ISO 11662-1:2009 Kipplast und Stabilitätsprüfung für Mobilkrane

Die Norm ISO 11662-1:2009 „Mobilkrane – Prüfung der Kipplast und Stabilität“ definiert das Prüfverfahren für die Stabilitätsprüfung von Mobilkranen. Sie legt die Methoden zur Bestimmung der Kipplast sowie die Belastungsverfahren, Messverfahren und Bewertungskriterien für die Stabilitätsprüfung fest.


Bestimmung der Kipplast

ISO 11662-1:2009 definiert die Kipplast als den Lastwert, bei dem der Kran den kritischen Zustand des Kippens erreicht. Die Norm spezifiziert zwei Verfahren zur Bestimmung der Kipplast: die theoretische Berechnung (Ermittlung der Kipplast über die Schwerpunktlage der einzelnen Bauteile und die Stützreaktionen, geeignet für die Abschätzung der Kipplast in der Konstruktionsphase) und die experimentelle Messung (direkte Messung der Kipplast durch praktische Belastungsversuche, geeignet für die Verifizierung nach der Fertigung). Bei der theoretischen Berechnung sind das Eigengewicht des Krans, die hängende Last, das Gegengewicht, die Windlast und die Trägheitslast in ihrer kombinierten Wirkung zu berücksichtigen. Der Sicherheitsfaktor muss ≥ 1,25 betragen.

Das experimentelle Messverfahren verlangt, dass der Lastangriffspunkt im Zentrum des Hakens liegt. Die Lastaufbringung muss gleichmäßig und langsam erfolgen (die Lastgeschwindigkeit darf 5 % der Nennlast pro Sekunde nicht überschreiten). Die Belastung wird fortgesetzt, bis die Stützbeine oder Reifen den Bodenkontakt verlieren oder der Neigungswinkel des Hubseils einen festgelegten Wert erreicht. Während der Messung sind die Stützreaktionskräfte (mittels Drucksensor oder Kraftsensor, Genauigkeit ± 1 %), der Auslegerwinkel, die Ausladung und der Lastwert bei jeder Laststufe zu erfassen. Die Kipplast ergibt sich als arithmetischer Mittelwert aus drei gültigen Versuchen. Die Abweichung der einzelnen Versuche vom Mittelwert darf ± 5 % nicht überschreiten.


Schematische Darstellung zur Normerläuterung


Verfahren der Stabilitätsprüfung

Die in der Norm festgelegte Stabilitätsprüfung umfasst die statische und die dynamische Stabilitätsprüfung. Bei der statischen Prüfung wird der Kran auf ebenem, tragfähigem Untergrund (Neigung ≤ 0,5 %) mit voll ausgefahrenen Stützbeinen (oder bei Reifenkontakt) und dem Ausleger in der ungünstigsten Richtung unter Nennbedingungen (Richtung des maximalen Lastmoments) positioniert. Die Last wird stufenweise auf 125 % bis 133 % der Nennlast erhöht und für 5 Minuten gehalten. Dabei werden der Neigungswinkel und die Verformung der Stützbeine gemessen. Die dynamische Prüfung umfasst kombinierte Bewegungen wie Heben, Drehen und Wippen unter Nennlast, um die dynamische Stabilität zu überprüfen – einschließlich des Stoßverhaltens beim Anfahren und Bremsen der Drehbewegung, der Lastpendelung beim Wippen und des Lastverhaltens beim Beschleunigen des Hubwerks.

Die Bewertungskriterien für die Stabilitätsprüfung sind: Die maximale Stützreaktion darf in keinem Betriebszustand 90 % der zulässigen Tragfähigkeit des Stützbeins überschreiten. Die Differenz der Stützreaktionen zwischen zwei beliebigen Stützbeinen darf 30 % des Mittelwerts der Reaktionen in Richtung der Stützbein-Spannweite nicht überschreiten. Der Neigungswinkel der gesamten Maschine darf 1° nicht überschreiten. Während der Prüfung darf der Kran keine ungewöhnlichen Geräusche, Verformungen oder Leckagen aufweisen. Die Norm spezifiziert außerdem besondere Anforderungen für die Stabilitätsprüfung von Mobilkranen im Turmbetrieb: Die Belastungsversuche sind stufenweise in den beiden Grenzzuständen – maximale Ausladung und maximale Tragfähigkeit – durchzuführen.

Sicherheitsfaktor
≥1,25
Lastgeschwindigkeit
≤5 %/s
Stützbeinkapazität
≤90 %
Neigungswinkel
≤1°
Messgenauigkeit
±1 %
Wiederholabweichung
≤±5 %
PrüfungPrüfpunktPrüfungBedingungBelastungAnforderungenBeurteilungskriterien
statischStabilitätwaagerechte Aufstellfläche/ungünstigste Richtung125%~133%Nenn-×5minKippwinkel≤1°
dynamischStabilitätNennlast/kombinierte BewegungHeben / Anheben/Drehen/Wippenohne Abweichungen/gleichmäßig
StützbeinStützkraftvollständigBetriebsbedingungenstufenweise Belastungsmessung≤90%Nenn-/Differenz≤30%
TurmdrehkranBetriebsbedingungenMaximale Ausladung/maximalLastGrenz-BetriebsbedingungenstufenweiseDoppel-Betriebsbedingungenalle bestanden

Messgeräte und Messgenauigkeit

Die Anforderungen der Norm an die Prüfgeräte: Die Kippwinkelmessung erfolgt mit einem elektronischen Neigungsmesser oder einem Laser-Nivelliergerät (Genauigkeit ±0,1°). Die Stützbeinkraftmessung wird mit Drucksensoren oder Kraftsensoren durchgeführt (Genauigkeit ±1 %). Die Lastmessung erfolgt über Kraftsensoren oder Kraftmessdosen (Genauigkeit ±1 %). Ausladung und Hubhöhe werden mit einem Stahlbandmaß oder einem Laser-Entfernungsmesser erfasst (Genauigkeit ±1 mm). Alle Messgeräte müssen sich innerhalb ihres Kalibrierintervalls befinden; das Kalibrierintervall darf 12 Monate nicht überschreiten.

Umgebungsbedingungen für die Prüfung: Die Umgebungstemperatur muss zwischen −5 °C und +40 °C liegen, die Windgeschwindigkeit darf 5 m/s nicht überschreiten (bei mehr als 5 m/s sind Außenprüfungen abzubrechen). Der Prüfstand muss eben und tragfähig sein (Tragfähigkeit mindestens das Zweifache der maximalen Stützbeinkraft des Krans), die Bodenneigung darf 0,5 % nicht überschreiten. Vor der Prüfung ist der Kran einer technischen Kontrolle zu unterziehen: Alle Funktionen müssen einwandfrei arbeiten, das hydraulische System druckdicht sein und die Sicherheitseinrichtungen zuverlässig funktionieren. Kelude Schwerindustrie führt an jedem Mobilkran vor Auslieferung eine Stabilitätsprüfung gemäß ISO 11662-1:2009 durch, um die Standsicherheit unter allen Betriebsbedingungen zu gewährleisten.


Prüfbericht und Dokumentation

Der Prüfbericht muss folgende Angaben enthalten: Informationen zum geprüften Kran (Typ, Seriennummer, Herstellungsdatum), Prüfbedingungen (Umgebungstemperatur, Windgeschwindigkeit, Bodenverhältnisse), Auflistung der verwendeten Prüfgeräte (Typ, Seriennummer, Kalibrierintervall), Prüfprotokolle (Stützbeinkräfte, Kippwinkel und Ausladungswerte unter den jeweiligen Laststufen) sowie das Prüfergebnis (ob die Stabilität den Anforderungen entspricht und die konstruktive Kipplast erreicht wurde). Der Bericht ist vom Prüfungsleiter zu unterzeichnen und mit dem Prüfsiegel der Prüfstelle zu versehen.

Die Norm legt außerdem die Aufbewahrungsfrist für Prüfprotokolle fest: Der Stabilitätsprüfbericht ist mindestens drei Jahre nach Verschrottung des Geräts aufzubewahren. Nach einem Umbau, einer Generalüberholung oder einer Änderung der Betriebsbedingungen ist eine erneute Stabilitätsprüfung erforderlich. Kelude Schwerindustrie bietet Stabilitätsprüfungen für Mobilkrane an und stellt anerkannte Prüfberichte aus.

DokumentationspunktInhaltDatenGenauigkeitVerantwortlicher
UmgebungsbedingungenTemperatur/Windgeschwindigkeit/waagerechte Aufstellfläche±0.5℃/±0.1m/sPrüfungPersonal
MessgerätedatenBezeichnung/Identifikationsnummer/GültigkeitsdauerKalibrierungZertifikatsnummerInspektor
BelastungsdatenLast/Stützkraft/Winkel±1%/±0.1°Protokollführer
Prüfergebnisbestanden/nicht bestandenEinzelbewertungPrüfer
Unterschrift und StempelPrüfung/Prüfung/FreigabeUnterschrift+DienstsiegelBevollmächtigter

Häufige Fragen zur Kranstabilität

F: Welche Bedeutung hat die Kipplast?

A: Die Kipplast ist der zentrale Kennwert zur Beurteilung der Kranstabilität. Sie bezeichnet die Last, bei der der Kran die Kippgrenze erreicht. Der Hersteller legt auf dieser Basis die Nenntragfähigkeit fest – üblicherweise 75 % bis 80 % der Kipplast – um eine ausreichende Sicherheitsmarge zu gewährleisten. ISO 11662-1:2009 definiert ein einheitliches Verfahren zur Ermittlung der Kipplast.

F: Unter welchen Bedingungen wird die Stabilitätsprüfung durchgeführt?

A: Die Prüfung erfolgt bei einer Umgebungstemperatur von −5 °C bis +40 °C, einer Windgeschwindigkeit ≤ 5 m/s, einer Bodenneigung ≤ 0,5 % und einer Boden-tragfähigkeit, die mindestens dem Zweifachen der maximalen Stützbeinreaktionskraft entspricht. Alle Kranfunktionen müssen einwandfrei arbeiten und die Sicherheitseinrichtungen zuverlässig funktionieren. Bei Abweichungen von den Umgebungsbedingungen sind die Umgebungsparameter im Prüfbericht zu dokumentieren.

F: Was wird bei der statischen und dynamischen Stabilitätsprüfung jeweils verifiziert?

A: Die statische Prüfung verifiziert die strukturelle Stabilität des Krans unter Grenzlast sowie die Tragfähigkeit der Stützbeine. Die dynamische Prüfung verifiziert die Bewegungsstabilität im Kombinationsbetrieb (Heben + Drehen + Wippen) – insbesondere Bremsstoß, Lastpendeln und Beschleunigungsverhalten. Erst wenn beide Prüfungen bestanden sind, gilt die Stabilität als nachgewiesen.

F: Bietet Kelude Schwerindustrie Stabilitätsprüfungen an?

A: Das Prüfzentrum von Kelude Schwerindustrie verfügt über ein speziell ausgestattetes Testgelände und hochpräzise Messgeräte. Gemäß ISO 11662-1:2009 führen wir für Mobilkrane Kipplastmessungen und Stabilitätsprüfungen durch und stellen ein national anerkanntes Prüfzertifikat aus.

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