ISO 24467:2020 Kran Drahtseil Wartung und Prüfung

ISO 24467:2020 „Krane – Drahtseile – Wartung und Prüfung“ ist die maßgebliche Norm für die Wartung und Prüfung von Kran-Drahtseilen. Sie erweitert und präzisiert die Aussonderkriterien, die tägliche Prüfung, die Wartungsintervalle sowie die Dokumentation auf Basis von ISO 4309 und deckt damit die Drahtseilsicherheit aller Krantypen ab.


Präzisierte Aussonderkriterien für Drahtseile

ISO 24467:2020 verfeinert die Aussonderkriterien gegenüber ISO 4309. Maßgeblich ist zunächst die Anzahl der Drahtbrüche: Innerhalb einer Schlaglänge (etwa das 6- bis 7-Fache des Drahtseildurchmessers) führt bei Kreuzschlagdrahtseilen eine sichtbare Drahtbruchzahl von mehr als 10 % der Gesamtdrahtzahl zur Aussonderung; bei Gleichschlagdrahtseilen liegt die Grenze bei 5 %. Besonders kritisch sind Drahtbrüche im Bereich der Seilrillen von Rollen und Trommeln, da sie durch Biegeermüdung entstehen – hier zählt ein sichtbarer Drahtbruch doppelt.

Weitere Kriterien betreffen die Drahtbruchkonzentration: Bei einer Bündelung von mindestens 3 Drahtbrüchen in einem lokalen Bereich (innerhalb eines Drittels des Seilumfangs) ist eine wöchentliche Überwachung erforderlich; ab 6 Drahtbrüchen muss das Seil ausgesondert werden. Eine Durchmesserreduzierung durch Verschleiß oder Korrosion von mehr als 7 % des Nenndurchmessers (gemessen im Bereich der Seilrille) führt ebenfalls zur Aussonderung. Bei Oberflächenverschleiß gilt: Ist der äußere Stahldraht um mehr als 40 % seines Durchmessers abgenutzt, ist das Seil auszusondern. Deutliche Korrosion in Form von Narbenbildung oder abblätterndem Rost – unabhängig von Drahtbrüchen – macht das Seil ebenfalls unbrauchbar. Zusätzlich führt die Norm den Begriff des Restfestigkeitskoeffizienten ein: Kann die Durchmesserveränderung nicht direkt gemessen werden, ist eine elektromagnetische Prüfung zulässig; unterschreitet die Restfestigkeit 85 %, ist das Seil auszusondern.


Schematische Darstellung der Drahtseilprüfung und Aussonderkriterien am Kran


Prüfmethoden und Inspektionsintervalle im Überblick

Die Norm definiert ein dreistufiges Prüfsystem: Die tägliche Prüfung erfolgt vor jeder Schicht durch das Bedienpersonal und umfasst die Sichtprüfung des gesamten Seils auf Drahtbrüche, Verschleiß, Korrosion, Verformung und Schmierzustand. Die wiederkehrende Prüfung wird monatlich von geschultem Wartungspersonal durchgeführt und erstreckt sich über die gesamte Seillänge; besonderes Augenmerk gilt den Kontaktzonen zu Rollen und Trommeln, den Befestigungspunkten sowie Bereichen mit erhöhter Ermüdungsgefahr. Die gründliche Untersuchung erfolgt jährlich durch einen zertifizierten Drahtseil-Inspektor und beinhaltet zusätzlich eine elektromagnetische Prüfung.

Die Prüfverfahren umfassen die Sichtprüfung (bei ausreichender Beleuchtung, gegebenenfalls mit Lupe oder Endoskop für schwer zugängliche Stellen), die manuelle Prüfung mit Handschuhen zur Erkennung von Drahtbrüchen und Eindrückungen über die gesamte Seillänge sowie die instrumentelle Prüfung mit elektromagnetischen Prüfgeräten zur Messung von Durchmesserveränderungen und Drahtbruchdefekten. Die Norm empfiehlt, Markierungsstellen an den Seilrillen von Rollen und Trommeln anzubringen, um bei jeder Prüfung gezielt Durchmesserveränderungen und Drahtbrüche in diesen kritischen Zonen zu erfassen. Nach der Prüfung ist das Datum und der Name des Prüfers dauerhaft am Seilende zu kennzeichnen.

Aussonderung – Kreuzschlag
>10 %
Aussonderung – Gleichschlag
>5 %
Aussonderung – Durchmesser
>7 %
Aussonderung – Verschleißtiefe
>40 %
Untere Grenze Restfestigkeit
85 %
Inspektionsintervall
Schicht/Monat/Jahr
PrüfungStufeZyklusPrüfpersonalInspektionsumfangPrüfmittel
Tägliche Prüfungpro SchichtBedienpersonalGesamtbild/DrahtbruchSichtprüfung
Wiederkehrende PrüfungmonatlichWartungPrüfpersonalvollständige Detailprüfung/SchwerpunktbereicheLupe/Messschieber
gründliche Untersuchungjährlichzertifizierter PrüferEMT+Gesamtbewertungelektromagnetische PrüfungMessgerät
SonderinspektionMontage/Generalüberholungnachzertifizierter PrüferSeilneuabnahmekomplettes Werkzeugset

Wartung und Schmierung von Drahtseilen

Die Norm stellt systematische Anforderungen an die Wartung von Drahtseilen. Das Schmierintervall ist an die Einsatzumgebung anzupassen: In normaler Innenumgebung ist eine monatliche Schmierung erforderlich, in staubgeschütztem Einsatz wöchentlich, bei Freiluft- bzw. Meeresumgebung alle zwei Wochen. Vor dem Schmieren sind Schmutz und Altfett von der Drahtseiloberfläche zu entfernen – hierfür sind spezielle Reinigungsmittel zu verwenden; Lösungsmittel wie Benzin, die das Drahtseil korrosiv angreifen können, sind unzulässig. Das Schmiermittel muss dem vom Drahtseilhersteller empfohlenen Typ entsprechen; üblicherweise ist ein Drahtseilfett gemäß der Norm JG/T 148 einzusetzen.

Für die Schmierung empfiehlt sich das Tropf- oder Sprühverfahren, um eine gleichmäßige Penetration des Fetts zwischen die Litzen und Drähte im Seilinneren zu gewährleisten. Beim Schmieren ist darauf zu achten, dass kein Fett auf die Reibflächen der Bremse (Rutschgefahr bei der Bremsung) oder auf die Schleifleitung / Stromschiene (Beeinträchtigung der Stromübertragung) gelangt. Die Norm regelt auch die Lagerung von Drahtseilen: Diese sind in trockenen, belüfteten Lagerräumen und getrennt von korrosiven Stoffen aufzubewahren. Bei längerer Einlagerung ist das Drahtseil alle 3 Monate neu zu schmieren, um Innenkorrosion zu vermeiden.


Wartungsdokumentation und Rückverfolgbarkeit

Die Norm legt großen Wert auf die Vollständigkeit der Prüf- und Wartungsaufzeichnungen für Drahtseile. Für jedes Drahtseil ist ein Wartungsunterlagen-Archiv anzulegen, das folgende Angaben enthält: Drahtseilnummer, Spezifikation und Typ, Hersteller, Installationsdatum, Anfangsdurchmesser, Länge und Verschrottungsdatum. Jeder Prüfeintrag muss umfassen: Prüfdatum, Prüfer, Inspektionsstelle, Art und Ausmaß festgestellter Fehler (Anzahl der Drahtbrüche, Position, Durchmessermessung, Einstufung des Korrosionsgrads), empfohlene Maßnahmen sowie das Datum der nächsten Prüfung. Die Aufbewahrungsfrist der Aufzeichnungen erstreckt sich mindestens über die gesamte Lebensdauer des Drahtseils – vom Einbau bis zur Verschrottung.

Kelude Schwerindustrie liefert für jeden Kran ein Wartungsaufzeichnungs-Formular für Drahtseile. Der Betreiber trägt die Prüfungen gemäß den in der Norm geforderten Intervallen ein und kennzeichnet das Seilende mit einem Prüfschild. Darüber hinaus empfiehlt die Norm für sicherheitsrelevante Drahtseile (z. B. an Personenlastkranen und großen Kranen mit hoher Bedeutung) die Einführung von RFID-Etiketten, um eine digitale Rückverfolgbarkeit des gesamten Drahtseil-Lebenszyklus zu ermöglichen.

DokumentationspunkteInhaltsanforderungenDokumentationFrequenzAufbewahrungAnforderungen
StammdatenIdentifikationsnummer/Typ/DatumErfassung bei MontagebisVerschrottung+6Monate
Tägliche PrüfungDrahtbruch/Verschleiß/Zustandpro SchichtMonatsübersicht
Wiederkehrende PrüfungSeildurchmesser über gesamte Länge/DrahtbruchStatistikmonatlichArchivierung
SchmierungDokumentationDatum/SchmierungMittel/Prüfpersonaljedes MalSchmierungAblage im Prüfbuch
AussonderungsprotokollVerschrottungUrsache/DatumVerschrottungbeiAblage im Prüfbuch

Häufige Fragen

F: Warum unterscheiden sich die Aussonderkriterien bei Drahtbruch zwischen Kreuzschlag- und Gleichschlagdrahtseilen?

A: Bei Gleichschlagdrahtseilen verlaufen die Drähte einer Lage parallel zueinander. Ein Drahtbruch führt hier zu einer stärkeren Spannungskonzentration, wodurch ein einzelner Drahtbruch gravierendere Folgen hat. Bei Kreuzschlagdrahtseilen kreuzen sich die Drähte; die Last wird nach einem Drahtbruch von den benachbarten Drähten mitgetragen. Daher sind die Aussonderkriterien bei Gleichschlag (5 %) strenger als bei Kreuzschlag (10 %).

F: Welche Vorteile bietet die elektromagnetische Prüfung (EMT)?

A: Die EMT erkennt Drahtbrüche, Korrosion und Querschnittsverluste im Seilinneren – unabhängig von Fett- und Schmutzablagerungen an der Oberfläche. Wenn eine visuelle Beurteilung keine zuverlässige Aussage über innere Schäden zulässt – etwa bei starker Innenkorrosion oder inneren Drahtbrüchen – ist die EMT das zuverlässigste Bewertungsverfahren. Bei einer Restfestigkeit von ≤ 85 % ist das Seil auszusondern.

F: Wie wird das Schmierintervall für Drahtseile festgelegt?

A: In normaler Innenraumumgebung ist eine monatliche Schmierung erforderlich, bei staubgeschütztem Einsatz wöchentlich, im Freien bzw. in Meeresumgebung alle zwei Wochen. Vor dem Schmieren muss das alte Fett entfernt werden. Schmiermittel darf nicht auf die Bremse tropfen. Kelude empfiehlt den Einsatz eines speziellen Tropfschmiergeräts für Drahtseile.

F: Wie lange müssen Prüfaufzeichnungen für Drahtseile aufbewahrt werden?

A: Mindestens 6 Monate über den Zeitpunkt der Verschrottung hinaus. Empfohlen wird die langfristige Archivierung in einem elektronischen Informationsmanagementsystem. Das RFID-Etikett des Drahtseils kann von den Basisdaten bis zu sämtlichen Prüfaufzeichnungen alle Informationen speichern und ermöglicht so ein Management über den gesamten Lebenszyklus.

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