Festigkeitsnachweis für Kran-Metallkonstruktion nach GB/T 30024-2013

Die Norm GB/T 30024-2013 „Krane – Nachweis der Tragfähigkeit von Metallkonstruktionen“ ist die allgemeingültige Grundlage für die Berechnung und den Nachweis der Tragfähigkeit von Kranstahlbauten. Die Norm übernimmt äquivalent die ISO 20332:2008 und legt Analyseverfahren sowie Nachweiskriterien für Festigkeit, Steifigkeit und Stabilität von Kran-Metallkonstruktionen fest. Dieser Beitrag erläutert die zentralen Berechnungsmethoden und Bewertungsregeln der Norm im Detail.

Die Norm GB/T 30024-2013 „Krane – Nachweis der Tragfähigkeit von Metallkonstruktionen“ übernimmt äquivalent die ISO 20332:2008 und ergänzt die Konstruktionsvorschrift GB/T 3811-2008 als zugehöriger Nachweisstandard. Sie liefert eine systematische Methodik für den Tragfähigkeitsnachweis von Kran-Metallkonstruktionen und deckt Lastanalyse, Spannungsberechnung, Ermüdungsbewertung sowie Stabilitätsnachweis ab.


GB/T 30024-2013-structure Parameter der Tragfähigkeitsprüfung von Kran-Metallkonstruktionen

Grundlagen der Tragfähigkeitsprüfung

Die Norm verwendet das Teilsicherheitsbeiwert-Verfahren für den Tragfähigkeitsnachweis. Die einzelnen Lasten werden mit den zugehörigen Teilsicherheitsbeiwerten multipliziert, kombiniert und mit den Bemessungswerten des Materialwiderstands verglichen. Zu den Teilsicherheitsbeiwerten zählen der Eigengewichtskoeffizient γG (üblicherweise 1,1), der Nutzlastkoeffizient γP (1,3 bis 1,5) sowie der dynamische Beiwert φ (Stoßbeiwert beim Heben 1,05 bis 1,3).

Ablauf des Nachweises: Aufstellung eines Finite-Elemente-Modells oder eines analytischen Modells der Struktur → Ermittlung der Lastkombinationen für die jeweiligen Betriebsbedingungen → Berechnung der Schnittgrößen in den einzelnen Bauteilen → Festigkeits-, Steifigkeits- und Stabilitätsnachweis für alle relevanten Querschnitte → Ermüdungslebensdauerbewertung ermüdungsgefährdeter Bereiche → Erstellung des Nachweisberichts.


Festigkeits- und Steifigkeitsnachweis

Festigkeitsnachweis: Normalspannung σ ≤ σR/γm (σR = Streckgrenze des Werkstoffs, γm = Teilsicherheitsbeiwert des Materials, 1,33). Schubspannung τ ≤ τR/γm. Für zusammengesetzte Spannungen gilt der Nachweis nach der Von-Mises-Vergleichsspannung σv ≤ σR/γm. Für Baustahl Q235B (≈S235JR) ergibt sich eine zulässige Spannung von ca. 170 MPa.

Steifigkeitsnachweis: Die Durchbiegung des Hauptträgers unter Volllast ist auf f ≤ S/700 (Triebwerksgruppe A4 bis A5) bzw. S/800 (Triebwerksgruppe A6 bis A7) begrenzt. Bei Portalbauart gilt für die Durchbiegung am Auslegerende f ≤ L/350. Die Gesamtstabilität wird nach der zweiten Stabilitätskategorie der Norm GB/T 3811 (äquivalent zu DIN 15018) berechnet.


Ermüdungsbewertung der Kranstruktur

Für Kran-Metallkonstruktionen der Triebwerksgruppe A6 und darüber ist eine Ermüdungsbewertung erforderlich. Die Norm berechnet die Ermüdungslebensdauer anhand der Anzahl der Spannungsspiele und der Spannungsamplituden. Schweißnähte weisen eine geringere Dauerfestigkeit auf als der Grundwerkstoff und sind daher der Schwerpunkt der Ermüdungsbewertung. Bei einem Spannungsspielverhältnis größer als 0,1 ist ein Nachweis auf unbegrenzte Lebensdauer zu führen (Spannungsamplitude unterhalb der Dauerfestigkeit).


Vergleichstabelle der Nachweisparameter

ParameterWert / BereichAnmerkung
Teilsicherheitsbeiwert Eigengewicht γG1,1für ständige Lasten
Teilsicherheitsbeiwert Nutzlast γP1,3 – 1,5je nach Lastgruppe
Dynamischer Beiwert φ (Heben)1,05 – 1,3Stoßbeiwert beim Anheben
Teilsicherheitsbeiwert Material γm1,33für Stahlbau
Zulässige Spannung Q235B (≈S235JR)ca. 170 MPabezogen auf Streckgrenze
Durchbiegung Hauptträger unter Volllastf ≤ S/700 bzw. S/800je nach Triebwerksgruppe
Durchbiegung Auslegerende (Portalbauart)f ≤ L/350für Kragarm
Ermüdungsnachweisab Triebwerksgruppe A6Spannungsspielverhältnis > 0,1 → unbegrenzte Lebensdauer
← Tabelle seitlich wischen →
ÜberprüfungProjektNormanforderungenQ235B (≈S235JR)zulässiger WertQ345B (≈S355J2)zulässiger WertÜberprüfungVerfahren
positivSpannungσ≤σR/γm≤170MPa≤250MPaFinite-Elemente/analytische Methode
Schubspannungτ≤τR/γm≤100MPa≤145MPamaximalSchubspannungVerfahren
zusammengesetztSpannungVon Mises≤170MPa≤250MPaσv=√(σ²+3τ²)
Durchbiegungf≤S/700~S/800durchSpannweitebestimmtSuperpositionsverfahren/Finite-Elemente
BeulstabilitätNorm GB/T 3811zweiter ArtgemäßSchlankheitsgradTabellenwertEuler/Finite-Elemente
Ermüdung(unendliche Lebensdauer)Δσ≤ΔσDgemäßSchweißnahtKlassifizierung nach TabelleNenn-SpannungVerfahren
Kelude NormKelude SchwerindustriealleBrücken- und PortalkrangemäßGB/T 30024Systemfähigkeitsnachweis durchführen,FE-Berechnungsbericht erstellen
Teilsicherheitsbeiwerte
Eigengewicht γG=1,1, Nutzlast γP=1,3–1,5, dynamischer Beiwert φ=1,05–1,3
Zulässige Spannung Q235B
Normalspannung ≤170 MPa, Schubspannung ≤100 MPa
Zulässige Spannung Q345B
Normalspannung ≤250 MPa, Schubspannung ≤145 MPa
Durchbiegungskriterien
Hauptträger Mitte der Spannweite S/700–S/800, Kragarm L/350
Ermüdungsbewertung
Erforderlich ab Klasse A6 und darüber; Lebensdauer nach Wöhler-Kurve
Nachweisumfang
Vollständige Verifikation: Last, Spannung, Durchbiegung, Stabilität, Ermüdung

Häufige Fragen zur Krandimensionierung

F: Wie verhalten sich DIN 15018 und GB/T 3811 zueinander?

A: DIN 15018 ist die Krandimensionierungsnorm und legt die grundlegenden Anforderungen sowie die Berechnungsmethode für Lasten fest. Die Norm GB/T 30024-2013 regelt den Nachweis der Tragfähigkeit von Metallkonstruktionen und definiert, wie die Stahlkonstruktion auf Erfüllung der Konstruktionsanforderungen zu überprüfen ist. Kurz gesagt: DIN 15018 beschreibt, wie konstruiert wird, während GB/T 30024 festlegt, wie der Nachweis der Konstruktionsqualität zu erbringen ist.

F: Welche Inhalte muss ein Nachweisbericht abdecken?

A: Gemäß den Normanforderungen umfasst der Nachweisbericht: ① die wichtigsten technischen Parameter des Krans (Tragfähigkeit, Spannweite, Triebwerksgruppe usw.); ② die Lastkombinationen und die gewählten Teilsicherheitsbeiwerte; ③ die Spannungsberechnungen und Überprüfungsergebnisse aller kritischen Querschnitte; ④ die Steifigkeitsnachweise (Durchbiegung); ⑤ den Stabilitätsnachweis; ⑥ die Ermüdungsbewertung (ab Klasse A6 und darüber); ⑦ die Schlussfolgerung – ob die Konstruktionsanforderungen erfüllt werden.

F: Warum beträgt die zulässige Spannung für Q235B 170 MPa und für Q345B 250 MPa?

A: Die Streckgrenze von Q235B liegt bei 235 MPa. Dividiert man diesen Wert durch den Teilsicherheitsbeiwert γm=1,33 (einschließlich Sicherheitsfaktor 1,1), ergibt sich eine zulässige Normalspannung von ca. 170 MPa. Bei Q345B mit einer Streckgrenze von 345 MPa ergibt dieselbe Division ca. 250 MPa. Diese Werte entsprechen der Normempfehlung. In der Praxis wird γm je nach Lastkombination und Bedeutung der Struktur zwischen 1,33 und 1,50 gewählt.

F: Für welche Krane ist eine Ermüdungsbewertung erforderlich?

A: Die Metallkonstruktion von Kranen der Triebwerksgruppe A6 und darüber (schwer, sehr schwer, extrem schwer) muss einer Ermüdungsbewertung unterzogen werden. Die Gesamtzahl der Arbeitsspiele beträgt bei Klasse A6 ca. 2×10^5, bei Klasse A7 ca. 4×10^5 und bei Klasse A8 ca. 8×10^5. Die Bewertung erfolgt nach dem Nennspannungskonzept anhand der Ermüdungsklassen-Kurven (Wöhler-Kurve) gemäß Anhang der Norm GB/T 30024.

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