drahtbruch/Schmierung | Durchmessermessung | EMT | Messschieber/EMT |
| Drehverbindung | Zahnflanke/Ungewöhnliches Geräusch | Spiel/SchraubeDrehmoment | Komplettdemontage | Fühlerlehre/Schraubenschlüssel |
| Wippwerk | Funktion | Bremse/Endschalter | UmfassendPrüfung | Dickenmessung/Belastung |
| Windverankerung | SchienenklemmeZustand | Greiferbacke/Seilspannung | VerankerungSeilspannungPrüfung | Fühlerlehre/Zugmesser |
Verwaltung der Prüfaufzeichnungen
Die Ergebnisse der täglichen Prüfung sowie etwaige Auffälligkeiten werden nach jeder Schicht im Betriebstagebuch dokumentiert und mindestens 3 Monate aufbewahrt. Die monatliche Inspektion umfasst die Schweißnahtprüfung, die Messung des Verschleißbetrags sowie die Funktionsprüfung; die Ergebnisse werden in standardisierter Form erfasst und mindestens 3 Jahre archiviert. Der Bericht zur jährlichen Prüfung enthält die Rohdaten der zerstörungsfreien Prüfung, die Prüfdaten der Lastprüfung sowie die Kalibrierdaten des Drehmoments und wird mindestens 3 Jahre über die Außerbetriebnahme des Krans hinaus aufbewahrt. Berichte über Sonderinspektionen werden mindestens 5 Jahre nach der Außerbetriebnahme archiviert. Empfohlen wird ein digitales Verwaltungssystem, das die Daten in Echtzeit auf eine Cloud-Plattform überträgt, automatisch an bevorstehende Prüftermine erinnert und durch Trendanalyse mehrerer Prüfzyklen eine frühzeitige Erkennung von Leistungsdämpfung ermöglicht. Kelude bietet für Auslegerkrane die jährliche Prüfung sowie Sonderinspektionen gemäß ISO 9927-6 an.
| Aufzeichnungsart | Intervall | Aufbewahrungsfrist | Form |
|---|---|---|---|
| Betriebstagebuch | Pro Schicht | ≥3Monate | Papierform/Elektronisch |
| monatliche InspektionBericht | Monatlich | ≥3Jahr | Tabelle+Foto |
| Jährliche PrüfungBericht | Jährlich | Verschrottung+3Jahr | PDF+Urdaten |
| Sonderbericht | Bei Bedarf | Verschrottung+5Jahr | Separater Ordner |
Häufige Fragen zum Auslegerkran
F: Welche Sonderprüfungen sind bei der täglichen Inspektion des Auslegerkrans erforderlich?
A: Sichtprüfung des Auslegers auf Verformung und Beulung, Sichtprüfung von Wippseil und Hubseil, Prüfung der Hakendrehbarkeit, Selbsttest des Lastmomentbegrenzers, Ablesen des Windmessers sowie Kontrolle der Zahnflanken der Drehverbindung. Die tägliche Inspektion dauert ca. 20–30 Minuten.
F: Worauf liegt der Schwerpunkt der monatlichen Inspektion?
A: MPI-Prüfung aller Schweißnähte am Ausleger (insbesondere sämtliche Schweißnähte im Bereich der Anschlagösen am Fußgelenk), Geradheit ≤ 1/1000, Spiel und Schrauben der Drehverbindung, Verschleiß des Wippseildurchmessers ≤ 7 % sowie Bremsbelagverschleiß ≤ 50 %.
F: Was umfasst die jährliche umfassende Inspektion?
A: Vollständige UT- und MPI-Prüfung, Lastprüfung bei 100 % und 110 %, Fünf-Punkt-Kalibrierung des Drehmomentbegrenzers mit ±5 % Abweichung sowie Demontage und Kontrolle der Drehverbindung alle 5 Jahre oder nach 10.000 Betriebsstunden. Die Prüfung wird vom Inspektor abgezeichnet.
F: Wann ist eine Sonderinspektion erforderlich?
A: Nach Montage oder Umbau, nach Überlast oder Kollision sowie nach starkem Wind ab Stärke 8 oder nach einem Erdbeben. Kelude bietet jährliche Prüfungen und Sonderinspektionen für Auslegerkrane an.