JB/T 10222 Seiltrommel für Elektrohebezeug – Normen und Anwendung

Die Norm JB/T 10222 „Seiltrommel des Elektroseilzugs“ legt die Bauformen, die Parameter der Seilrillen, die Berechnung der Wanddicke, die Werkstoffanforderungen sowie die Aussonderkriterien für Seiltrommeln von Elektrohebezeugen fest. Sie dient als technische Grundlage für Konstruktion, Fertigung und wiederkehrende Inspektion der Trommeln.

JB/T 10222 Seiltrommel des Elektroseilzugs Trommeltyp Spiralnut / Schrägnut D/d-Verhältnis ≥20 (Hebezeugtrommel) Rillenradius R 0,53–0,56d Teilung t d + (2–4) mm Werkstoff HT200 / QT450 / Schweißkonstruktion Wanddickenberechnung Gussteile ≥ 12 mm Rillentiefe ≥ 0,3d Normnummer JB/T 10222 Aussonderkriterien Wanddickenverschleiß ≥ 15 % Prüfung Sichtprüfung / Maßprüfung Oberflächenqualität Risse / Porosität unzulässig Anwendung Elektrohebezeug Hinweis Alle Angaben gemäß JB/T 10222 – Verbindlich ist die aktuelle Fassung der Norm.

Trommelprüfung und Wartung – Technische Anforderungen Hauptprüfpunkte Ultraschallprüfung 100% der Schweißnähte Durchstrahlungsprüfung (RT) Stichprobenartig Magnetpulverprüfung Endplatten-Kehlnaht Farbeindringprüfung Oberflächenrisse Bewertungskriterium Keine Anzeigen > 3 mm Bewertungskriterium Keine Risse oder Bindefehler Bewertungskriterium Keine Anzeigen > 2 mm Bewertungskriterium Keine linearen Anzeigen Aussonderungskriterien Seilrille Verschleiß ≥ 40% des Seildurchmessers Risse / Verformung Jegliche Risse oder bleibende Verformung Oberflächenrauheit Ra ≤ 6,3 μm Statisches Auswuchten Qualität G16 Klemmplatten-Schrauben Mindestens 2 Stück Seilabweiser / Bordkante ≥ 2-facher Drahtseildurchmesser Regelmäßige Inspektion Vierteljährlich
JB/T 10222 – Technische Norm für Komponenten von Elektrohebezeugen ```

Funktion der Trommel im Elektrohebezeug und Bauformen der Seilrillen

Die Trommel ist das zentrale Bauteil im Hubwerk eines Elektrohebezeugs, das das Drahtseil direkt aufnimmt und trägt. Die Drehbewegung des Motors wird über das Getriebe untersetzt und das Drehmoment erhöht, wodurch die Trommel angetrieben wird. Das Drahtseil wickelt sich dabei mehrlagig (oder einlagig) auf der Trommeloberfläche auf und ermöglicht so die Hub- und Senkbewegung des Hakens. Die Norm JB/T 10222 definiert umfassende technische Anforderungen an die Konstruktion, Materialauswahl, Seilrillenparameter und den Festigkeitsnachweis der Trommel. Sie dient als verbindliche Grundlage für den gesamten Lebenszyklus – von der Konstruktionszeichnung bis zur wiederkehrenden Prüfung im Betrieb.

Die Gestaltung der Seilrille hat direkten Einfluss auf die Lebensdauer des Drahtseils und die Ordnung des Seilaufbaus. Die Norm unterscheidet für Trommeln von Elektrohebezeugen zwei wesentliche Rillenformen: die Spiralnut (Standard) und die Schrägnut (Lebus-Profil). Die Spiralnut ist eine durchgehende, spiralförmige Vertiefung auf der Trommeloberfläche. Die Steigung beträgt t = d + (2–4) mm (d = Drahtseildurchmesser), der Rillenradius R = 0,53–0,56 d und die Tiefe h ≥ 0,3 d. Die Schrägnut (Lebus) integriert hingegen parallele und umlenkende Abschnitte in die Spiralnut, wodurch ein weicherer Übergang beim axialen Richtungswechsel des Seils entsteht. Dies reduziert Quetschungen und Verschleiß und ist besonders für mehrlagig gewickelte, größere Hebezeuge geeignet. An beiden Enden der Trommel müssen Seilabweiser (Bordkanten) angebracht sein, deren Höhe mindestens dem 2-fachen Drahtseildurchmesser entsprechen muss.


Bestimmung des Trommeldurchmessers und Abstimmung mit dem Drahtseil

Das Verhältnis des rechnerischen Trommeldurchmessers (Rillengrunddurchmesser plus Drahtseildurchmesser) zum Nenndurchmesser des Drahtseils (D/d) ist ein entscheidender Parameter für die Biege-Ermüdungslebensdauer des Seils. Gemäß JB/T 10222 und in Anlehnung an die Norm DIN 15018 (entspricht GB/T 3811) darf das D/d-Verhältnis für Trommeln von Elektrohebezeugen den Wert 20 nicht unterschreiten. Diese Anforderung liegt bewusst über dem Wert von D/d ≥ 18 für allgemeine Brückenkrane, da die Trommeldurchmesser bei Elektrohebezeugen in der Regel kleiner sind und das Drahtseil einer stärkeren Biegung ausgesetzt ist. Ein größeres D/d-Verhältnis kompensiert diese höhere Biegebeanspruchung. Für Hebezeuge mit großer Hubhöhe (> 30 m) wird ein Verhältnis von D/d ≥ 22,4 empfohlen, was der Auswahl nach ISO 4308 für die entsprechende Triebwerksgruppe entspricht und das Risiko von Biegeermüdung weiter reduziert.

Neben dem D/d-Verhältnis ist bei der Abstimmung von Seil und Trommel die Toleranz des Seildurchmessers zu berücksichtigen. Der tatsächliche Durchmesser des Drahtseils sollte im Bereich von +2 % bis +5 % über dem Nenndurchmesser liegen (gemäß GB/T 8918). Der Rillenradius R von 0,53 bis 0,56 d ist so gewählt, dass diese positive Toleranz aufgenommen wird. Ist der Radius zu klein ( 0,56 d), verringert sich die Kontaktfläche des Seils in der Rille, was zu erhöhter Kontaktspannung führt. Nach dem Auflegen eines neuen Drahtseils sollten mehrere Leerhübe durchgeführt werden, um den gleichmäßigen Aufbau des Seils auf der Trommel zu prüfen und ein Überspringen oder Überlappen der Windungen auszuschließen.


Berechnung der Wanddicke und Festigkeitsnachweis der Trommel

Die Dimensionierung der Trommelwanddicke muss den kombinierten Spannungen aus der Wickelpressung des Drahtseils, der Biegebeanspruchung und der Torsionsschubspannung standhalten. JB/T 10222 beschreibt zwei Berechnungsmethoden: Für gegossene Trommeln (Werkstoff HT200 Grauguss oder QT450-10 Sphäroguss) wird die Wanddicke zunächst nach der Erfahrungsformel δ = 0,02 D + (6–10) mm bestimmt, wobei die Mindestwanddicke 12 mm nicht unterschreiten darf. Für geschweißte Trommeln (Werkstoff Q235B (≈S235JR) oder Q345B (≈S355J2) Stahlblech) kann die Wanddicke das 0,8-fache einer vergleichbaren Gusstrommel betragen, jedoch ebenfalls nicht weniger als 10 mm. Nach der vorläufigen Festlegung der Wanddicke ist der rechnerische Nachweis der Pressung durch die Seilwicklung sowie der kombinierten Biege- und Torsionsspannung nach den im Anhang der Norm beschriebenen Verfahren zu führen.

Für Trommeln, die hohen Lasten ausgesetzt sind oder in sicherheitsrelevanten Anwendungen eingesetzt werden, empfiehlt die Norm eine detaillierte Spannungsanalyse mit der Finite-Elemente-Methode (FEM). Besondere Aufmerksamkeit gilt drei Spannungskonzentrationszonen: dem Übergangsradius am Rillengrund (maximale Pressung), der Schweißnaht zwischen Trommelkörper und Endplatte (bei geschweißten Trommeln) sowie der Umgebung der Bohrungen für die Klemmplatten-Schrauben zur Seilbefestigung. Bei geschweißten Trommeln sind die Längs- und Rundnähte des Trommelkörpers zu 100 % einer Ultraschallprüfung (gemäß GB/T 11345, Bewertungsgruppe II) oder einer Durchstrahlungsprüfung (RT) (gemäß GB/T 3323, Bewertungsgruppe III) zu unterziehen. Die Kehlnaht an den Endplatten ist mittels Magnetpulver- oder Farbeindringprüfung zu prüfen.


D/d-Verhältnis
≥ 20 (Hebezeug)
Rillenradius R
0,53–0,56 d
Rillentiefe h
≥ 0,3 d
Mindest-Wanddicke (Guss)
≥12mm
Seilrillentiefe
≥0,3d
Kragenhöhe
≥2d
Verschleißgrenze Wanddicke
≥15%

VerschrottungskriteriumBeurteilungskriterienPrüfverfahrenBehandlungsmaßnahme
WanddickeVerschleißVerschleißMaß≥OriginalWanddickedes15%Ultraschall-Dickenmessgerätsofortiger AustauschTrommel
SeilrilleVerschleißSeilrilleTiefenabnahme≥Drahtseildurchmesserdes40%Messschieber/LehreNacharbeit der Nut oder Austausch
Rissjegliche sichtbareRissSichtprüfung+MT/PTFehlerprüfungsofortiger AustauschTrommel
VerformungRundheitAbweichung≥0.5mmMessuhr/InnenmessuhrEntscheidung nach Bewertung
KorrosionKorrosionTiefe≥OriginalWanddicke10%Tiefenlehre/UltraschallBewertung nach Entrostung
KlemmplatteLockerungSchraubeVorspannkraftunter dem Konstruktionswert70%DrehmomentSchlüsselerneutBefestigungauf den vorgeschriebenen WertDrehmoment

Aussonderkriterien und wiederkehrende Prüfung von Seiltrommeln

Die Seiltrommel ist das direkt tragende Bauteil des Drahtseils. Ihr Versagen kann zu abnormalem Verschleiß des Drahtseils bis hin zu einem Bruch mit schwerwiegenden Folgen führen. Die Norm JB/T 10222 legt die Aussonderkriterien für Seiltrommeln eindeutig fest und gibt dem Betreiber eine klare Entscheidungsgrundlage für einen Austausch. Der Wanddickenverschleiß ist die häufigste Ausfallart der Trommel – die ständige Reibung und Pressung des Drahtseils in den Seilrillen vertieft diese zunehmend, wodurch der effektive Lastquerschnitt der Trommel reduziert wird. Die Norm schreibt vor, dass eine Trommel auszusondern ist, wenn der Wanddickenverschleiß 15 % der ursprünglichen Wanddicke erreicht.

Der Verschleiß der Seilrillen beeinflusst direkt den Betriebszustand des Drahtseils. Wenn die Rillentiefe durch Verschleiß um mehr als 40 % des Drahtseildurchmessers abnimmt (z. B. bei einer Trommel für ein φ10-mm-Drahtseil mit ursprünglich 3 mm Rillentiefe, die nach dem Verschleiß weniger als 1,8 mm beträgt), erhält das Drahtseil nicht mehr genügend seitliche Führung, was zu Seilspringen und Quetschverformungen führen kann. Liegt der Rillenverschleiß noch unterhalb der Aussondergrenze, kann die Rillenkontur durch Nacharbeiten wiederhergestellt werden. Die Wanddicke muss jedoch auch nach dem Nacharbeiten die Mindestanforderungen erfüllen. Bei in Betrieb befindlichen Trommeln ist vierteljährlich eine Wanddickenmessung und Sichtprüfung durchzuführen, mit besonderem Fokus auf den Rillenbereich und die Schweißnähte der Endplatten.


Häufige Fragen

F: Welches D/d-Verhältnis fordert JB/T 10222 für die Seiltrommel von Elektrohebezeugen und warum ist es höher als bei allgemeinen Brückenkranen?

A: Die Norm fordert für die Seiltrommel von Elektrohebezeugen ein Verhältnis von D/d ≥ 20, während für allgemeine Brückenkrane D/d ≥ 18 gilt. Der Grund liegt im typischerweise kleineren Trommeldurchmesser von Elektrohebezeugen (200–400 mm), was zu einer stärkeren Biegekrümmung des Drahtseils führt. Ein größeres D/d-Verhältnis reduziert die Biegespannung im Drahtseil und verlängert dessen Ermüdungslebensdauer. Für Hebezeuge mit großer Hubhöhe (> 30 m) wird ein Verhältnis von D/d ≥ 22,4 empfohlen.

F: Ab welchem Verschleißgrad der Seilrillen ist ein Austausch der Trommel nach JB/T 10222 erforderlich? Wie lässt sich dies vor Ort messen und beurteilen?

A: Die Norm schreibt vor, dass eine Trommel auszusondern ist, wenn die Rillentiefe um mehr als 40 % des Drahtseildurchmessers abgenommen hat oder der Wanddickenverschleiß 15 % der ursprünglichen Wanddicke überschreitet. Messverfahren vor Ort: Mit einem Messschieber wird der Abstand von der Rillenoberkante zum Außendurchmesser der Trommel gemessen und mit dem Ausgangswert verglichen. Alternativ kann eine Rillenlehre (eine nach der Standard-Rillenkontur gefertigte Stahlschablone) in die Rille eingelegt werden; die Passgenauigkeit wird mit einer Fühlerlehre geprüft. Für die Wanddickenmessung im Bereich des Rillengrunds ist ein Ultraschall-Dickenmessgerät zu bevorzugen.

F: Welche Unterschiede bestehen bei der Wanddickenberechnung zwischen gegossenen und geschweißten Seiltrommeln?

A: Gegossene Seiltrommeln bestehen üblicherweise aus HT200-Grauguss oder QT450-10-Sphäroguss. Die Wanddicke wird zunächst mit δ = 0,02D + (6–10) mm festgelegt, mindestens jedoch 12 mm. Geschweißte Seiltrommeln werden aus Q235B (≈S235JR) oder Q345B (≈S355J2) gefertigt; ihre Wanddicke kann das 0,8-Fache einer gegossenen Trommel betragen, mindestens jedoch 10 mm. Bei geschweißten Trommeln sind die Schweißnähte zu 100 % einer Fehlerprüfung (UT oder RT) zu unterziehen. Gegossene Trommeln dürfen keine Risse, Lunker oder andere Gießfehler aufweisen.

F: Welche technischen Punkte sind bei der Befestigung des Drahtseils mit Klemmplatten zu beachten? Wie lässt sich ein Austreten des Drahtseils von der Trommel verhindern?

A: Es sind mindestens zwei Klemmplatten zu verwenden. Das Anzugsdrehmoment der Klemmplattenschrauben richtet sich nach der Schraubengröße (z. B. ca. 40–50 N·m für M12-Schrauben). Die Klemmplatten müssen so angebracht sein, dass mindestens zwei Sicherheitswindungen des Drahtseils auf der Trommel verbleiben (diese Windungen tragen nicht, sondern dienen nur der Reibungssicherung). Im Normalbetrieb müssen mindestens drei Windungen des Drahtseils auf der Trommel verbleiben. Die Höhe der Seilabweiseborde an beiden Trommelenden muss mindestens das Zweifache des Drahtseildurchmessers betragen. Nach dem Austausch des Drahtseils sind mehrere Leerfahrten im Heben und Senken durchzuführen, um den festen Sitz der Klemmplattenschrauben zu überprüfen.

Dieser Artikel basiert auf der aktuellen Ausgabe der Norm JB/T 10222 „Seiltrommel des Elektroseilzugs“. Die Seiltrommeln von Kelude Schwerindustrie werden streng nach dieser Norm hinsichtlich Wanddicke konstruiert und in der Werksabnahme geprüft, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten.

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