Überhöhung des Hauptträgers messen: Prüfverfahren & Einstellung

Wie wird die Vorbiegung des Hauptträgers gemessen? Prüfverfahren und Einstelltechnik im Überblick. Die Vorbiegung des Hauptträgers ist ein entscheidender Kennwert für die Steifigkeit und Tragfähigkeit der Brückenkran-Konstruktion. Eine zu geringe Vorbiegung erhöht den Fahrwiderstand der Laufkatze, eine zu große Vorbiegung verstärkt die Spannungskonzentration an der Verbindung zwischen Hauptträger und Kopfträger. Die präzise Messung und Einstellung muss gemäß Norm DIN 15018 erfolgen.

Die Vorbiegung ist der zentrale technische Kennwert für die Strukturleistung des Hauptträgers eines Brückenkrans. Der im unbelasteten Zustand nach oben vorgebogene Konstruktions- und Fertigungswert des Hauptträgers bestimmt direkt, ob die elastische Durchbiegung in der Spannweitenmitte unter Nennlast innerhalb der zulässigen Sicherheitsgrenzen liegt. Eine zu geringe Vorbiegung führt zu übermäßiger Durchbiegung unter Last und erhöhtem Fahrwiderstand der Laufkatze; eine zu große Vorbiegung verstärkt die Spannungskonzentration an der Verbindung zwischen Hauptträger und Kopfträger. Kelude Schwerindustrie erläutert systematisch die ganzheitliche Prozesskontrolle der Hauptträger-Vorbiegung – von der Erkennung über die Einstelltechnik bis zur normativen Bewertung. Maßgeblich sind die Normen DIN 15018 (Kranbau) und ISO 4306 (Prüfvorschriften und -verfahren für Krane).

Konstruktionswert und Messprinzip der Vorbiegung

Konstruktionswert und Messprinzip der Vorbiegung

Gemäß DIN 15018 muss der Hauptträger eines Brückenkrans eine Vorbiegung in Spannweitenmitte aufweisen. Der Wert beträgt L/1000 bis L/700 (L = Spannweite). Für die Triebwerksgruppe A5 bis A6 gilt L/800, für A7 bis A8 gilt L/1000. Beispiel: Bei einem Kran mit 22,5 m Spannweite liegt der Konstruktionswert der Vorbiegung bei etwa 22 bis 32 mm. Die Vorbiegung verläuft von den beiden Hauptträgerenden zur Spannweitenmitte hin nach einer Parabel- oder quadratischen Kurve; der Maximalwert befindet sich in der Spannweitenmitte.

Die Messung erfolgt mit einem Präzisions-Nivelliergerät oder einem Lasernivelliergerät in Verbindung mit einem Stahlblech-Maßstab. Vorgehensweise: 1) Markieren Sie Messpunkte an beiden Hauptträgerenden (an der Verbindung zum Kopfträger) und in der Spannweitenmitte; entlang einer Hauptträgerseite werden zusätzliche Punkte bei L/4, L/2 und 3L/4 gesetzt. 2) Stellen Sie das Nivelliergerät auf dem Laufsteg des Krans auf (ca. 5 m vom Hauptträger entfernt), visieren Sie den Referenzpunkt an und messen Sie die Höhenunterschiede der einzelnen Markierungspunkte. 3) Berechnen Sie die vertikale Abweichung jedes Messpunkts relativ zur Verbindungslinie der beiden Endauflager: Ein positiver Wert bedeutet eine Vorbiegung (nach oben), ein negativer Wert eine Durchbiegung (nach unten). Die Messung sollte bevorzugt in den frühen Morgenstunden oder an bewölkten Tagen ohne Sonneneinstrahlung erfolgen, um Messfehler durch thermische Verformung infolge von Temperaturdifferenzen zwischen Ober- und Unterseite des Hauptträgers zu vermeiden. Nach der Messung einer Hauptträgerseite wird die andere Seite symmetrisch gemessen und der Mittelwert gebildet.

Spannweitem KonstruktionVorbiegungmm(L/800) statische LastDurchbiegungGrenzwertemm(L/700) zulässigRestverformungmm
16.521248
22.5283211
28.5364114
31.5394516

Bewertung der Vorbiegungsänderung vor und nach der statischen Belastungsprüfung

Gemäß DIN 15018 müssen Krane vor der Auslieferung und nach der Montage einer statischen Belastungsprüfung unterzogen werden, um die Tragsteifigkeit des Hauptträgers zu verifizieren. Das Prüfverfahren sieht vor, in der Mitte der Spannweite des Hauptträgers eine statische Last von 125 % der Nennlast anzuhängen, diese auf eine Höhe von 100–200 mm über dem Boden anzuheben und für 10 Minuten in dieser Position zu halten. Währenddessen wird die Durchbiegung in der Spannweitenmitte gemessen. Nach dem Entlasten wird die Restverformung erfasst. Die Abnahmekriterien sind: 1) Die statische Durchbiegung darf L/700 nicht überschreiten; 2) Die Restverformung nach dem Entlasten darf 0,5 ‰ L (d. h. L/2000) nicht überschreiten. Bei einer Spannweite von 22,5 m entspricht dies einer maximal zulässigen Restverformung von 11 mm. Beide Kennwerte müssen gleichzeitig erfüllt sein, damit die Prüfung als bestanden gilt.

Die Veränderung der Vorbiegung nach der statischen Belastungsprüfung ist der aussagekräftigste Indikator für die strukturelle Integrität des Hauptträgers. Kelude Schwerindustrie führt diese Prüfung vor der Auslieferung an jedem Kran individuell durch. Wenn die Vorbiegung nach dem Entlasten deutlich abnimmt (um mehr als 20 % des Bemessungswerts), deutet dies auf eine plastische Verformung der Schweißnähte oder des Grundmaterials hin, was eine umfassende Nachprüfung erforderlich macht. Falls nach dem Entlasten eine negative Vorbiegung (Durchbiegung in der Mitte) auftritt, liegt eine permanente strukturelle Schädigung des Hauptträgers vor, die eine Rücksendung zur Reparatur oder einen Austausch im Werk erforderlich macht.

Korrekturmethoden bei Vorbiegungsabweichungen

Bei einer Abweichung der Vorbiegung (zu gering oder zu groß) können folgende technische Maßnahmen zur Korrektur ergriffen werden:

1) Federplatten-Methode: Durch Hinzufügen oder Entfernen von Federplatten an der Schraubverbindung zwischen Hauptträger und Kopfträger lässt sich die Vorbiegung anpassen. Eine Änderung der Federplattendicke um 1 mm bewirkt eine Änderung der Vorbiegung um ca. 3–5 mm (abhängig von der Biegesteifigkeit des Hauptträgerquerschnitts und der Spannweite). Diese Methode eignet sich für Feinjustierungen bei Vorbiegungsabweichungen bis ±10 mm.

2) Vorspannanker-Methode: An beiden Seiten der unteren Abdeckplatte des Hauptträgers werden Ankerlager angeschweißt, hochfeste Vorspannanker montiert und eine Vorspannkraft aufgebracht. Durch die Einstellung der Vorspannkraft wird die Rückbiegung (Überhöhung) des Hauptträgers kontrolliert. Diese Methode eignet sich für mittlere Abweichungen, bei denen die Vorbiegung um 10–30 mm zu gering ist. Die erforderliche Vorspannkraft ist auf Basis der Hauptträgerquerschnittsparameter und der Spannweite zu berechnen und liegt in der Regel zwischen 100 und 200 kN.

3) Unterlegscheiben-Methode an den Verbindungsschrauben: An der Verbindungsfläche des Kopfträgerflansches werden oben dünnere Unterlegscheiben hinzugefügt und unten dünnere entfernt (oder umgekehrt). Die dadurch erzeugte Winkeländerung der Verbindungsfläche verändert die Vorbiegung des Hauptträgers. Ein Dickenunterschied der Unterlegscheiben von 1 mm ermöglicht eine Vorbiegungsänderung von ca. 2–4 mm. Diese Methode ist einfach in der Handhabung, jedoch im Einstellbereich begrenzt.

Vor und nach jeder Korrekturmaßnahme müssen die Vorbiegungsdaten gemessen und dokumentiert werden. Nach Abschluss der Anpassung ist die statische Belastungsprüfung erneut durchzuführen, um die Wirksamkeit zu verifizieren.

Neuerungen in der überarbeiteten Norm

Die überarbeitete Norm DIN 15018 enthält hinsichtlich der Vorbiegungsanforderungen wesentliche Änderungen: 1) Einführung eines bemessungsbasierten Verfahrens für die Vorbiegung auf Grundlage der tatsächlichen Spannungsniveaus im Hauptträger als Ersatz für empirische Formeln; 2) Verschärfung der Durchbiegungsgrenzwerte für Krane der höheren Triebwerksgruppen A7 bis A8 (Anpassung von L/700 auf L/1000); 3) Ergänzung von Anwendungshinweisen zur Finite-Elemente-Methode bei der Vorbiegungsberechnung. Konstrukteure und Prüfpersonal sollten die Änderungen der neuen Norm beachten und bei der Montageabnahme nach dem aktualisierten Standard verfahren.

Dieser Fachbeitrag ist ein Kernbestandteil der Serie Kranmontage, Inbetriebnahme und Abnahme – Der vollständige Leitfaden. Informationen zu den nächsten Schritten der Montage und Inbetriebnahme finden Sie im Beitrag Spurweiten- und Spannweitenanpassung der Kranbrücke: Toleranznormen, Diagonalprüfung und Radschräglauf in der Praxis.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Warum wird die Vorbiegungsmessung in den frühen Morgenstunden oder an bewölkten Tagen durchgeführt?

A: Durch Sonneneinstrahlung kann die Temperaturdifferenz zwischen der oberen und unteren Abdeckplatte des Hauptträgers 10–15 °C erreichen, was zu thermisch bedingten Biegeverformungen führt und die gemessene Vorbiegung um 5–10 mm zu groß erscheinen lässt – ein möglicher Fehlinterpretationsfaktor. Kelude Schwerindustrie hält bei der Vorbiegungsmessung strikt die Bedingung ein, dass die Messung vor Sonnenaufgang oder an bewölkten Tagen erfolgt und die Temperaturdifferenz zwischen den Hauptträgerbereichen 3 °C nicht überschreitet. Die Messung erfolgt mit einem Präzisions-Nivelliergerät in Verbindung mit einem Stahlmaßstab, um zuverlässige und aussagekräftige Daten zu gewährleisten.

F: Hat sich die Haltedauer bei der statischen Belastungsprüfung mit 125 % Last geändert?

A: Die Norm DIN 15018 schreibt eine Haltedauer von 10 Minuten für die statische Prüflast (125 % der Nennlast) vor. Die ältere Normversion forderte 15 Minuten; die überarbeitete Fassung hat diesen Wert auf 10 Minuten reduziert. Vor der Prüfung ist ein Probehub mit Nennlast durchzuführen, um den Zustand der Sicherheitseinrichtungen zu bestätigen. Während der Haltedauer ist die Durchbiegungsentwicklung des Hauptträgers kontinuierlich zu beobachten, wobei die Durchbiegungswerte unter Last alle 2 Minuten zu protokollieren sind.

F: Beeinträchtigt eine Vorbiegungsabweichung den sicheren Kranbetrieb?

A: Eine geringfügig zu geringe Vorbiegung (oberhalb von 70 % des Bemessungswerts) hat nur begrenzte Auswirkungen auf die Sicherheit, beschleunigt jedoch den Verschleiß des Katzfahrwerks. Liegt die Vorbiegung mehr als 50 % unter dem Sollwert oder liegt eine negative Vorbiegung (Durchbiegung) vor, handelt es sich um ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko, das ein sofortiges Abschalten des Krans erfordert. Eine zu große Vorbiegung (über 150 % des Bemessungswerts) führt zu erhöhtem Fahrwiderstand der Laufkatze in der Spannweitenmitte sowie zu zusätzlichen Biegemomenten an den Verbindungen zwischen Hauptträger und Kopfträger und muss ebenfalls korrigiert werden.

F: Woran liegt es, dass die Vorbiegungsmessung auf der Baustelle deutlich von den Werkswerten abweicht?

A: Abweichungen zwischen den Messwerten vor Ort und den Werksprüfwerten können verschiedene Ursachen haben: Die Werksmessung erfolgt auf starren Stützböcken (ohne elastische Verformung der Schienen), während die Messung vor Ort die überlagerte elastische Verformung von Schiene und Kranbahnträger einschließt. Darüber hinaus können Umgebungstemperaturunterschiede zu Messfehlern durch thermische Verformung führen, und der Langzeittransport kann geringfügige Restverformungen am Hauptträger verursachen. Abweichungen im Bereich von 3–5 mm gelten in der Regel als normal; bei größeren Abweichungen sollte eine Nachmessung zur Bestätigung durchgeführt werden.

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