Prüfung von Strukturbauteilen und Drehverbindung am Auslegerkran

Die Norm DIN EN 13000 – Inspektion und Wartung von Auslegerkranen ist die maßgebliche Richtlinie für die Instandhaltung dieser Kranbauart. Sie legt die Anforderungen an die tägliche Prüfung, wiederkehrende Prüfung sowie die Wartung von Portalwippdrehkranen, Mastkranen, Schwimmkranen und Deckskranen während des Betriebs fest.

Die Norm ISO 4306 – Teil 12 ist der zwölfte Abschnitt der Normenreihe zur Kraninspektion und -wartung und definiert spezifische Anforderungen an die Inspektion und Wartung von Strukturbauteilen und Drehverbindungen von Auslegerkranen. Die Drehverbindung und die Auslegerkonstruktion zählen zu den tragenden Bauteilen, die höchsten Beanspruchungen ausgesetzt sind. Dieser Beitrag erläutert die Kernanforderungen der Norm.

Inspektion und Wartung von Auslegerkranen nach ISO 4306


Normative Einordnung und Prüfsystematik

Die Norm ISO 4306 – Teil 12 ist der zwölfte Teil der Normenreihe und behandelt die Inspektion und Wartung von Auslegerkranen (Portalwippdrehkrane, Mastkrane, Schwimmkrane, Deckskrane). Auslegerkrane weisen im Vergleich zu anderen Kranbauarten eine komplexere Struktur, mehr Antriebsaggregate und ein breiteres Spektrum an Arbeitsumgebungen auf – vom Hafenbetrieb über Schiffsanwendungen bis zur Baustelle. Die Wartungsintervalle variieren daher erheblich in Abhängigkeit von Arbeitsumgebung und Nutzungsintensität. Die Norm definiert vier Wartungsstufen: tägliche Prüfung (vor jeder Schicht), Wartung der ersten Stufe (monatlich), Wartung der zweiten Stufe (vierteljährlich) sowie die jährliche umfassende Prüfung. Für jede Stufe sind die Prüfpunkte, Inspektionsmethoden und Zulässigkeitskriterien detailliert aufgeführt.

Tägliche Prüfung vor Schichtbeginn

Vor jeder Arbeitsschicht sind folgende Prüfungen durchzuführen: Schiene und Fundament (Portalunterbau) – Schienen frei von Hindernissen, Spurweite innerhalb der Toleranz, Prellbock fest verankert, Schienenklemme in geöffneter Stellung. Ausleger – Sichtprüfung der Auslegerkonstruktion auf Verformung und Risse, Verbindungsbolzen des Auslegers ohne axiales Spiel, Drahtseil korrekt in der Seilrille geführt. Hubwerk – Bremse funktionsfähig (Haken 100 mm über Boden anheben und auf Lastrutschen prüfen), Drahtseil gleichmäßig aufgewickelt, mindestens 3 Sicherheitswindungen auf der Trommel. Drehwerk – gleichmäßiges Drehen ohne Rucken, Drehbremse funktionsfähig. Sicherheitseinrichtung – Selbsttest des Lastmomentbegrenzers, Funktionstest der Endschalter, Windmesser zeigt korrekte Werte. Bei Schwimmkranen zusätzlich: Neigungswinkel des Schiffs ≤ 5° prüfen und Ballastwassersystem auf Funktion kontrollieren.

Tägliche Prüfung
Vor jeder Schicht Sicherheitseinrichtung + Bremse
Wartung der ersten Stufe
Monatlich Schrauben + Schmierung + Elektrik
Wartung der zweiten Stufe
Vierteljährlich Zahnrad + Getriebe + Schweißnaht
Jährliche Prüfung
Lastprüfung + UT durch zugelassene Prüfstelle
Drehverbindung
Halbjährlich Schraubenmoment + Zahnflächenprüfung
Greiferprüfung
Schneiden + Verschleißbleche wöchentlich auf Verschleiß prüfen

Inspektion der Hauptstrukturbauteile

Die Strukturbauteile von Auslegerkranen sind wechselnden Lasten ausgesetzt und neigen daher zu Ermüdungsrissen. Die Inspektionsschwerpunkte umfassen: Ausleger – Sichtprüfung und Magnetpulverprüfung mit Fokus auf den Auslegerfuß, Schweißnähte der Knotenbleche, Schweißnähte der Wippenrollenlagerung sowie die Anschlüsse der Zugstangen. Portalrahmen (bei Portalwippdrehkranen) – Prüfung der Verbindungsschweißnähte zwischen Querträger und Stützbein, mit besonderem Schwerpunkt auf den Schweißnähten beidseitig der Portalöffnung (hier ist die Steifigkeit geringer und die Spannungskonzentration ausgeprägter). Drehplattform – Schweißnähte und Grundplatte an der Anlenkung des Auslegers. Mastkran – Geradheit des Hauptgurtstabs (Achsenabweichung der Segmente ≤ L/1000), Verschleiß und Korrosion an den Verbindungen der Abspannseile zum Bodenanker. Schwimmkran – Verformung und Schweißnahtprüfung der Schiffsstruktur (verstärkte Deckskonstruktion im Anschlagbereich).

Spezielle Prüfungen bei Schwimmkranen

Bei Schwimmkranen sind zusätzlich folgende Prüfungen erforderlich: Wasserdichtigkeit des Schiffsrumpfs – Funktion der Flüssigkeitsstand-Alarmanlagen in den wasserdichten Abteilungen prüfen. Ballastsystem – Bedienbarkeit von Ballastwasserpumpen und Ventilen, Leitungen auf Dichtheit prüfen. Korrosionsschutz des Schiffsrumpfs – Funktion des Korrosionsschutzsystems (Opferanode oder Fremdstromanode) im Unterwasserbereich prüfen. Verankerungssystem – Verschleißprüfung von Ankerwinde, Ankerkette und Poller. Schwimmkrane müssen jährlich im Trockendock auf den Unterwasserbereich des Rumpfs untersucht werden (Dickenmessung der Bodenplatten und Nachschweißen).


Vergleichstabelle für Strukturbauteilprüfungen

Die folgende Vergleichstabelle fasst die zentralen Prüfpunkte für Strukturbauteile von Auslegerkranen zusammen und dient als Referenz für Betreiber und Instandhaltungspersonal.

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PrüfpunktInspektionsumfangInspektionsintervallZulässigkeitskriterien
AuslegerkonstruktionSchweißnaht/Verformung/RissmonatlichohneRiss/VerformungMaß<L/1000
DrehverbindungZahnradVerschleiß/SchraubeLockerungvierteljährlichZahndickenabnahme<10%
VerbindungBolzenVerschleiß/Korrosion/SpielhalbjährlichSpiel≤0.5mm
DrahtseilDrahtbruch/Verschleiß/Schmierungvor jeder SchichtgemäßGB/T 5972Norm

Häufige Fragen

F: Wie oft und mit welchen Verfahren muss die Schweißnaht an den Knotenpunkten des Auslegers eines Portalwippdrehkrans geprüft werden?
A: Die Schweißnähte an den Knotenpunkten des Kranauslegers sind wechselnden Zug- und Druckspannungen ausgesetzt und zählen zu den bevorzugten Stellen für Ermüdungsrisse. Die Anforderungen gemäß Norm:
PrüfintervallPrüfumfang und -verfahren
Tägliche PrüfungSichtprüfung der Schweißnahtoberfläche an den Knotenpunkten bei jeder Schicht – insbesondere auf feine Rostfäden, die auf Risse hindeuten.
Monatliche InspektionPrüfung der gereinigten Schweißnahtoberfläche mit einer 10-fach-Lupe.
Vierteljährliche PrüfungMagnetpulverprüfung (MT) an kritischen Knotenpunkten – geeignet für Oberflächenrisse – oder Ultraschallprüfung (UT) zur Erkennung innerer Risse.
Jährliche InspektionStichprobenartige Ultraschallprüfung aller Knotenpunktschweißnähte (Stichprobenumfang ≥ 30 %).
Jeder festgestellte Riss ist umgehend zu kennzeichnen und zu bewerten; anschließend ist zu entscheiden, ob eine Stillstandsreparatur erforderlich ist.
F: In welchen Intervallen und in welchem Umfang ist eine Dockinspektion für Schwimmkrane erforderlich?
A: Gemäß Norm wird empfohlen, Schwimmkrane alle 2–3 Jahre einer Dockinspektion zu unterziehen. Der Inspektionsumfang umfasst: 1) Messung der Bodenblechdicke (Messung der Blechdicken in den einzelnen Plattenbereichen mit einem Ultraschall-Dickenmessgerät; Stahlbleche mit einem Korrosionsabtrag von mehr als 15 % der ursprünglichen Blechdicke sind auszutauschen); 2) Prüfung der Schweißnähte am Rumpf (MT-Stichproben an den Schweißnähten der Rumpfstruktur und der Anschlagbasen); 3) Prüfung des Korrosionsschutzsystems des Rumpfes (Messung der Restdicke und des Potentials der Opferanoden); 4) Prüfung des Verschleißzustands von Propeller und Ruder; 5) Inneninspektion der Ballastwassertanks und Beurteilung des Beschichtungszustands. Der Inspektionsbericht der Dockinspektion ist zu archivieren und für spätere Kontrollen aufzubewahren.
F: Wie oft und auf welche Weise muss die Drehverbindung eines Auslegerkrans geprüft werden?
A: Die Drehverbindung gehört zu den kritischsten Bauteilen eines Auslegerkrans. Empfohlene Inspektionsintervalle: täglich – akustische Kontrolle (ein gleichmäßiges, tiefes Laufgeräusch ist normal; ein klares „Klicken“ oder periodisches Stoßgeräusch deutet auf Schäden an Laufbahn oder Wälzkörper hin); monatlich – Messung des Radial- und Axialspiels der Drehverbindung mit einer Messuhr (bei einem Spiel über 0,5 mm ist Vorsicht geboten); halbjährlich – Kontrolle und Nachziehen des Drehmoments der Verbindungsbolzen (Stichprobe ≥ 20 %, Drehmoment ≥ 90 % des Sollwerts); jährlich – Fettanalyse (Prüfung des Fetts in der Laufbahn auf Metallabrieb).
F: Welche Wartungspunkte sind bei den Abspannseilen eines Mastkrans zu beachten?
A: Die Abspannseile gehören zu den sicherheitsrelevantesten Bauteilen eines Mastkrans. Folgende Wartungspunkte sind zu berücksichtigen: 1) Tägliche Sichtprüfung des Abspannseils auf Drahtbruch, Korrosion, Knicke sowie Reibungspunkte an angrenzenden Bauteilen; 2) Wöchentliche Kontrolle der Verbindung zwischen Abspannseil und Bodenanker (Keilklemmverbindung bzw. Aluminium-Klemmverbindung auf Schlupf prüfen, Markierungslinien anbringen); 3) Monatliche Messung der Seilspannung aller Abspannseile (mittels Zugmesser oder Vibrationsfrequenz-Methode), wobei die Spannungsdifferenz der einzelnen Seile ±5 % des Bemessungswerts nicht überschreiten darf; 4) Vierteljährliche Inspektion der Ankerpunkte der Abspannseile (Risse im Betonfundament, Lockerung der Ankerbolzen); 5) Zwangsweiser Austausch der Abspannseile nach 5 Jahren Nutzungsdauer oder bei Überschreitung der zulässigen Drahtbruchgrenze.

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