EN 13155:2020 Lastaufnahmemittel Anforderungen

EN 13155:2020 – Technische Anforderungen an Lastaufnahmemittel für Krane ist ein zentraler Bestandteil der europäischen Normenreihe für Kransicherheit und wurde vom Europäischen Komitee für Normung (CEN) erarbeitet und veröffentlicht. Die Norm gilt als maßgebliche technische Spezifikation im Bereich der Kranlastaufnahmemittel und regelt systematisch die Berechnung, die Sicherheitsfaktoren, die Prüfverfahren sowie die Aussonderkriterien für Haken, Ringösen, Traversen, Spannvorrichtungen und Vakuumhebegeräte. Der Anwendungsbereich erstreckt sich auf sämtliche Lastaufnahmemittel und Anschlagmittel, die an Kränen eingesetzt werden.

Die Umsetzung dieser Norm ist von großer Bedeutung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Hebezeugen aus deutscher Fertigung und stellt eine verbindliche technische Anforderung für den Export in den europäischen Markt dar. Das technische Team von Kelude hat das Normensystem eingehend analysiert und setzt die Anforderungen konsequent in der Konstruktion um, um ein hohes Maß an intrinsischer Sicherheit der Anlagen zu gewährleisten.


Anwendungsbereich und Einordnung der Norm

Die Norm EN 13155:2020 definiert die technischen Anforderungen und Sicherheitskennwerte für Kranlastaufnahmemittel und gilt für alle Hebezeuge mit einer Nenntragfähigkeit von mindestens 0,5 t. Sie umfasst nicht nur die Konstruktion und Fertigung neuer Anlagen, sondern gibt auch klare technische Anleitungen für die Inspektion, Wartung und den Umbau bestehender Einrichtungen. Als wesentlicher Bestandteil des EN-Normensystems steht sie in Übereinstimmung mit den übrigen Teilen der EN 13001-Reihe und bildet gemeinsam mit diesen ein vollständiges Regelwerk für die sichere Konstruktion von Kranen. Die in der Norm festgelegten technischen Parameter und Sicherheitsfaktoren bieten Konstrukteuren eine eindeutige Bemessungsgrundlage und liefern zugleich Prüfstellen quantifizierbare Beurteilungskriterien für Typprüfung und Werksabnahme.


Schematische Darstellung der technischen Anforderungen an Kranlastaufnahmemittel


Kernparameter der Technik im Überblick

Gemäß den technischen Vorgaben der EN 13155:2020 müssen Konstruktion und Fertigung von Kranlastaufnahmemitteln eine Reihe strenger technischer Anforderungen erfüllen. Die Festlegung dieser Parameter basiert auf umfangreichen Prüfdaten und der Sicherheitstechnik und deckt den gesamten Prozess von der Materialauswahl bis zur Konstruktion ab. Die in der Norm vorgegebenen Sicherheitsfaktoren berücksichtigen die Ermüdungslebensdauer und die Grenzlastbedingungen von Hebezeugen unter anspruchsvollen Betriebsbedingungen. In der Ingenieurpraxis wählen Konstrukteure die geeignete Parameterkombination in Abhängigkeit von Triebwerksgruppe, Lastkollektiv und Einsatzumgebung. Die folgende Übersicht zeigt die zentralen technischen Kennwerte der Norm:

Sicherheitsfaktor Haken
≥4,0 (gesamt)
Hakenwerkstoff
S235JR / 20CrMo
Sicherheitsfaktor Traverse
≥3,0 (Streckgrenze)
Klemmvielfaches Spannvorrichtung
≥2,5 × Eigengewicht
Unterdruck Vakuumhebegerät
≥80 % (Vakuumgrad)
Aussonder-Maulweite
≥15 % des Nennmaßes

Vergleichsanalyse der zentralen technischen Kennwerte

Um Konstrukteuren und Prüfpersonal einen anschaulichen Überblick über die Anforderungen der EN 13155:2020 zu verschaffen, werden in der folgenden Tabelle die in der Norm festgelegten Kernparameter den allgemeinen Erkenntnissen aus der Ingenieurpraxis gegenübergestellt. Die aufgeführten Werte entsprechen entweder verbindlichen oder empfohlenen Angaben der Norm und sollten bei der Konstruktion und Auswahl sowie bei der Werksabnahme streng eingehalten werden. Positionen, die in der Tabelle als „vereinbar“ gekennzeichnet sind, können zwischen Hersteller und Auftraggeber vertraglich geregelt werden, dürfen jedoch die in der Norm festgelegten Mindestsicherheitsanforderungen nicht unterschreiten.

Technische ParameterNormAnforderungEmpfehlungswert/Erläuterung
HakenGesamtheitSicherheitsfaktor≥4.0(relativ zuBruchlast)Geschmiedeter Haken,streng verbotenGießenundSchweißreparatur
HakenMaterialanforderungen20Stahlsorte/20CrMomechanische EigenschaftenR≥355MPa,A≥20%,KV≥34J(-20℃)
TraverseSicherheitsfaktor≥3.0(relativ zuStreckgrenze)SchweißenTraverse100%UTErkennung,Spannungsarmglühen nach dem SchweißenSpannungGlühen
SpannvorrichtungSicherheitsfaktor der KlemmungKlemmkraft≥2.5fachem LastgewichtEigengewichtautomatische Verriegelungseinrichtung,Halten bei Druckabfall≥1.5fach
VakuumhebegerätVakuumGradaufrechterhalten≥80%Nenn-VakuumGradjederSaugnapfunabhängige Steuerung,Vakuumpumpe+HydrospeicherDoppelversorgung
HakenöffnungVerschrottungVergrößerung≥Originalmaß15%VerwindungVerformung>10°oderkritischer QuerschnittVerschleiß>5%Verschrottung

Prüfanforderungen und Prüfintervalle

Die Norm EN 13155:2020 definiert verbindliche Anforderungen an Werksabnahme, Typprüfung und regelmäßige Inspektion von Lastaufnahmemitteln für Krane. Die Werksabnahme erfolgt im Herstellerwerk durch die Qualitätssicherungsabteilung für jedes einzelne Gerät. Für geprüfte Ausrüstung sind ein ausführlicher Prüfbericht sowie eine Konformitätsbescheinigung beizufügen. Die Typprüfung ist bei Erstinbetriebnahme neuer Produkte, bei Verlagerung der Fertigung an einen anderen Standort oder bei wesentlichen konstruktiven Änderungen durchzuführen. Das regelmäßige Prüfintervall für im Einsatz befindliche Geräte richtet sich nach der Triebwerksgruppe und der Einsatzumgebung und beträgt in der Regel höchstens 12 Monate. Die folgende Tabelle fasst die konkreten Anforderungen an die einzelnen Prüf- und Wartungsmaßnahmen zusammen:

Inspektion/WartungspunktInspektionVerfahren/NormZyklus/Bewertungskriterium
Hakenvollständige InspektionMagnetpulverprüfung (MT)+MaulweiteMessung+Verschleißvollständige Inspektionmonatlich,MaulweiteArchivierung der Messprotokolle
TraverseSchweißnahtvollständige InspektionSichtprüfung+Magnetpulverprüfung+Ultraschallprüfung(Haupt-Schweißnaht)vierteljährliche Sichtprüfung,jährlichUT/MT
SpannvorrichtungFunktionstestKlemmkraftVerifizierung+automatische VerriegelungseinrichtungTestenmonatlich,Klemmkraft≥2.5fachem LastgewichtEigengewicht
VakuumSystemTestenVakuumGradhaltungPrüfung+LeckrateTestentäglich vor BenutzungTesten,Leckrate≤5%/min

Anforderungen an sicheren Betrieb und Management

Bei der Umsetzung der Norm EN 13155:2020 spielen der sichere Betrieb und die tägliche Verwaltung eine ebenso wichtige Rolle. Die Norm betont insbesondere die Qualifikation und Schulung des Bedienpersonals: Alle Bediener müssen eine Fachschulung absolvieren und die entsprechende Qualifikation erwerben, bevor sie eingesetzt werden dürfen. Der Betreiber ist verpflichtet, ein Aktenverwaltungssystem für Anlagen einzurichten und den gesamten Prozess von Montage, Nutzung, Wartung und Prüfung lückenlos zu dokumentieren. Festgestellte Sicherheitsrisiken sind gemäß dem in der Norm festgelegten Korrekturverfahren zu behandeln, um sicherzustellen, dass die Anlagen jederzeit sicher und kontrollierbar bleiben. Darüber hinaus enthält die Norm einschränkende Anforderungen für den Einsatz unter extremen Wetterbedingungen – so ist beispielsweise der Hubevorgang bei Überschreitung der zulässigen Windgeschwindigkeit untersagt.

Häufige Fragen

F: Welche Anforderungen stellt EN 13155:2020 an Sicherheitsfaktor und Werkstoff von Haken?

A: Die Norm schreibt vor, dass der Gesamt-Sicherheitsfaktor des Hakens (bezogen auf die Bruchlast) mindestens 4,0 betragen muss. Das bedeutet, dass ein Haken mit einer Nennlast von 10 t eine Mindest-Bruchlast von 40 t aufweisen muss. Der Haken ist im Schmiedeverfahren herzustellen; Gusshaken sind ausdrücklich verboten, ebenso ist eine Schweißreparatur am Haken unzulässig. Übliche Werkstoffe sind Stahl 20 oder legierter Stahl 20CrMo, wobei die Streckgrenze mindestens 355 MPa, die Bruchdehnung mindestens 20 % und die Kerbschlagzähigkeit bei −20 °C mindestens 34 J betragen müssen. Der kritische Querschnitt des Hakens ist mindestens einmal jährlich einer Magnetpulverprüfung (MT) zu unterziehen; Risse, Falten oder Überhitzungsfehler an der Oberfläche sind nicht zulässig. Kelude fertigt alle Haken aus hochwertigem legiertem Stahl im Schmiedeverfahren und liefert Materialzertifikat sowie mechanischen Prüfbericht mit.

F: Welche Aussonderkriterien gelten für Lastaufnahmemittel?

A: Die Norm definiert mehrere quantitative Aussonderkriterien für Lastaufnahmemittel: Ein Haken ist auszusondern, wenn die Hakenöffnung um mehr als 15 % der Originalmaße aufgeweitet ist, bei einer Torsionsverformung von mehr als 10° sowie bei einem Verschleiß im kritischen Querschnitt (Hals und Biegezone) von mehr als 5 % der Originalmaße. Für Traversen gelten folgende Aussonderkriterien: Risse in der Hauptschweißnaht, Gesamtverformung über L/500 oder Überschreiten der Auslegungslebensdauer. Spannvorrichtungen sind auszusondern, wenn der Verschleiß an der Klemmfläche 20 % der Originaldicke übersteigt oder das Gewinde beschädigt ist. Bei Vakuumhebegeräten sind gealterte, verhärtete oder gerissene Gummi-Dichtungen umgehend zu ersetzen. Der Hersteller empfiehlt, ein Register für Lastaufnahmemittel zu führen, jedes Gerät mit einer Identifikationsnummer zu versehen und Fertigungsdaten sowie sämtliche Prüfergebnisse zu dokumentieren.

F: Welche Sicherheitsanforderungen an die Konstruktion gelten für Spannvorrichtungen?

A: Die Norm stellt strenge Konstruktionsanforderungen an Spannvorrichtungen: Die Klemmkraft muss mindestens das 2,5-fache des Eigengewichts der Last betragen, um ein Abrutschen während des Hebens und Transports zuverlässig zu verhindern. Die Spannvorrichtung muss über eine selbsttätige Verriegelung verfügen, bei der die Klemmkraft mit zunehmender Last während des Hubvorgangs automatisch ansteigt. Im Notfall bei Druckverlust der Energiequelle (z. B. hydraulisches System) muss die Spannvorrichtung eine Restklemmkraft von mindestens dem 1,5-fachen des Last-Eigengewichts aufrechterhalten. Die Klemmflächen sind mit rutschhemmender Profilierung oder Belägen auszuführen, um Relativbewegungen zwischen Vorrichtung und Last zu verhindern. Jede Spannvorrichtung ist an gut sichtbarer Stelle mit Nennlast und zulässigem Plattendickenbereich zu kennzeichnen; eine Verwendung außerhalb dieser Grenzen ist untersagt.

F: Welche Anforderungen gelten für die tägliche Inspektion und Wartung von Lastaufnahmemitteln?

A: Vor jedem Einsatz ist eine Sichtprüfung des Lastaufnahmemittels durchzuführen, mit besonderem Augenmerk auf Verformung, Verschleiß und Risse am Haken, den Zustand der Klemmflächen bei Spannvorrichtungen sowie die Dichtheit des Vakuumhebegeräts. Monatlich ist eine umfassende Hakenprüfung durchzuführen, einschließlich Magnetpulverprüfung, Messung der Hakenöffnung und Dokumentation des Verschleißes im kritischen Querschnitt. Vierteljährlich sind die Hauptschweißnähte der Traversen einer Sichtprüfung zu unterziehen, jährlich ist eine Ultraschallprüfung (UT) durchzuführen. Die Klemmkraft der Spannvorrichtungen ist monatlich zu verifizieren und muss mindestens das 2,5-fache des Last-Eigengewichts betragen. Das Vakuumsystem ist vor jedem Einsatz einem Vakuumhaltetest zu unterziehen; die Leckrate darf 5 % pro Minute nicht überschreiten. Sämtliche Prüfaufzeichnungen sind zu archivieren und dienen als Grundlage für das Lebenszyklus-Management des Lastaufnahmemittels.


Kelude – Hersteller für Konstruktion und Fertigung von Kranen, Produkte entsprechen dem Normensystem EN 13155:2020 und bieten den vollständigen Lebenszyklus von der Konzeptplanung bis zum Kundendienst und Wartung. Für Informationen zur konkreten Anwendung der Norm in unseren Produkten kontaktieren Sie uns – unser technisches Team stellt Ihnen gerne die technische Dokumentation zur Verfügung.

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