ISO 14518:2015 Prüflasten für Krane – Normeninterpretation

ISO 14518:2015 „Krane – Prüflasten – Anforderungen“ ist die spezifische Norm für Prüflasten von Kranen. Sie legt die Lastannahme, das Belastungsverfahren sowie die Abnahmekriterien für Typprüfung, Stückprüfung und wiederkehrende Prüfungen fest und gewährleistet so Konsistenz und Vergleichbarkeit der Prüfungen.


Lastklassifizierung und Lastannahme bei Prüfungen

ISO 14518:2015 unterscheidet folgende Prüflasten: Nennlast (entspricht der Nenntragfähigkeit des Krans), statische Prüflast (1,25-fache Nennlast, dient der Verifizierung der Strukturfestigkeit der Stahlkonstruktion und der Sicherheitsmarge), dynamische Prüflast (1,1-fache Nennlast, dient der Verifizierung der Triebwerksfunktionen und der Zuverlässigkeit der Sicherheitseinrichtungen) sowie Überlast-Prüflast (1,25- bis 1,5-fache Nennlast, für Typprüfungen oder spezielle Nachweiszwecke).

Grundsätze der Lastannahme: Die statische Prüflast beträgt das 1,25-fache der Nennlast (Nachweis der Strukturfestigkeit), die dynamische Prüflast das 1,1-fache der Nennlast (Nachweis der Triebwerksfunktionen einschließlich Heben, Senken, Drehen, Wippen). Für Typprüfungen wird die Überlast-Prüflast mit dem 1,25- bis 1,5-fachen der Nennlast angesetzt, abhängig von Krantyp und Triebwerksgruppe. Als Standardgewichte sind kalibrierte Prüfgewichte zu verwenden (Masseabweichung ≤ ±1 %), die sich innerhalb der Kalibrierfrist befinden müssen. Werden Ersatzlasten (z. B. Wasserbehälter oder Sandsäcke) eingesetzt, bedarf dies der beiderseitigen Zustimmung; die Masseabweichung ist zu dokumentieren.


Schematische Darstellung der Norminterpretation


Ablauf der statischen Belastungsprüfung

Belastungsverfahren der statischen Prüfung: Der Kran wird in Prüfposition gebracht; Stützbeine bzw. Auflager werden entsprechend dem Arbeitszustand vollständig ausgefahren. Zunächst wird die Nennlast aufgebracht und 10 min gehalten; dabei werden die Verformungen an den relevanten Stellen gemessen (Durchbiegung des Hauptträgers, Verformung der Stützbeine, Durchhang am Auslegerende usw.). Anschließend wird auf Leerlauf entlastet und die Restverformung gemessen (Restverformung ≤ 20 % der Gesamtverformung). Danach wird die Last auf das 1,25-fache der Nennlast erhöht und 15 min gehalten; die Verformung wird erneut erfasst. Nach dem Entlasten sind alle Strukturbauteile auf bleibende Verformung, Risse und sonstige Schäden zu prüfen.

Abnahmekriterien der statischen Belastungsprüfung: Unter Nennlast darf die Durchbiegung des Hauptträgers L/400 (Brückenkran) bzw. L/300 (Portal-/Wippkran) nicht überschreiten; der Durchhang am Auslegerende muss innerhalb der zulässigen Grenzen liegen. Unter 1,25-facher Last darf keine bleibende Verformung auftreten (Verformungsrückstellung ≥ 80 % nach dem Entlasten); Schweißnähte müssen rissfrei sein, Schrauben dürfen sich nicht gelöst haben und Verbindungselemente müssen unbeschädigt bleiben. Für Lastfälle bei hohen bzw. niedrigen Umgebungstemperaturen kann eine Temperaturkorrektur angewendet werden. Alle Messwerte werden in der Datenaufzeichnung dokumentiert und vom Inspektor per Unterschrift bestätigt. Bei Kelude durchläuft jeder werksausgelieferte Kran eine statische Belastungsprüfung mit dem 1,25-fachen der Nennlast.

Statische Prüflast
1,25-fach
Dynamische Prüflast
1,1-fach
Überlast-Prüflast
1,25–1,5
Genauigkeit Prüfgewicht
≤ ±1 %
Haltezeit
10–15 min
Restverformung
≤ 20 %
PrüfungTypLastVielfachesHaltezeitPrüfungZweckAbnahmekriterien
Statische Belastungsprüfung1.25fach10~15minStrukturfestigkeitohnebleibende Verformung/Riss
Dynamische Belastungsprüfung1.1fachvollständigHub3MalFunktion des MechanismusRuhiger Betrieb/ohneUngewöhnliches Geräusch
Überlastprüfung1.25~1.5fach3minSicherheitsmargeStrukturelle Integrität
Stückprüfung1.1~1.25fachstückweiseQualitätsprüfungAlle konform
Typprüfung1.25~1.5fachAlleDesignverifikationAlle Prüfungen bestanden

Dynamische Belastungsprüfung – Ablauf und Kriterien

Das Belastungsverfahren für die dynamische Prüfung sieht wie folgt aus: Nach dem Belasten mit dem 1,1-fachen der Nennlast werden die kombinierten Bewegungen aller Antriebe durchgeführt – Heben und Senken des Lastaufnahmemittels jeweils mindestens dreimal über den gesamten Hub (Kontrolle des Bremswegs ≤ 100 mm), Wippen über den vollen Wippbereich mindestens dreimal (bei Auslegern mit veränderlicher Ausladung, z. B. Mobil- und Turmdrehkrane), Drehen jeweils mindestens drei volle Umdrehungen in beide Richtungen (Kontrolle der Laufruhe beim Drehen) sowie Kranbrücken- und Katzfahrt jeweils mindestens dreimal über die volle Fahrstrecke (Kontrolle von Laufruhe und Synchronisation). Alle Bewegungen müssen ruhig und präzise ablaufen, ohne ungewöhnliche Stöße oder Geräusche. Die Bremsen müssen zuverlässig wirken – sowohl bei der statischen Bremsung (Halten der Nennlast in Ruheposition, Lastabsenkung ≤ 100 mm) als auch bei der dynamischen Bremsung (Notbremsung bei Nenndrehzahl, Bremsweg ≤ zulässiger Wert).

Im Rahmen der dynamischen Prüfung ist auch die Funktionsprüfung der Sicherheitseinrichtungen durchzuführen: Der Lastmomentbegrenzer (Stoppen von Heben und Vergrößern der Ausladung bei Erreichen von 100 % des Nennlastmoments; Senken und Verkleinern der Ausladung bleiben möglich), der Traglastbegrenzer (Stoppen des Hebens bei 105 % der Nennlast) sowie die Endschalter (Höhenbegrenzung, Ausladungsbegrenzung, Schwenkbegrenzung – jeweils einzeln auslösen und prüfen). Die Prüfung der Sicherheitseinrichtungen ist parallel zur dynamischen Belastungsprüfung durchzuführen, um deren Zuverlässigkeit unter dynamischen Betriebsbedingungen sicherzustellen.


Sicherheitsanforderungen und Prüfprotokoll

Sicherheitsanforderungen für die Prüfung: Der Prüfbereich ist als Sicherheitszone abzusperren (Radius ≥ maximale Ausladung des Krans + 2 m); unbefugtes Betreten ist nicht gestattet. Die Prüfleitung ist von einem erfahrenen, zertifizierten Einweiser zu übernehmen; die Bedienung des Krans erfolgt durch zertifiziertes Bedienpersonal. Als Prüflast sind geeignete Prüfgewichte zu verwenden, die sicher befestigt sind (Schutz vor Umkippen und Abrutschen). Bei Windgeschwindigkeiten über 8,3 m/s sind Außenprüfungen abzubrechen. Das Prüfprotokoll muss Prüfdatum, Lastwerte, Messdaten, Ergebnisse der Funktionsprüfung der Sicherheitseinrichtungen sowie die Prüfschlussfolgerung enthalten und ist vom Inspektor sowie vom Bedienpersonal zu unterzeichnen.

SicherheitshinweiseAnforderungenVerantwortlicher
WarnzoneRadius≥Maximale Ausladung+2mSicherheitsbeauftragter
PersonalZertifiziertBedienpersonal+EinweiserPrüfungGruppenleiter
LastBefestigungPrüfgewichtBefestigungFestBedienpersonal
Windgeschwindigkeitsgrenzwert≤8.3m/sInspektor
ProtokollunterschriftBeidseitige UnterschriftInspektor+Bedienpersonal

Häufige Fragen zur Kranprüfung

F: Welche Prüflasten sind nach ISO 14518:2015 vorgeschrieben?

A: Bei der statischen Belastungsprüfung beträgt die Prüflast das 1,25-fache der Nennlast (Nachweis der Strukturfestigkeit der Stahlkonstruktion), bei der dynamischen Belastungsprüfung das 1,1-fache (Funktionsnachweis der Triebwerke und Sicherheitseinrichtungen). Für die Typprüfung gilt eine Überlast von 1,25 bis 1,5. Die Prüfgewichte müssen innerhalb der Kalibrierfrist liegen; die Masseabweichung darf ±1 % nicht überschreiten.

F: Wie ist der Ablauf der statischen Belastungsprüfung und welche Abnahmekriterien gelten?

A: Zunächst wird die Nennlast 10 Minuten gehalten, nach dem Entlasten folgt die Prüfung mit 1,25-facher Last über 15 Minuten. Unter Nennlast darf die Durchbiegung L/400 nicht überschreiten. Bei 1,25-facher Last sind keine bleibenden Verformungen zulässig (die Rückstellung nach dem Entlasten muss ≥80 % betragen) und es dürfen keine Risse auftreten. Die Restverformung darf 20 % der Gesamtverformung nicht überschreiten.

F: Welche Abnahmekriterien gelten für die dynamische Belastungsprüfung?

A: Bei 1,1-facher Last sind alle Bewegungen – Heben, Wippen, Drehen und Fahren – mindestens dreimal über den gesamten Bewegungsbereich durchzuführen. Die Bewegungen müssen ruhig und ohne ungewöhnliche Geräusche oder Stöße ablaufen. Die Bremse muss zuverlässig wirken (Bremsweg beim Senken ≤100 mm). Die Sicherheitseinrichtungen sind während der dynamischen Prüfung auf ihre Funktion zu verifizieren.

F: Welche Sicherheitsanforderungen sind bei der Prüfung zu beachten?

A: Der Radius des Sicherheitsbereichs muss mindestens der maximalen Ausladung plus 2 m entsprechen. Eingesetzt werden dürfen nur zertifiziertes Bedienpersonal und Einweiser. Die Windgeschwindigkeit darf 8,3 m/s nicht überschreiten, und die Last ist sicher zu befestigen. Alle Krane von Kelude werden werksseitig einer statischen Belastungsprüfung mit 1,25-facher Nennlast und einer dynamischen Belastungsprüfung mit 1,1-facher Nennlast unterzogen; der entsprechende Prüfbericht wird mitgeliefert.

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