ISO 23774:2020 Prüfverfahren für Brücken- und Portalkrane
Die Norm ISO 23774:2020 „Krane – Brücken- und Portalkrane – Prüfverfahren“ ist die umfassende Richtlinie für die Prüfung von Brücken- und Portalkranen. Sie definiert die Prüfverfahren, Abläufe und Abnahmekriterien für die statische Belastungsprüfung, die dynamische Belastungsprüfung, die Inspektion der Sicherheitseinrichtungen sowie die Bewertung der Gesamtleistung der Maschine. Die statische Prüfung verifiziert die Strukturfestigkeit, die dynamische Prüfung die Zuverlässigkeit der Mechanismen und die Prüfung der Sicherheitseinrichtungen bestätigt die Integrität der Schutzfunktionen.
Statische Belastungsprüfung: Verfahren und Kriterien
Vor der statischen Belastungsprüfung ist eine umfassende Inspektion des Krans durchzuführen, um die einwandfreie Funktion aller Mechanismen und Sicherheitseinrichtungen sowie eine ausreichende Schmierung sicherzustellen. Die verwendeten Prüfgewichte müssen innerhalb der Kalibrierfrist liegen; die Masseabweichung darf ±1 % nicht überschreiten. Zunächst wird die Last auf 100 % der Nennlast erhöht. Die voll belastete Laufkatze wird in der Mitte der Hauptträger-Spannweite positioniert. Die Last wird für mindestens 10 Minuten gehalten. Währenddessen wird die Durchbiegung δmax in Spannweitenmitte mit einem Präzisions-Nivelliergerät (Genauigkeit ±0,1 mm) gemessen. Unter Nennlast darf die Durchbiegung des Hauptträgers L/400 bis L/500 nicht überschreiten. Nach dem Entlasten wird die Restverformung δr gemessen; diese darf 20 % der Gesamtverformung δmax nicht überschreiten. Für die Überlastprüfung wird die Last auf das 1,25-fache der Nennlast erhöht und für mindestens 15 Minuten gehalten. Anschließend werden alle Schweißnähte auf Risse, alle Schrauben auf festen Sitz und die Struktur auf bleibende Verformung untersucht. Bei Portalkranen ist zusätzlich die elastische Verformung der Stützbeine zu prüfen; die horizontale Abweichung darf H/500 nicht überschreiten.
Dynamische Belastungsprüfung: Ablauf und Sicherheitschecks
Bei der dynamischen Belastungsprüfung wird der Kran mit dem 1,1-fachen der Nennlast belastet. Es werden kombinierte Bewegungen aller Mechanismen getestet: Der Hubmechanismus führt mindestens drei vollständige Hebe- und Senkzyklen über eine Hubhöhe von jeweils mindestens 1 m durch; der Bremsweg (Lastabsenkung) darf 100 mm nicht überschreiten. Die Laufkatze wird mindestens dreimal über die gesamte Schiene verfahren, um die Laufruhe zu prüfen. Die Kranbrücke wird ebenfalls mindestens dreimal über die gesamte Schiene verfahren; dabei darf die Stromabweichung des Motors ±10 % nicht überschreiten. Die Prüfung der Sicherheitseinrichtungen umfasst: Der Lastmomentbegrenzer muss bei 90 % der Last eine akustische und optische Warnung auslösen und bei 100 % den Hub- und Wippvorgang automatisch stoppen. Der Hubbegrenzer muss 0,5 m vor dem höchsten Punkt der Hakenposition warnen und den Hub bei 0,3 m stoppen. Der Fahrwegbegrenzer muss den Kran 1 m vor dem Ende der Schiene zum Stillstand bringen. Beim Not-Aus-Test wird der Not-Aus-Taster während des Betriebs mit voller Geschwindigkeit betätigt; das Steuerungssystem muss innerhalb von 0,5 s reagieren. Die Übertemperatur des Getriebes darf 40 °C, die des Motors 60 °C nicht überschreiten. Die Bremse darf keine Anzeichen von Überhitzung oder Verfärbung aufweisen.
| Prüfung | Last | Bewegung | Abnahme |
|---|---|---|---|
| statische Last | 1.25fach | Druckhaltung in Feldmitte15min | Rest≤20% |
| Überlast | 1.25fach | Druckhaltung in Feldmitte | ohneRiss/bleibende Verformung |
| dynamische Last | 1.1fach | Heben / Anheben+jeder Fahr-3Mal | Bremsung≤100mm |
| Not-Halt | 1.1fach | VolllastgeschwindigkeitNot-Halt | ≤0.5sSchwenken≤15° |
| Sicherheitseinrichtung | jeder Fahr-Betriebsbedingungen | alle Bewegungen | Drehmoment/Endschalter/Alarm |
Umfassende Prüfung der Sicherheitseinrichtungen
Während der Lastprüfung ist eine umfassende Inspektion aller Sicherheitseinrichtungen durchzuführen. Die Funktionsprüfung des Lastmomentbegrenzers erfolgt stufenweise: Bei 90 % der Nennlast muss die Frühwarnung zuverlässig auslösen, bei 100 % muss der automatische Stopp des Hubwerks und des Wippens erfolgen. Nach dem Absenken der Last unter 90 % muss die Sperre automatisch aufgehoben werden. Bei der Prüfung der Endschalter werden die Schaltkontakte manuell ausgelöst; sie müssen einwandfrei ansprechen und der Summer muss einen akustischen Alarm abgeben. Die Bremsen werden unter Nennlast geprüft: Der Bremsweg beim statischen Halten darf 100 mm nicht überschreiten, und der Bremsweg bei der Notbremsung muss innerhalb der zulässigen Toleranz liegen. Die Prüfprotokolle aller Sicherheitseinrichtungen werden dem Prüfbericht beigefügt. Jeder Brückenkran und Portalkran von Kelude wird vor Auslieferung einer vollständigen Prüfung mit statischer und dynamischer Last gemäß ISO 23774:2020 unterzogen; der Belastungsprüfbericht sowie die Prüfprotokolle der Sicherheitseinrichtungen werden mitgeliefert.
| Einrichtung | Prüfverfahren | Zulässigkeitskriterien |
|---|---|---|
| Lastmomentbegrenzer | 90%/100%/110%stufenweise | 90%Frühwarnung/100%Stopp |
| Traglastbegrenzer | Belastung bis105% | StoppHeben / Anheben |
| Hubbegrenzer | HakenAuslösung beim Heben | 0.5m/0.3m |
| Fahrbegrenzer | großKatzfahrenAuslösung beim Heben | vor Endlage1m |
| Bremse | 1.1fachBremsung | Absinken≤100mm |
Häufige Fragen
F: Ablauf der statischen Belastungsprüfung?
A: 100 % Last 10 min halten, entlasten, dann 125 % Last 15 min halten. Durchbiegung ≤ L/400 bis L/500, bleibende Verformung ≤ 20 %. Keine Risse, keine bleibende Verformung.
F: Anforderungen an die dynamische Belastungsprüfung?
A: 1,1-fache Last: 3 Hub- und 3 Fahrspiele. Bremsweg beim Senken ≤ 100 mm. Not-Halt: Anhaltezeit ≤ 0,5 s, Pendelwinkel ≤ 15°. Übertemperatur ≤ 40 °C.
F: Besonderheiten beim Portalkran?
A: Elastische Verformung der Stützbeine ≤ H/500. Diagonaldifferenz ≤ 2 mm Änderung.
F: Inhalt des Prüfberichts?
A: Datum, Last, Messdaten, Prüfung der Sicherheitseinrichtungen, Ergebnis. Unterzeichnung durch beide Parteien. Der Prüfbericht wird von Kelude ab Werk mitgeliefert.