Erdbebenbemessung von Kranen nach ISO 24039:2020

ISO 24039:2020 „Krane – Erdbebenbemessung“ ist die maßgebliche Norm für die erdbebengerechte Konstruktion von Kranen. Sie regelt die Ermittlung der Erdbebeneinwirkungen (Antwortspektrumverfahren oder Zeitverlaufsanalyse), den rechnerischen Nachweis der Tragwerke (Festigkeit + Stabilität + Verformung), konstruktive Maßnahmen zur Erdbebensicherheit (Fundamentverankerung / Entgleisungsschutz / Endschalter) sowie einen Sicherheitsfaktor ≥ 1,2. Die Norm gilt für die Erdbebenbemessung von Kranen in Erdbebenzonen der Intensität 6 bis 9.


Erdbebenbemessung: Verfahren und Parameter

Die Erdbebenbemessung von Kranen ist ein zentraler Bestandteil der Konstruktion, um die Strukturelle Sicherheit unter seismischer Einwirkung zu gewährleisten. Die Norm gilt für Regionen der Erdbebenintensität 6 bis 9. Für die Ermittlung der Erdbebeneinwirkungen wird das Antwortspektrumverfahren empfohlen, bei dem das Antwortspektrum anhand der Baugrundklasse und der Erdbebenzone bestimmt wird. Für große oder sicherheitsrelevante Krane ist die Zeitverlaufsanalyse vorgeschrieben: Dabei werden mindestens drei Erdbebenwellen (mindestens zwei natürliche und eine künstliche) herangezogen und die Hüllkurve der Zeitverlaufsintegration gebildet. Die Erdbebeneinwirkung wird in zwei horizontalen Richtungen sowie in vertikaler Richtung (mit dem 0,65-fachen der horizontalen Komponente) angesetzt. Der Sicherheitsfaktor beträgt ≥ 1,2. Die relevante Lastkombination lautet G + E + 0,5Q. Der Tragwerksnachweis umfasst Festigkeit, Stabilität und Verformung. Zu den konstruktiven Maßnahmen gehören die Fundamentverankerung zur Kippsicherung, der Entgleisungsschutz an den Schienenenden sowie duktile Verbindungsdetails zur Vermeidung von Sprödbruch. Kelude bietet umfassende Dienstleistungen zur Erdbebenbemessung an.


Erdbebensicherheit


Konstruktive Maßnahmen und Inspektion

Die Baugrundklasse hat einen erheblichen Einfluss auf die Erdbebenbemessung: Bei Klasse I (fester Boden) ist ein Vergrößerungsfaktor von 1,0 bis 1,5 anzusetzen, bei Klasse IV (weicher Boden) von 2,0 bis 3,0. Die Bemessung sollte auf den seismischen Parametern basieren, die im Baugrundgutachten zur Erdbebensicherheit ausgewiesen sind. Kelude entwickelt auf Basis der jeweiligen Standortbedingungen maßgeschneiderte Konzepte für die Erdbebensicherheit.

Intensität
6–9 Grad
Verfahren
Antwortspektrum / Zeitverlauf
Sicherheitsfaktor
≥ 1,2
Verankerung
Fundament + Anker
Entgleisungsschutz
Endschalter
Nachweis
Festigkeit + Stabilität
KonstruktionParameterAnforderung
ErdbebenIntensität6~9Intensität
VerfahrenAntwortspektrenverfahren/ZeitverlaufsanalyseVerfahren
Sicherheitsfaktor>=1.2
LastkombinationG+E+0.5Q
KonstruktionVerankerung+Entgleisungsschutz+Duktiler Knoten

BaugrundklasseVergrößerungsfaktor
IKlasse(Fester Boden)1.0~1.5
IIKlasse(Mittelfester Boden)1.5~2.0
IIIKlasse(Mittelweicher Boden)2.0~2.5
IVKlasse(Weicher Boden)2.5~3.0

Die Kombination der Erdbebenrichtungen ist ein zentraler Bestandteil der Erdbebenbemessung. Die Norm fordert, sowohl die Einwirkungen aus den beiden horizontalen, orthogonalen Richtungen (X und Y) als auch die vertikale Erdbebenkomponente zu berücksichtigen. Die vertikale Erdbebeneinwirkung wird in der Regel mit dem 0,65-fachen der horizontalen Einwirkung angesetzt. Bei Kranen mit großer Spannweite und hoch aufragenden Strukturen (wie dem Portalrahmen von Portalkranen oder dem Turmmast von Turmkranen) ist der Einfluss der vertikalen Erdbebenkomponente nicht zu vernachlässigen. Die Lastkombination für die Erdbebenbemessung lautet G+E+0,5Q (ständige Last + Erdbebeneinwirkung + veränderliche Last mit Kombinationsbeiwert 0,5). Für Verbindungsknoten sind reibschlüssige Schraubverbindungen mit hochfesten Schrauben oder duktile Schweißverbindungen vorzusehen, um einen spröden Bruch unter wiederholter Erdbebeneinwirkung auszuschließen.

Häufige Fragen zur Erdbebenbemessung

F: Für welche Anwendungsfälle sind das Antwortspektrumverfahren und die Zeitverlaufsanalyse nach ISO 24039:2020 jeweils geeignet?

A: Das Antwortspektrumverfahren gilt für die konventionelle Erdbebenbemessung von Kranen. Anhand der Baugrundklasse und der Erdbebenzone wird das Bemessungsspektrum gewählt, die Erdbebeneinwirkungen der einzelnen Schwingungsmoden werden berechnet und anschließend mittels SRSS- oder CQC-Kombination zur Gesamterdbebeneinwirkung zusammengeführt. Dieses Verfahren ist effizient und klar strukturiert. Die Zeitverlaufsanalyse gilt für wichtige oder große Krane (z. B. Kernkraftwerkskrane, große Hafenkrane oder Krane in Regionen mit hoher Erdbebenintensität). Hierbei werden mindestens drei Erdbebenwellen für die Zeitverlaufsintegration ausgewählt; die Hüllkurve der Ergebnisse wird als Bemessungserdbebeneinwirkung herangezogen.

F: Wie ist der Sicherheitsfaktor von 1,2 für die Erdbebenbemessung begründet?

A: Der Sicherheitsfaktor von 1,2 für Erdbeben liegt unter dem Wert von 1,5 für reguläre Lasten, da Erdbeben als außergewöhnliche Einwirkung gelten: Sie treten mit geringer Wahrscheinlichkeit auf und haben eine kurze Dauer (in der Regel einige Sekunden bis wenige Minuten). Die Struktur darf unter Erdbebeneinwirkung in den elastisch-plastischen Bereich eintreten und über plastische Verformung Energie dissipieren, ohne vollständig elastisch zu bleiben. Die plastische Verformung muss jedoch in einem akzeptablen Rahmen bleiben, um den Gesamtstand des Tragwerks zu gewährleisten und eine Wiederinbetriebnahme nach Inspektion und Reparatur zu ermöglichen.

F: Welchen Einfluss haben unterschiedliche Baugrundklassen auf die Erdbebenbemessung?

A: Die Baugrundklasse beeinflusst direkt den Verstärkungsfaktor der Erdbeben-Bodenbeschleunigung. Bei Klasse I (Fels, fester Boden) ist der Verstärkungsfaktor am geringsten und liegt bei etwa 1,0 bis 1,5. Bei Klasse IV (weicher Boden, Schluff) kann der Faktor bis zu 2,5 bis 3,0 betragen. Daher benötigen Krane auf weichem Untergrund bei gleicher Intensität eine höhere Erdbebenfestigkeit. Kelude führt die Erdbebenbemessung gezielt auf Basis der Parameter aus dem seismischen Gefährdungsgutachten des Standorts durch.

F: Welche Dienstleistungen zur Erdbebenbemessung bietet Kelude an?

A: Kelude bietet Erdbebenbemessung für Krane nach ISO 24039:2020 an. Das Leistungsspektrum umfasst die Berechnung der Erdbebeneinwirkungen (Antwortspektrumverfahren oder Zeitverlaufsanalyse, je nach Bedeutung der Anlage und Standortbedingungen), den Nachweis der Erdbebensicherheit der Struktur (Festigkeit, Stabilität und Verformung als drei Nachweiszustände) sowie die konstruktive Durchbildung (Fundamentverankerung mit Kippsicherung, Entgleisungsschutz der Schiene, duktile Knotenausbildung). Die Bemessung erfüllt die Anforderungen der Erdbebenzonen 6 bis 9 und wird in einem Berechnungsbericht dokumentiert.

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