Turmkran Begriffe und Definitionen nach ISO 4306

DIN ISO 4306-3:1991 legt die Begriffe und Definitionen für Turmdrehkrane verbindlich fest. Die Norm definiert die fachsprachlichen Begriffe für Turmkrane – von Bauart und Strukturbauteilen über Mechanismussysteme und Sicherheitseinrichtungen bis hin zu Leistungsparametern – und entspricht inhaltlich ISO 4306-3:1991 (MOD).

DIN ISO 4306-3 ist der dritte Teil der Terminologienormenreihe für Krane und definiert die Begriffe speziell für Turmdrehkrane. Einheitliche Begriffe sind die Grundlage für Konstruktion, Fertigung, Montage und Betrieb von Turmkranen. Dieser Beitrag erläutert die zentralen Begriffe der Norm systematisch.

DIN ISO 4306-3 Turmkran-Terminologie


Normative Einordnung und Besonderheiten der Turmkran-Terminologie

DIN ISO 4306-3 ist der dritte Teil der Normenreihe DIN ISO 4306 „Krane – Terminologie“ und standardisiert die Begriffe speziell für Turmdrehkrane. Aufgrund ihrer charakteristischen Bauform – Turmmast, Ausleger, Ausgleichsarm, Turmkopf und Drehverbindung – verfügen Turmkrane über ein eigenständiges Terminologiesystem. Die Norm umfasst rund 150 Fachbegriffe, gegliedert nach: Gerätetyp, Strukturbauteile, Mechanismussysteme, Sicherheitseinrichtungen, Leistungsparameter, Montageeinrichtungen und Betriebsbegriffe. Eine präzise Terminologie ist für die eindeutige Verständigung in Konstruktion, Fertigung, Montage und Betrieb unerlässlich – so beeinflusst beispielsweise die exakte Definition von „freistehender Höhe“ und „Ankerhöhe“ direkt die Fundamentauslegung und die sichere Verwendung des Krans.

Begriffe der Kranbauarten

Die Norm definiert die Bauarten von Turmdrehkranen eindeutig: Turmdrehkran – ein Auslegerkran, dessen Ausleger am oberen Ende des Turmmastholms montiert ist und über das Drehwerk eine vollständige Drehung um 360° ermöglicht. Nach der Auslegerbauart wird unterschieden: Turmdrehkran mit Katzverstellung (Kurzform „Katz-Turmdrehkran“) – die Laufkatze verfährt entlang des Horizontalauslegers und verändert so die Ausladung; Turmdrehkran mit Wippausleger (Kurzform „Wipp-Turmdrehkran“) – die Ausladung wird durch Neigen des Auslegers verändert. Nach der Befestigungsart wird unterschieden: Schnellmontage-Turmdrehkran – der Kran kann mithilfe eigener Einrichtungen in kurzer Zeit auf- und abgebaut werden und wird meist auf einem Tieflader transportiert; verankerter Turmdrehkran – der Turmmast wird über Ankerstützen mit dem Bauwerk verbunden und erreicht so die erforderliche Bauhöhe; kletternder Turmdrehkran – der Kran ist im Aufzugsschacht oder einem eigenen Kletterschacht des Gebäudes installiert und klettert mit zunehmender Gebäudehöhe schrittweise nach oben.

Anzahl der Begriffe
ca. 150 Begriffe in 7 Kategorien
Katz-Turmdrehkran
Horizontalausleger + Katzverstellung – die häufigste Bauart
Wipp-Turmdrehkran
Ausladung über Neigung des Auslegers
Schnellmontage
Selbstmontage, Transport auf Tieflader
Verankerter Kran
Ankerstützen, Höhen über 300 m möglich
Kletterkran
Klettern im Schacht, wächst mit dem Gebäude

Begriffe der Strukturbauteile

Die Norm definiert die Begriffe der wichtigsten Strukturbauteile des Turmdrehkrans: Normsegment des Turmmastholms – das Grundelement des Turmmastholms, eine geschweißte Fachwerkkonstruktion (quadratischer Querschnitt, Gurtstäbe aus Winkelstahl oder Vierkantrohr), verbunden über hochfeste Schrauben oder Bolzen. Klettersegment – ein Spezialsegment zum Klettern und Einsetzen von Turmstücken, mit Klettertritten und Klettergreifern ausgestattet. Drehteil des Turmmastholms – der obere Teil des Turmmastholms oberhalb der Drehverbindung, der Ausleger und Ausgleichsarm verbindet und sich mit dem Oberwagen dreht. Turmkopf – das konische Strukturbauteil an der Turmspitze, das die Zugstangen von Ausleger und Ausgleichsarm aufnimmt und die Zugkräfte beider Bauteile trägt. Ausleger (Wippe) – der Horizontalausleger des Katz-Turmdrehkrans, eine Gitterkonstruktion mit Dreieck- oder Rechteckquerschnitt, über Zugstangen mit dem Turmkopf verbunden. Ausgleichsarm – das Stahlbauteil zur Aufnahme des Gegengewichts, das das Lastmoment ausbalanciert und deutlich kürzer als der Ausleger ist. Ballast – Beton- oder Gusseisenblöcke am Fuß des Turmmastholms zur Erhöhung der Gesamtstabilität des Krans.

Begriffe der Mechanismen und Sicherheitseinrichtungen

Die Norm definiert die Begriffe für Mechanismen und Sicherheitseinrichtungen des Turmdrehkrans: Hubwerk – das auf dem Ausgleichsarm montierte Antriebssystem für das Heben, bestehend aus Elektromotor, Getriebe, Trommel und Bremse. Drehwerk – die Kombination aus Drehantriebseinheit (Elektromotor + Getriebe + Ritzel) und Großzahnkranz, die den Oberwagen um 360° dreht. Wippwerk – entweder Katzverstellung (Seilwinde zieht die Laufkatze entlang des Auslegers) oder Wippeinrichtung (Hydraulikzylinder oder Seilwinde verändert die Auslegerneigung). Klettereinrichtung – hydraulisch angetriebener Mechanismus zum Klettern und Einsetzen von Turmstücken. Lastmomentbegrenzer – Sicherheitseinrichtung, die Lastmoment und Ausladung überwacht und Überlast verhindert. Hubbegrenzer – unterbricht die Hebe-Stromversorgung, wenn der Haken die höchste Position erreicht. Ausladungsbegrenzer – unterbricht die Stromversorgung des Wippwerks, wenn die Laufkatze das Auslegerende erreicht oder der Wippausleger den Grenzwinkel überschreitet. Windmesser – misst die aktuelle Windgeschwindigkeit und gibt bei Überschreitung des Grenzwerts ein Alarmsignal.

Begriffe der Leistungsparameter

Die Norm definiert die zentralen Leistungsparameter des Turmdrehkrans präzise: Nennlastmoment – das Produkt aus Tragfähigkeit und zugehöriger Ausladung (Einheit kN·m), der wichtigste Kenngrößenwert des Krans (z. B. bedeutet QTZ80 ein Nennlastmoment von 800 kN·m). Freistehende Höhe – die maximale Höhe des Krans ohne Ankerstützen. Maximale Ankerhöhe – die maximale Höhe mit Ankerstützen (bis zum 5- bis 10-fachen der freistehenden Höhe). Maximale Ausladung – die größte Arbeitsausladung des Auslegers (beim Katz-Turmdrehkran die Gesamtlänge des Auslegers). Tragfähigkeit an der Auslegerspitze – die Nenntragfähigkeit bei maximaler Ausladung. Maximale Tragfähigkeit – die höchste Nenntragfähigkeit im gesamten Ausladungsbereich. Freie Höhe (Schnellmontage-Turmdrehkran) – die maximale Höhe, in der sich der Kran ohne zusätzliche Abstützung selbst stabilisieren kann. Kelude Schwerindustrie verwendet in technischem Austausch, Produktdokumentation und Bediener-Schulung durchgängig die normgerechten Begriffe nach DIN ISO 4306-3, um eine reibungslose Kommunikation in der Branche zu gewährleisten.


Übersicht der Turmkran-Terminologie nach Kategorien

Die folgende Vergleichstabelle zeigt die wichtigsten Parameter und Konfigurationen der Turmkran-Terminologie im Überblick – eine praktische Referenz für Auswahl und Betrieb.

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TerminologiekategorieKernbegriffDefinitionsbeschreibungEnglische Entsprechung
TurmmastStrukturTurmmasthsegment/Ankerrahmen/KletterrahmenTurmmastHaupttragstruktur und Verbindungselementetower section
AuslegerHorizontalausleger/Wippausleger/Ausgleichsarmhängende LastTragstrukturjib/boom
SicherheitseinrichtungLastmomentbegrenzer/AuslegerwinkelbegrenzerÜberlastschutzeinrichtungsafety device
BetriebParameterLastmoment/Maximale AusladungLeistungskennwerteworking parameter

Häufige Fragen

F: Was bedeutet die Zahl 80 in der Typenbezeichnung „QTZ80“?
A: QTZ ist die Abkürzung für „Turmdrehkran mit Selbstmontage“ (Q-T-Z) im einheitlichen Typenbezeichnungssystem der Turmkran-Branche. Die Zahl 80 bezeichnet das Nennlastmoment des Krans von 800 kN·m (entspricht 80 t·m). Typische Parameter des QTZ80-Turmkrans: Tragfähigkeit an der maximalen Ausladung ca. 1,2 t (bei 50 m Ausladung), maximale Tragfähigkeit ca. 8 t (bei 2,5–15 m Ausladung), freistehende Höhe ca. 40 m, maximale Höhe mit Verankerung bis 200 m. Neuere Modelle werden nach DIN 15018 klassifiziert, die alte Typenbezeichnung ist jedoch weiterhin weit verbreitet.
F: Warum unterscheiden sich „freistehende Höhe“ und „Ankerhöhe“ bei Turmdrehkranen so stark?
A: Die freistehende Höhe bezeichnet die maximale Arbeitshöhe, die der Turmdrehkran allein über sein eigenes Fundament und die Turmmaststruktur stabil erreichen kann – ohne jegliche äußere Abstützung. In diesem Zustand wirkt das größte Biegemoment am Kranfuß, begrenzt durch den Querschnitt des Turmmasts und die Festigkeit der Hauptgurtstäbe. Am Beispiel des QTZ80 liegt die freistehende Höhe bei ca. 40 m. Die Ankerhöhe hingegen wird dadurch erreicht, dass der Turmmast über Ankerstützen in Abständen von 15 bis 25 m mit dem Gebäude verbunden wird. Dadurch verkürzt sich die rechnerische Knicklänge (freie Endlänge) des Masts erheblich, sodass der Kran deutlich größere Höhen erreichen kann – bis zum 5- bis 10-fachen der freistehenden Höhe (maximal 300 m+). Das Biegemoment am Kranfuß ist im verankerten Zustand deutlich geringer als bei freistehender Aufstellung, jedoch müssen die über die Ankerstützen eingeleiteten konzentrierten Kräfte von der Gebäudestruktur sicher aufgenommen werden – dies erfordert eine entsprechende strukturelle Sicherheit des Bauwerks.
F: Welche Vor- und Nachteile haben Turmdrehkrane mit Katzverstellung bzw. mit Wippausleger?
A: Turmdrehkran mit Katzverstellung (Horizontalausleger) – Vorteile: 1) Hohe Katzfahrgeschwindigkeit und einfache Bedienung; 2) Präzise einstellbare Ausladung (die Position der Laufkatze entspricht dem Arbeitsradius); 3) Die Last kann präzise in der horizontalen Ebene bewegt werden, ideal für die Montage von Fertigteilen; 4) Der Ausleger kann bei einigen Modellen geneigt werden, was Montage und Demontage erleichtert. Nachteile: 1) Große Windangriffsfläche des Auslegers bei starkem Wind; 2) Die Auslegerlänge ist fest vorgegeben, sodass der Arbeitsbereich bei beengten Platzverhältnissen nicht reduziert werden kann. Turmdrehkran mit Wippausleger – Vorteile: 1) Der Ausleger kann geneigt werden, wodurch die Windangriffsfläche reduziert und die Windstabilität erhöht wird; 2) Der Ausladungsbereich ist flexibel einstellbar (je größer der Neigungswinkel, desto kleiner die Ausladung); 3) Geeignet für den Kreuzbetrieb mehrerer Krane auf engem Raum. Nachteile: 1) Geringe Wippgeschwindigkeit; 2) Die vertikale Bewegung der Last nimmt mit dem Wippen zu (gleichzeitige Steuerung von Heben und Wippen erforderlich); 3) Hohe Anforderungen an die Bedienungstechnik. Im Hochhausbau werden beide Kranarten häufig in Verbindung verwendet.
F: Worin besteht der Unterschied zwischen „Klettern und Einsetzen von Turmstücken“ und „Innenklettern“?
A: Beim Klettern und Einsetzen von Turmstücken wird der obere Teil des Turmdrehkrans (der Bereich oberhalb der Drehwerk-Baugruppe) nach Erreichen der maximalen freistehenden Höhe mithilfe der Klettereinrichtung um die Höhe eines Turmmasthsegments angehoben. Anschließend wird ein Turmmasthsegment in den Zwischenraum zwischen Turmspitze und Drehwerk-Baugruppe eingeführt, verriegelt und damit die Turmhöhe erhöht. Dieser Vorgang findet außen am Kran statt; die Turmhöhe nimmt von außen sichtbar zu. Beim Innenklettern hingegen ist der Turmmast des Krans im Inneren des Gebäudes installiert – üblicherweise im Aufzugsschacht oder einem dafür vorgesehenen Schacht – und klettert mithilfe eines Kletterrahmens und hydraulischer Einrichtungen schrittweise nach oben. Beim Klettern werden keine zusätzlichen Turmmasthsegmente benötigt; die Gesamtlänge des Turmmasts bleibt unverändert, während er sich relativ zur Gebäudehöhe Stockwerk für Stockwerk anhebt. Vorteile des Innenkletterns: Es beansprucht keinen Außenraum und ermöglicht große Höhen ohne Ankerstützen. Nachteile: Montage und endgültige Demontage sind aufwändiger als bei extern aufgestellten Turmdrehkranen, da am Gebäudeende eine Anschlagöse für den Ausbau vorgesehen werden muss.

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