ISO 7752-4:2010: Steuerpult-Anordnung für Auslegerkrane
Die Norm ISO 7752-4:2010 „Krane – Steuerpulte – Anordnung und Eigenschaften – Teil 4: Auslegerkrane“ legt die Anordnung von Steuerpulten für Auslegerkrane fest. Aufbauend auf den Allgemeinen Grundsätzen der ISO 7752-1 definiert sie die Positionierung, Bedienlogik und Kennzeichnungsanforderungen der Steuerungen – abgestimmt auf die Betriebseigenschaften von Auslegerkranen wie Portalwippdrehkranen, Mastkranen und Deckskranen.
Bedieneigenschaften von Auslegerkranen
Die Anordnung der Steuerpulte bei Auslegerkranen unterscheidet sich von der allgemeiner Krane: Üblicherweise müssen drei Bewegungen gleichzeitig gesteuert werden – Heben, Wippen und Drehen. Bei Deckskranen und Schwimmkranen kommt zusätzlich das Fahren hinzu. Häufig sind kombinierte Bewegungen erforderlich, etwa gleichzeitiges Heben und Drehen oder gleichzeitiges Wippen und Drehen. Die Norm verlangt, dass die Steuerungen von Auslegerkranen Mehrachsen-Betrieb unterstützen – empfohlen werden Mehrweichachsen-Joysticks, die zwei bis drei Bewegungen gleichzeitig steuern. Die Anordnung der Steuerungen soll Überkreuzungen der Arme und Ermüdung des Bedieners bei kombinierten Bewegungen minimieren.
Typische Steuerungen für Auslegerkrane sind das Seilwippwerk (das sich vom Hydraulikzylinder-Wippen in Bedienlogik und Richtungszuordnung unterscheidet), die Wippen-Rückkippsicherung (manuelle Einstellung nach Erreichen des maximalen Auslegerwinkels) sowie die Steuerung des Seilsystems (Spannungsanpassung von Vor- und Achterholer bei Mastkranen). Für das kranspezifische Fahrwerk auf Schienen fordert die Norm eine eindeutige Kennzeichnung der Fahrtrichtung sowie der Vorwärts-/Rückwärtszuordnung.
Anforderungen an die Anordnung der Steuerungen
Die Norm empfiehlt konkrete Anordnungen für Hebelsteuerungen. Bei der Zweihebel-Bedienung sitzt der Bediener mit beiden Unterarmen auf den Armlehnen des Sitzes und bedient je einen Mehrweichachsen-Joystick mit jeder Hand. Der linke Hebel steuert das Drehen (links/rechts) und das Wippen (vor/zurück), der rechte Hebel das Heben (auf/ab) und die Katzenfahrt (vor/zurück). Bei der Einhebel-Bedienung übernimmt der rechte Hebel das Heben (auf/ab) und Wippen (vor/zurück), während über das linke Bedienfeld Taster oder ein kleiner Hebel für Drehen und Fahren bedient werden. Beide Anordnungen haben ihre bevorzugten Einsatzbereiche: Die Zweihebel-Bedienung eignet sich für große Portalwippdrehkrane und Mastkrane, die Einhebel-Bedienung für mittlere und kleinere Deckskrane und Schwimmkrane.
Die Steuerungen müssen in ihrer Position verstellbar sein – Sitz und Steuerpult sollen gemeinsam in Längsrichtung um mindestens 150 mm verstellbar sein, um unterschiedlichen Körpergrößen gerecht zu werden. Der Neigungswinkel des Bedienfelds lässt sich zwischen 15° und 45° einstellen, sodass die Handgelenke des Bedieners in natürlicher, gestreckter Haltung liegen. Die Höhendifferenz zwischen Armlehne und Sitzfläche beträgt 200 bis 250 mm, wodurch die Ellbogen in einem Winkel von 90° bis 110° natürlich aufliegen.
| Hebelkonfiguration | Linkshandsteuerung | Rechtshandsteuerung | Geeignete Gerätetypen |
|---|---|---|---|
| Zweihandbedienung | Drehen+Wippen | Heben / Anheben+Laufkatze | GroßausführungPortalunterbau/Mast |
| Einhebel | Bedienfeldtasten | Heben / Anheben+Wippen | Kleine/mittlere Decks/Schwimmend |
| Kombihebel | 3Multifunktionsachse | 3Multifunktionsachse | GroßausführungSchwimmkran |
| Getrennte Anordnung | Funktionsbereichsaufteilung | Rechter Haupthbel | Sonderanwendungen |
Betätigungsrichtung und Bedienlogik
Die Norm legt die Betätigungsrichtung der Steuerungen an Auslegerkranen verbindlich fest: Für die Hubfunktion gilt – Ziehen des Bedienhebels nach oben bzw. hinten hebt den Haken, Drücken nach vorne bzw. unten senkt ihn. Beim Wippen führt das Drücken des Hebels nach vorne zu einer Vergrößerung der Ausladung bzw. einer Verkleinerung des Winkels (bei auskragenden Auslegern bedeutet dies eine Zunahme der Ausladung); das Ziehen nach hinten verringert die Ausladung bzw. vergrößert den Winkel. Für die Drehbewegung gilt: Hebel nach links – der Kranoberwagen dreht nach links, Hebel nach rechts – Drehung nach rechts. Die Norm empfiehlt für die Lastpositionierung eine koordinierte Bedienlogik: Bei beidhändiger Bedienung steuert die linke Hand die horizontale Position (Drehen und Wippen), die rechte Hand die vertikale Position (Heben und Senken) – eine intuitive Bedienweise, vergleichbar mit einem Kran-Lastspiel.
Für die Konsistenz der Bedienung bei unterschiedlichen Wippkonstruktionen gilt: Die Betätigungsrichtung bei Auslegern mit Seilwippwerk muss mit der bei Hydraulikzylinder-Wippen übereinstimmen, damit Bediener beim Wechsel zwischen verschiedenen Kranmodellen nicht verwirrt werden. Die Norm legt außerdem eine neutrale Totbandzone der Steuerung von maximal 5 % des vollen Hubwegs fest, um Fehlauslösungen durch Vibrationen zu vermeiden. Für das Beschleunigungsverhalten der Steuerung gilt: Anfahren und Stoppen müssen mit gleichmäßiger Beschleunigung bzw. Verzögerung erfolgen (Änderungsrate der Beschleunigung ≤ 5 m/s³), um das Pendeln der hängenden Last zu minimieren.
Kennzeichnung und Notbetrieb
Die Kennzeichnungsanforderungen für die Steuerungen von Auslegerkranen schreiben vor, dass jede Steuerung mit einer Funktionsbezeichnung in deutscher Sprache sowie dem zugehörigen graphischen Symbol gemäß Norm ISO 7000 zu kennzeichnen ist. Die Größe der Kennzeichnung ist definiert: Bei einem Betrachtungsabstand von 500 mm muss die Texthöhe mindestens 5 mm und die Symbolgröße mindestens 10 mm × 10 mm betragen. Die Kennzeichnungsschilder sind aus dauerhaftem Material zu fertigen (geätzte Aluminiumplatten oder kaschierte Polyesterfolie) und müssen einen dunklen Hintergrund (schwarz oder dunkelgrau) mit weißen bzw. hellen Schrift- und Symbolzeichen aufweisen, um einen hohen Kontrast und damit optimale Lesbarkeit zu gewährleisten.
Für den Notbetrieb gelten folgende Anforderungen: Auslegerkrane müssen mit einem Not-Aus-Taster ausgestattet sein (roter Pilzkopf, Durchmesser ≥ 25 mm), der sowohl im Führerhaus als auch am Bodensteuerstand vorhanden sein muss. Zusätzlich sind Einrichtungen zur Notabsenkung und Notauslösung vorzusehen: Bei hydraulisch angetriebenen Auslegerkranen ist ein manuelles Notabsenkventil erforderlich, das bei Druckabfall im hydraulischen System ein sicheres Absenken der Last durch manuelle Betätigung ermöglicht. Die Steuerungssysteme der Auslegerkrane von Kelude sind gemäß Norm ISO 7752-4:2010 konfiguriert.
| Steuerung | Steuerrichtungsdefinition | Multifunktionsachse | Notbetrieb |
|---|---|---|---|
| Heben / AnhebenEinhebel | Auf/ZurückHeben / Anheben | Lasthub/-senkung | NotabsenkungVentil |
| WippenEinhebel | Vorwärtsauslegervergrößerung/Rückwärtsauslegerverkleinerung | AuslegerwinkelEinstellung | manuelle Freigabe |
| DrehenEinhebel | Links/RechtsDrehen | OberteilDrehen | NotfallBremslösung |
| FahrenEinhebel | Vor/ZurückFahren | GesamtmaschineFahren | Not-Bremsung |
| Not-Aus-Taster | Druck-Stopp | Gesamtstopp | DrehungReset |
Häufige Fragen
F: Welche Steuerungsanordnung wird für Auslegerkrane empfohlen?
A: Zweihand-Bedienung: Linke Hand steuert Drehen und Wippen, rechte Hand steuert Heben und Laufkatze. Gilt für große Portalunterbauten und Mastkrane. Einhandhebel-Variante: Rechte Hand steuert Heben und Wippen, linke Hand bedient über Tasten am Bedienfeld Drehen und Fahren. Geeignet für mittlere und kleine Decks- sowie Schwimmkrane.
F: Wie ist die Betätigungsrichtung der Steuerung definiert?
A: Heben: Hebel nach oben/zurück ziehen zum Anheben, nach vorne/drücken zum Senken. Wippen: Vorwärtsdrücken vergrößert den Auslegerwinkel, Zurückziehen verkleinert ihn. Drehen: Linksdrücken dreht nach links, Rechtsdrücken dreht nach rechts. Die Betätigungsrichtung von Seilwippwerk und Hydraulikzylinder-Wippen ist identisch.
F: Welche Anforderungen gelten für Totband und Beschleunigung der Steuerung?
A: Totband in Nullstellung ≤ 5 % des vollen Hubwegs (verhindert Fehlauslösung durch Vibrationen). Beschleunigungsänderung ≤ 5 m/s³ (gleichmäßiges Beschleunigen und Verzögern beim Start und Stopp, reduziert Pendeln der hängenden Last). Die Steuerungssysteme der Krane von Kelude sind mit einem präzisen Drehzahlregelkreis ausgestattet.
F: Welche Notbetriebseinrichtungen sind bei Auslegerkranen vorgesehen?
A: Not-Aus-Taster (roter Pilzkopf ≥ 25 mm, je einer im Führerhaus und am Boden), Notabsenkungsventil (manuelle Betätigung bei Druckverlust im hydraulischen System) sowie Notauslösung (manuelle Freigabe der Bremse). Auslegerkrane von Kelude sind gemäß der Norm vollständig mit Notbetriebseinrichtungen ausgestattet.